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Senioren-WG & gemeinsames Wohnen 50+/60+: Kosten, Zuschüsse und die richtige WG finden

Autorenbild: Kerstin Faust
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Kurz erklärt: Eine Senioren-WG ist eine Wohngemeinschaft, in der mehrere ältere Menschen zusammenleben, sich Gemeinschaftsräume teilen und gegenseitig unterstützen. Bei der Vorform, der Plus-WG oder WG 50+, ziehen bereits Menschen ab 50 zusammen, ohne dass Pflegebedarf im Vordergrund steht. Für pflegebedürftige Bewohner zahlt die Pflegekasse in einer ambulant betreuten Wohngruppe seit 2026 einen Wohngruppenzuschlag von 224 Euro monatlich sowie bis zu 2.500 Euro Gründungszuschuss pro Person (§ 45f, § 45g SGB XI).

Was ist eine Senioren-WG – und was unterscheidet sie von der WG 50+?

In einer Senioren-Wohngemeinschaft (kurz Senioren-WG oder Alters-WG) leben mehrere ältere Menschen zusammen: Jeder Bewohner hat mindestens ein eigenes Zimmer oder eine eigene Wohneinheit, Küche, Bad oder Gemeinschaftsraum werden geteilt. Eine feste Altersgrenze gibt es nicht – entscheidend ist der Wunsch, den Alltag nicht allein zu bestreiten.

Eine Vorstufe davon ist die Plus-WG oder WG 50+/60+: Hier ziehen aktive, meist noch berufstätige oder frisch verrentete Menschen ab 50 Jahren zusammen – ganz ohne Pflegebezug, eher aus Lust auf Gemeinschaft, zum Teilen der Mietkosten oder weil das Haus nach dem Auszug der Kinder zu groß geworden ist. Wird später Unterstützung im Alltag nötig, lässt sich daraus häufig eine klassische Senioren-WG oder sogar eine Pflege-WG (ambulant betreute Wohngruppe) weiterentwickeln.

Für wen eignet sich welche Wohnform?

Wohnform Zielgruppe Pflegebedarf
WG 50+ / Plus-WG Aktive Menschen ab 50, oft noch berufstätig Keiner
Klassische Senioren-WG Ältere Menschen, die selbstständig, aber nicht allein leben möchten Keiner bis leicht
Senioren-Hausgemeinschaft Wer eigenen Rückzugsraum (abgeschlossene Wohnung) will, aber Gemeinschaftsräume nutzt Keiner bis mittel
Pflege-WG (ambulant betreute Wohngruppe) Menschen mit Pflegegrad, die nicht ins Heim möchten Mittel bis hoch


Wer unsicher ist, sollte die individuelle körperliche und geistige Verfassung, die finanziellen Mittel und vor allem die eigene Kompromissbereitschaft realistisch einschätzen – denn Rücksicht auf Mitbewohner und das Akzeptieren gemeinsamer Regeln sind in jeder WG-Form Voraussetzung.

Die vier WG-Modelle im Vergleich

1. Privat organisierte Senioren-WG Mehrere Senioren mieten oder kaufen gemeinsam eine Wohnung oder ein Haus und organisieren den Alltag selbst – wie in einer klassischen Studenten-WG, nur mit mehr Komfort und meist eigenen Bädern.

2. Trägergestützte Senioren-WG Pflegedienste, Wohlfahrtsverbände oder Pflegeheime gründen die WG und wählen häufig auch die Bewohner aus. Das bedeutet weniger Eigenverantwortung, aber auch weniger Entscheidungsfreiheit.

3. Senioren-Hausgemeinschaft Jeder bewohnt eine eigene, abgeschlossene seniorengerechte Wohnung, teilt sich aber Gemeinschaftsräume, Garten oder ein Dienstleistungsnetz für Pflege, Betreuung oder Mahlzeiten.

