Barrierefreies Wohnen ist für viele Menschen unverzichtbar – sei es im Alter, mit Gehhilfe oder Rollstuhl. Manche möchten auch einfach frühzeitig vorsorgen. Eine bodengleiche Dusche, breite Türen oder ein stufenloser Zugang zur Terrasse machen den Alltag deutlich einfacher und sicherer. Dieser Überblick zeigt, wie barrierefreies Wohnen in der Praxis aussieht – und welche Möglichkeiten es dafür gibt.
Inhaltsübersicht
- Was bedeutet Barrierefreiheit?
- Für wen ist barrierefreies Wohnen besonders wichtig?
- Wohnen im Alter: Diese Wohnformen gibt es
- Räume barrierefrei gestalten – das ist wichtig
- Wann lohnen sich barrierefreie Umbaumaßnahmen?
- Barrierefrei einrichten – praktische Tipps
- Neubau, Umbau und Kauf von Haus oder Wohnung – was ist zu beachten?
- Barrierefreiheit im Alltag: Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung
Was bedeutet Barrierefreiheit?
Barrierefreies Wohnen bedeutet, dass du deinen gesamten Wohnraum vollständig selbstständig und ohne fremde Hilfe nutzen kannst. Das gilt unabhängig von körperlichen oder sensorischen Einschränkungen. Ziel ist es, Hindernisse im Alltag konsequent zu vermeiden. Merkmale dafür sind schwellenlose Übergänge, gut erreichbare Ausstattungselemente und eine durchdachte Raumaufteilung.
Typische Merkmale barrierefreier Wohnungen und Häuser:
- stufenloser Zugang zur Wohnung und zu allen Räumen
- Überwindung von Stockwerken durch einen Aufzug oder einen Treppenlift
- Türen mit einer Mindestbreite von 90 Zentimeter
- Bewegungsflächen von mindestens 1,50 x 1,50 Metern in zentralen Bereichen
- Lichtschalter, Steckdosen, Fenster- und Türgriffe in erreichbarer Höhe (zwischen 85 und 105 cm)
- WCs in entsprechender Höhe. Diese Höhe sollte auf die persönliche Körpergröße und Höhe des Rollstuhls abgestimmt werden. Die Höhe von 46 bis 48 Zentimeter des WC-Beckens mit Sitz ist daher strittig.
- rutschhemmende, kontrastreiche Bodenbeläge
- bodengleiche Dusche mit Haltegriffen und Sitzgelegenheit
Die Grundlage für die Anforderungen an barrierefreies Wohnen bildet die DIN 18040-2. Sie definiert deutschlandweit verbindliche Standards für den barrierefreien Wohnungsbau.
In vielen Bundesländern ist die Umsetzung dieser DIN-Norm durch die jeweiligen Landesbauordnungen vorgeschrieben. Das gilt insbesondere bei Neubauten oder öffentlich geförderten Wohnungen. Die DIN unterscheidet dabei zwischen „barrierefrei nutzbar“ und „rollstuhlgerecht“. Letzteres bedeutet unter anderem, dass noch größere Bewegungsflächen sowie unterfahrbare Küchen- und Sanitäreinrichtungen erforderlich sind.
Behindertengerecht oder barrierefrei – was ist der Unterschied?
Barrierefreies Wohnen heißt selbständiges Wohnen. Foto: iStock.com / Halfpoint
Der Begriff behindertengerecht geht über die allgemeine Barrierefreiheit hinaus. Während eine barrierefreie Wohnung vielen Menschen den Alltag erleichtert, ist eine behindertengerechte Immobilie speziell an die Bedürfnisse von Personen mit einer konkreten Behinderung angepasst. Dazu gehören zum Beispiel:
- unterfahrbare Arbeitsflächen in Küche und Bad
- besonders breite Bewegungszonen für Rollstuhlnutzer
- rollstuhlgerechte Ausstattung wie abgesenkte Fenster oder niedrig platzierte Gegensprechanlagen
Wichtig zur Einordnung: Oft fällt in diesem Zusammenhang auch das Wort altersgerecht. Im Gegensatz zur streng genormten Barrierefreiheit ist „altersgerecht“ kein fest definierter Standard. Es beschreibt vielmehr Wohnraum, der durch gezielte Komfort-Maßnahmen (wie einen Treppenlift oder Haltegriffe) den Bedürfnissen von Senioren entgegenkommt, ohne dass das gesamte Haus zwingend alle DIN-Vorgaben für Rollstuhlfahrer erfüllen muss.
