Ratgeber

Ikea verkauft jetzt auch Strom – und greift Versorger frontal an

Autorenbild Kilian Treß
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Wärmepumpe, Balkonkraftwerk, Solaranlage – und nun auch Stromtarif: Ikea baut sein Energiegeschäft konsequent aus. Mit einem dynamischen Stromtarif will der Möbelriese den nächsten Markt aufrollen. Doch profitieren davon wirklich alle Haushalte – oder vor allem jene mit ohnehin hohem Verbrauch?

Vom Billy-Regal zum Stromvertrag

Ikea drängt immer tiefer in den deutschen Energiemarkt vor. Nachdem das Unternehmen bereits Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen, Balkonkraftwerke, Batteriespeicher und Wallboxen verkauft, folgt nun der nächste Schritt: ein dynamischer Stromtarif. Angeboten wird dieser ab sofort in Deutschland, allerdings nicht direkt von Ikea selbst. Hinter dem Tarif steht das schwedische Energieunternehmen Svea Solar, das als registrierter Stromanbieter und Messstellenpartner fungiert. Ikea übernimmt vor allem Vertrieb, Markenauftritt und die Einbettung in das eigene Energie-Ökosystem.

Dieses Modell ist nicht neu. Bereits bei Wärmepumpen, Solaranlagen, Stromspeichern und Ladelösungen arbeiten Ikea und Svea Solar eng zusammen. Der neue Stromtarif erweitert damit ein bestehendes Kooperationsmodell, statt ein eigenständiges Energiegeschäft aufzubauen.

Dynamische Stromtarife funktionieren grundlegend anders als klassische Modelle. Der Strompreis ist nicht fest, sondern orientiert sich an den aktuellen Börsenstrompreisen. Wer seinen Verbrauch zeitlich steuern kann, etwa durch das Laden eines Elektroautos oder den Betrieb einer Wärmepumpe zu günstigen Tageszeiten, kann deutlich sparen. Genau hier setzt Ikea an und will ein bislang wenig verbreitetes Modell massentauglich machen.

Dynamischer Stromtarif: bisher ein Nischenprodukt

Bislang spielen dynamische Stromtarife in Deutschland nur eine Nebenrolle. Zwar sind große Energieversorger inzwischen gesetzlich verpflichtet, entsprechende Tarife anzubieten, genutzt werden sie aber vor allem von technikaffinen Haushalten. Start-ups wie Tibber, Ostrom, Rabot Energy oder Octopus Energy haben sich früh auf dieses Segment spezialisiert, doch der große Durchbruch blieb bislang aus.

Ikea will das ändern – mit Markenbekanntheit, einfacher Ansprache und einem Systemgedanken. Stromtarif, Smart Meter und Energiehardware sollen möglichst aus einer Hand kommen und miteinander kommunizieren. Für viele Anbieter ist das ein kritischer Punkt, denn wer einmal in ein solches Ökosystem eingebunden ist, wechselt später seltener den Anbieter.

Ohne Smart Meter läuft nichts

Der Haken am neuen Ikea-Tarif ist schnell erklärt. Ohne intelligenten Stromzähler funktioniert das Modell nicht. Nur ein Smart Meter kann minutengenau erfassen, wann wie viel Strom verbraucht wird. Erst diese Daten machen es möglich, die jeweils aktuellen Börsenpreise an die Kunden weiterzugeben.

Ikea wirbt zwar mit einem kostenlosen Einbau der Smart Meter, doch dieser gilt nur in bestimmten Fällen. Die Kosten übernimmt das Unternehmen lediglich dann, wenn der Einbau gesetzlich vorgeschrieben ist. Das betrifft Haushalte mit einem sehr hohen Stromverbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden pro Jahr, mit einer Wärmepumpe oder Wallbox ab einer Leistung von mindestens 4,2 Kilowatt oder mit einer Photovoltaikanlage ab sieben Kilowatt peak Leistung.

Für viele Haushalte greift diese Regelung nicht. Der durchschnittliche Stromverbrauch in Deutschland liegt bei rund 3.500 Kilowattstunden pro Jahr und damit deutlich unter der Schwelle für einen verpflichtenden Smart-Meter-Einbau.

Lohnt sich der Tarif überhaupt?

Damit wird klar, für wen das Angebot gedacht ist. Der neue Ikea-Stromtarif richtet sich weniger an den klassischen Zwei-Personen-Haushalt in einer Mietwohnung, sondern vor allem an Familien mit hohem Stromverbrauch. Besonders profitieren dürften Haushalte, die ein Elektroauto besitzen, eine Wärmepumpe betreiben und idealerweise zusätzlich eigenen Solarstrom erzeugen.

Wer seinen Stromverbrauch aktiv steuern kann, nutzt Preisschwankungen an der Börse gezielt aus. Für Haushalte ohne größere steuerbare Verbraucher bleibt der Spareffekt dagegen begrenzt. Zudem tragen Kunden bei dynamischen Tarifen auch das Risiko stark steigender Preise, etwa bei hoher Nachfrage oder geringer Stromerzeugung.

Konkurrenz zeigt sich gelassen

Die Reaktion der Branche fällt dennoch überraschend entspannt aus. Mehrere Energie-Start-ups begrüßen den Schritt. In einer gemeinsamen Smart Meter Initiative erklären Anbieter wie Tibber, Ostrom oder Octopus Energy, dass eine starke Marke wie Ikea dem Prinzip dynamischer Stromtarife zu mehr Bekanntheit verhelfen könne. Viele Verbraucher wüssten bislang schlicht nicht, dass solche Tarife existieren – auch, weil der Smart-Meter-Rollout in Deutschland nur langsam vorankommt.

Tatsächlich könnten große Marken wie Ikea dazu beitragen, neue Energiekonzepte aus der Nische zu holen. Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb. Denn wer Kunden frühzeitig an ein funktionierendes System aus Hardware, Software und Tarif bindet, sichert sich langfristig einen Vorteil im Strommarkt.

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