4. Pflege-WG / ambulant betreute Wohngruppe Richtet sich an Menschen mit Pflegegrad. Seit der Pflegereform (BEEP) zum 1. Januar 2026 gilt: mindestens drei Bewohner mit häuslicher pflegerischer Versorgung, eine gemeinsam beauftragte Präsenzkraft übernimmt Organisation und Alltagsunterstützung. Rechtsgrundlage ist seither § 45f SGB XI (vorher § 38a SGB XI).

Vor- und Nachteile des gemeinsamen Wohnens im Alter

Vorteile

  • Gemeinschaft statt Einsamkeit – gerade relevant, da laut Statistischem Bundesamt etwa jeder dritte Über-65-Jährige allein lebt
  • Geteilte Mietkosten und Nebenkosten
  • Im Notfall ist schnell jemand da
  • Pflege- oder Haushaltshilfen lassen sich gemeinschaftlich organisieren und finanzieren
  • Mehr potenzielle Ansprechpartner und Unterstützer aus dem erweiterten Bekanntenkreis
     

Nachteile

  • Kompromissbereitschaft und Anpassungsfähigkeit sind Voraussetzung
  • Bei Konflikten oder Auszug einzelner Mitbewohner können Verträge und Kostenaufteilung komplizierter werden
  • Bei trägergestützten Modellen: weniger Mitbestimmung bei Bewohnerauswahl und Tagesablauf
  • Nicht jede Wohnung ist barrierefrei oder für eine WG-Nutzung ausgelegt

Was kostet eine Senioren-WG?

Ein Pauschalpreis lässt sich nicht nennen – die Kosten richten sich nach dem örtlichen Mietniveau. Als Faustregel gilt:

Kostenpunkt Wer zahlt?
Kaltmiete privates Zimmer/Wohnbereich jeder Bewohner selbst
Nebenkosten Gemeinschaftsflächen anteilig auf alle Bewohner umgelegt
Präsenzkraft/Organisation (nur Pflege-WG) anteilig, teilweise über Wohngruppenzuschlag gedeckt
individuelle Pflegekosten abhängig vom Pflegegrad, über Pflegekasse abrechenbar

In einer WG ist die Miete pro Kopf in der Regel günstiger als beim Alleinwohnen in derselben Wohnung – bei einer Pflege-WG liegt der Eigenanteil erfahrungsgemäß in einer ähnlichen Größenordnung wie im Pflegeheim, kann durch geteilte Pflegekräfte aber niedriger ausfallen.

Finanzielle Förderung 2026: Wohngruppenzuschlag & Zuschüsse

Seit dem Pflege-Entbürokratisierungsgesetz (BEEP) zum 1. Januar 2026 wurden die Fördervorschriften neu geordnet:

  • Wohngruppenzuschlag (§ 45f SGB XI, vorher § 38a): 224 Euro monatlich pro pflegebedürftigem Bewohner in einer ambulant betreuten Wohngruppe. Voraussetzung: mindestens drei Bewohner mit Pflegegrad 1–5 sowie eine gemeinsam beauftragte Präsenzkraft. Ab Pflegegrad 2 muss zusätzlich eine reguläre Pflegeleistung bezogen werden.
  • Anschubfinanzierung (§ 45g SGB XI, vorher § 45e): Einmalig bis zu 2.500 Euro pro Person, insgesamt maximal 10.000 Euro pro Wohngruppe zur Gründung.
  • Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen (§ 40 Abs. 4 SGB XI): Zuschuss für barrierereduzierende Umbauten, z. B. Treppenlift oder bodengleiche Dusche.
  • Wohngeld: Für WG 50+ oder Senioren-WGs ohne Pflegebezug kann bei geringem Einkommen regulärer Wohngeldanspruch bestehen – unabhängig vom Wohngruppenzuschlag.

Der Antrag auf den Wohngruppenzuschlag läuft über die zuständige Pflegekasse; nötig sind unter anderem Mietvertrag, Grundriss und der gemeinschaftliche Pflegevertrag.