Entscheidend ist immer die individuelle Anpassung an die jeweilige Lebenssituation. Denn Barrierefreiheit schafft die Basis – die gezielte behindertengerechte oder altersgerechte Ausstattung macht den Wohnraum im Alltag wirklich nutzbar.
Für wen ist barrierefreies Wohnen besonders wichtig?
Barrierefreie und behindertengerechte Wohnungen sind nicht nur für ältere Menschen gedacht. Ist eine Wohnung barrierefrei gestaltet, können auch Personen mit körperlichen Einschränkungen jeden Alters davon profitieren. Eine durchdachte Raumgestaltung ist auch bei temporären Einschränkungen, wie einem Unfall, hilfreich.
Besonders relevant ist Barrierefreiheit für:
- Menschen mit dauerhafter oder temporärer Behinderung
- Rollstuhlfahrer oder Nutzer von Rollatoren
- Senioren mit nachlassender Mobilität
- Familien mit kleinen Kindern (z. B. Kinderwagen)
- junge Eigentümer, die vorsorgen möchten
Barrierefreie Wohnungen bieten nicht nur Komfort, sondern ein selbstbestimmtes Leben – für alle.
Wohnen im Alter: Diese Wohnformen gibt es
Im Alter ändern sich die Anforderungen ans Wohnen. Viele Menschen wünschen sich mehr Sicherheit, weniger Aufwand und soziale Kontakte. Statt einen aufwändigen altersgerechten Umbau vorzunehmen, gibt es auch spezielle Wohnformen. Hier einige im Überblick:
Senioren-WG:
Eine barrierefreie Wohnung wird gemeinsam genutzt. Jeder hat ein eigenes Zimmer – spezielle Bereiche für die Gemeinschaft fördern den sozialen Austausch.
Betreutes Wohnen:
Du lebst in einer eigenen Wohnung mit optionalen Serviceleistungen. Hilfen im Alltag wie Reinigung oder Notrufsysteme können individuell gebucht werden.
Pflegeheim oder Seniorenresidenz:
Diese Wohnform ist ideal bei hohem Pflegebedarf. Hier gibt es rund um die Uhr Betreuung – oft kombiniert mit behindertengerechten Anlagen und medizinischer Versorgung.
Räume barrierefrei gestalten – das ist wichtig
Nicht nur der Zugang zur Wohnung ist wichtig. Auch die Gestaltung der Räume entscheidet darüber, wie gut sich eine Wohnung für ein barrierefreies Leben eignet.
Wohnzimmer:
Viel Bewegungsfreiheit, gut erreichbare Ablagen, unterfahrbare Möbel. Rollstuhlgerechte Fernsehmöbel oder Leselampen erhöhen den Komfort.
Küche:
Arbeitsflächen und Geräte auf richtiger Höhe, unterfahrbare Spüle, leicht zu öffnende Schränke. U-Formen oder L-Formen sind ideal für kurze Wege.
Bad:
Bodengleiche Dusche, rutschfester Boden, Duschsitz, Haltegriffe, ein unterfahrbares Waschbecken – all das zählt zur barrierefreien Ausstattung.
Schlafzimmer:
Ein höhenverstellbares Bett, ausreichend Bewegungsfläche und gut erreichbare Lichtquellen sorgen für Sicherheit und Komfort.
Wann lohnen sich barrierefreie Umbaumaßnahmen?
Ein Umbau lohnt sich, wenn du planst, langfristig in deiner Wohnung zu bleiben. Oder auch, wenn du bereits Einschränkungen beim Bewegen spürst. Auch für Vermieter, die eine Wohnung für mehr Personen attraktiv machen möchten, können von einem Umbau profitieren. Zudem gibt es Zuschüsse.
Wann ist ein Umbau sinnvoll?
- wenn Mobilität nachlässt
- wenn eine dauerhafte oder temporäre Behinderung vorliegt
- wenn ein barrierefreier Umzug zu aufwendig wäre
- wenn du vorsorglich auf Barrierefreiheit setzen möchtest
Für Mieter:
Umbauten müssen mit dem Vermieter oder der Vermieterin abgestimmt werden. Gemäß § 554a BGB dürfen Vermieter ihre Zustimmung nicht ohne triftigen Grund verweigern, wenn ein berechtigtes Interesse (z. B. Behinderung oder Pflegegrad) besteht.
Für Eigentümer:
Hier hast du mehr Spielraum beim Umbauen. Voraussetzung ist oft eine geeignete Grundfläche – z. B. 1,50 m Bewegungsfreiheit in zentralen Räumen.
Tipp: Ein professionelles Gutachten hilft, die Anforderungen richtig einzuschätzen.
Barrierefrei einrichten – praktische Tipps
Je nach Behinderung sind vielleicht nicht zwingend bauliche Veränderungen nötig. Oft kannst du auch schon mit der richtigen Einrichtung viel verändern:
Möbel & Ausstattung:
- Sessel und Betten, die höhenverstellbar sind
- unterfahrbare Tische, Küchenzeilen und Waschbecken
- Aufrichthilfen und Haltegriffe
Technik:
- Sprachsteuerung für Licht und Geräte
- smarte Thermostate
- elektrische Fensterheber und Rollläden
Sicherheit:
- Nachtlichter und Bewegungsmelder
- Antirutschstreifen im Bad
- keine Teppichkanten oder losen Kabel
Neubau, Umbau und Kauf von Haus oder Wohnung – was ist zu beachten?
Barrierefreies Badezimmer mit bodengleicher Dusche. Foto: KI-generiert / Gemini
Wer ein eigenes Haus baut oder umbaut, kann die Barrierefreiheit von Anfang an in den Grundriss einplanen. So sparst du später teure Umbaumaßnahmen.
Barrierefreies Bauen kann sein:
- einen barrierefreien Zugang vom Gehweg bis zur Wohnung schaffen
- einen Aufzug im Gebäude haben
- breite Türen, flache Schwellen, damit ein Rollstuhl leicht durchfahren kann
- ausreichend große Bewegungsflächen, für problemlose Drehungen mit einem Rollstuhl
- rollstuhlgerechte Ausstattung im Bad
Tipp: Prüfe bei der Suche nach Wohnungsangeboten gezielt nach Begriffen wie „barrierefrei“, „behindertengerecht“ oder „rollstuhlgerecht“. Viele Neubauwohnungen erfüllen heute bereits hohe Standards.
Barrierefreiheit im Alltag: Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung
Auch kleine Veränderungen und Hilfsmittel können das Leben im Alltag deutlich erleichtern. Schon die barrierefreie Gestaltung im Wohnraum sorgt für mehr Unabhängigkeit:
Beispiele:
- Türverbreiterungen mit mobilen Rampen
- Umplatzierung von Möbeln für mehr Bewegungsfläche
- kontrastreiche Farbgestaltung für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen
- Haltegriffe an Treppen und in Fluren
- einfache Sprachsteuerung für ältere Menschen
FAQ – Häufige Fragen zum barrierefreien Wohnen
Wie finde ich eine passende barrierefreie Wohnung?
Immobilienportale wie immowelt bieten Filter wie „barrierefrei“, „behindertengerecht“ oder „rollstuhlgerecht“. Achte auch auf Neubauprojekte mit modernen Standards.
Was kostet ein barrierefreier Umbau?
Je nach Maßnahme variieren die Kosten stark. Kleine Maßnahmen starten bei wenigen Hundert Euro. Ein Komplettumbau (z. B. Bad) kann mehrere Tausend Euro kosten.
Welche Zuschüsse gibt es?
Die staatliche Förderung ist ein zentraler Baustein bei der Finanzierung. Neben der KfW-Förderung gewährt auch die Pflegekasse Zuschüsse für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen.
- Pflegekasse: bis zu 4.000 € pro Maßnahme bei Pflegegrad
- KfW-Programme: zum Beispiel Zuschuss 455-B (wenn verfügbar)
- Länder, Kommunen oder Stiftungen bieten oft ergänzende Förderungen
Lohnt sich ein Umzug in eine barrierefreie Wohnung?
Kann deine Wohnung nicht umgebaut werden oder wäre der Umbau zu teuer, kann ein Umzug sinnvoll sein. Vor allem dann, wenn die Einschränkungen dauerhaft sind.
Geschrieben am 21.01.2026
von
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