Rechtliches: Mietvertrag und Betreuungsvertrag

Wie bei jeder WG entscheidet die Vertragskonstellation über Rechte und Pflichten:

  • Hauptmieter-Modell: Eine Person schließt den Vertrag mit dem Vermieter und vermietet an die übrigen Bewohner unter.
  • Gesamtschuldner-Modell: Alle Bewohner unterschreiben gemeinsam einen Vertrag und haften gesamtschuldnerisch.
  • Einzelverträge: Jeder Bewohner hat einen eigenen Vertrag mit dem Vermieter – üblich bei Hausgemeinschaften mit abgeschlossenen Wohneinheiten.

Lesetipp: WG-Mietvertrag: Drei Modelle im Vergleich – Haftung, Kündigung und Kaution 2026

Bei einer Pflege-WG kommt zusätzlich ein gemeinschaftlicher Pflegevertrag mit dem Pflegedienst sowie ein Vertrag mit der Präsenzkraft hinzu – beide sind Voraussetzung für den Wohngruppenzuschlag.

So findest du eine passende WG – oder gründest selbst eine

  1. immowelt Wohnungssuche: Nach seniorengerechten und barrierefreien Wohnungen filtern, die sich für eine WG-Nutzung eignen.
  2. Spezialisierte Plattformen und Vereine: Wohnprojekte-Portal, lokale Mehrgenerationenhäuser und Wohlfahrtsverbände.
  3. Pflegedienste und Sozialstationen vor Ort: Für trägergestützte Senioren-WGs und Pflege-WGs erste Anlaufstelle.
  4. Selbst gründen: Gleichgesinnte über Nachbarschaftsnetzwerke, Kirchengemeinden oder Seniorenbeiräte finden, gemeinsam passende Immobilie suchen und Regeln für das Zusammenleben festlegen, bevor der Mietvertrag unterschrieben wird.

Checkliste vor dem Einzug

  • Passen Lebensrhythmus, Interessen und Erwartungen der zukünftigen Mitbewohner zueinander?
  • Ist die Wohnung barrierefrei bzw. barrierearm (Aufzug, bodengleiche Dusche, Türbreiten)?
  • Welche Vertragskonstellation liegt vor – und wer haftet bei Auszug oder Zahlungsausfall?
  • Ist eine Hausordnung oder ein WG-Vertrag mit klaren Regeln (Putzplan, Gäste, Kostenverteilung) vorhanden?
  • Bei Pflegebedarf: Ist eine Präsenzkraft organisiert und der Antrag auf Wohngruppenzuschlag vorbereitet?

Häufige Fragen (FAQ)

Ab welchem Alter kann ich in eine Senioren-WG oder WG 50+ ziehen?

Eine feste Altersgrenze gibt es nicht. Plus-WGs richten sich an Menschen ab etwa 50 Jahren, klassische Senioren-WGs meist an Über-60-Jährige – entscheidend ist die persönliche Lebenssituation, nicht das genaue Alter.

Brauche ich einen Pflegegrad für eine Senioren-WG?

Nein. Nur für den Wohngruppenzuschlag und die Anschubfinanzierung nach SGB XI ist ein Pflegegrad Voraussetzung. Klassische Senioren-WGs und WG 50+ funktionieren unabhängig davon.

Wie hoch ist der Wohngruppenzuschlag 2026?

224 Euro monatlich pro pflegebedürftigem Bewohner, geregelt seit 1. Januar 2026 in § 45f SGB XI.

Was passiert, wenn ein Mitbewohner auszieht oder verstirbt?

Das regelt die gewählte Vertragskonstellation (Hauptmieter-, Gesamtschuldner- oder Einzelvertragsmodell). Bei Gesamtschuldner-Verträgen haften die verbleibenden Bewohner für die gesamte Miete weiter, bis Nachmieter gefunden sind.

Ist eine Senioren-WG günstiger als ein Pflegeheim?

Häufig ja, insbesondere wenn Miete und Pflegekräfte auf mehrere Bewohner verteilt werden. Ein pauschaler Vergleich ist wegen unterschiedlicher regionaler Mietniveaus und individuellem Pflegebedarf aber nicht möglich.

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