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Fachkräftemangel im Bau: Wer soll die Wohnungen bauen, wenn 59.000 Arbeiter fehlen?

Autorenbild Kilian Treß
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Deutschland braucht dringend mehr Wohnungen. Doch gleichzeitig werden ausgerechnet die Fachkräfte knapp, die Häuser planen, bauen und technisch ausstatten. Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, wie groß die Lücke bis 2029 werden könnte. Für die Immobilienbranche könnte das Neubau und Sanierungen zusätzlich erschweren.

Kernpunkte

  • Fachkräftemangel im Bau: In fünf wichtigen bau- und handwerksnahen Berufsgruppen könnten 2029 zusammen rund 59.000 Fachkräfte fehlen.
  • Wohnungsmangel: Gleichzeitig fehlen in Deutschland rund 1,4 Millionen Wohnungen. Es müsste also deutlich mehr gebaut werden.
  • Handwerker werden knapp: Besonders betroffen sind Bauelektrik, Bauplanung sowie Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

Deutschland braucht mehr Wohnungen – doch dafür braucht es auch genügend Menschen, die sie bauen. Genau hier könnte sich das Problem in den kommenden Jahren verschärfen. Nach der neuen Arbeitsmarktfortschreibung des Instituts der deutschen Wirtschaft könnte die Fachkräftelücke in Deutschland bis 2029 insgesamt auf 723.000 Personen steigen. Das wären 47 Prozent mehr als 2024.

Für die Immobilienbranche ist vor allem interessant, wer konkret fehlen könnte. Allein in fünf wichtigen bau- und handwerksnahen Berufsgruppen ergibt sich für 2029 eine Lücke von rund 59.000 Fachkräften. Davon entfallen 17.438 auf die Bauelektrik, 15.122 auf Bauplanung und Bauüberwachung, 11.940 auf Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, 8.126 auf den Metallbau und 6.309 auf Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau. Damit werden ausgerechnet die Menschen knapp, die Wohnungen planen, bauen, mit Strom, Heizung und Sanitärtechnik ausstatten und das Wohnumfeld herstellen.

Ausbilden oder in Drittstaaten anwerben

„Im Ausbau ist der Fachkräftemangel am größten, hier fehlen sehr viele ausgebildete Fachkräfte, vor allem Elektroniker und Anlagenmechaniker beziehungsweise die Installateure“, sagt Alexander Burstedde vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

In der Vergangenheit seien sehr viele Menschen aus den Ländern der EU-Osterweiterung gekommen: eine Fachkräftequelle, die mittlerweile jedoch dauerhaft versiegt sei. Länder wie Polen, Rumänien oder Tschechien haben sich beispielsweise wirtschaftlich so entwickelt, sodass der finanzielle Anreiz, nach Deutschland zu gehen, geringer geworden ist. Außerdem altern diese Länder selbst und haben daher ebenfalls weniger junge Arbeitskräfte zur Verfügung. Ungarn wirbt beispielsweise mit Steuervergünstigungen für Familien, dass sie sich wieder in Ungarn ansiedeln und dort ein Haus bauen.

„Es wird deshalb darum gehen, einerseits mehr Menschen aus Drittstaaten zu gewinnen und andererseits wieder mehr junge Menschen in Deutschland von einer Ausbildung in Bau-Berufen zu überzeugen“, sagt Studienautor Burstedde.

Mehr Geld löst die Probleme nicht

Nach den Zahlen aus dem kürzlich veröffentlichten Mietenreport fehlen in Deutschland rund 1,4 Millionen Wohnungen. Mehr Fördergeld, günstigere Bedingungen für den Wohnungsbau oder neue Fördermodelle können zwar helfen, neue Projekte anzustoßen. Sie lösen aber nicht automatisch das Personalproblem. Denn auch ein finanziertes und genehmigtes Mehrfamilienhaus muss am Ende von Fachkräften geplant und gebaut werden. Fehlen diese Kapazitäten, können sich Projekte verzögern und Handwerkertermine schwerer zu bekommen sein.

„Der Fachkräftemangel in Bauberufen sorgt schon seit Jahren dafür, dass es schwer ist Handwerker und Handwerkerinnen zu finden, dass Projekte komplizierter und teurer werden, und weniger gebaut wird als nötig wäre. Das neue Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität wird die Nachfrage noch deutlich erhöhen", zeigt auch der Haushaltsplanentwurf 2027„und wird damit vor allem in Planung und Tiefbau auf zu wenig Arbeitskräfte treffen und vermutlich die Preise erhöhen“, sagt Burstedde.

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Infrastrukturprojekte blockieren Wohnungsbau

Gleichzeitig konkurriert der Wohnungsbau mit anderen großen Aufgaben um dieselben Fachkräfte. Elektriker und technische Fachkräfte werden beispielsweise auch für Infrastruktur, Energienetze und die Modernisierung bestehender Gebäude benötigt.

Hinzu kommen energetische Sanierungen, Wärmepumpen oder Photovoltaikanlagen. Das IW weist darauf hin, dass das Beschäftigungswachstum in Infrastrukturberufen in den vergangenen Jahren vollständig durch Arbeitskräfte aus dem Ausland getragen wurde. Sinke die Zuwanderung, könnte sich der Fachkräftemangel deshalb weiter verschärfen. "Die Anwerbung aus Drittstaaten sollte deshalb intensiviert werden. Je weniger Arbeitskräfte aus dem Ausland gewonnen werden können, desto schneller führt der Renteneintritt der Babyboomer zu einem Beschäftigungsrückgang. In der Folge wird sich der Fachkräftemangel erhöhen und vielerorts im Alltag noch spürbarer werden", so das Fazit aus der Studie.

IW-Fachkräftelücke 2029 – Bau im Fokus
IW-Arbeitsmarktfortschreibung 2029

Wo 2029 Fachkräfte fehlen könnten

Die 30 größten Fachkräftelücken im IW-Ranking. Direkt bau- und immobiliennahe Berufe sind gelb hervorgehoben.

58.934fehlende Fachkräfte in fünf direkt bau- und immobiliennahen Berufsgruppen
723.000mögliche Fachkräftelücke insgesamt im Jahr 2029 laut IW-Fortschreibung
Bau / Immobilien direktandere Berufsgruppen
#BerufsgruppeFachkräftelückeStellenArbeitslose
1Verkauf ohne Produktspezialisierung – Fachkraft39.10375.93436.831
2Kinderbetreuung, -erziehung – Spezialist:in29.90943.13913.230
3Sozialarbeit, Sozialpädagogik – Expert:in23.48931.2207.731
4Gesundheits-, Krankenpflege – Fachkraft18.76927.5728.803
5Bauelektrik – Fachkraft17.43823.3925.954
6Physiotherapie – Spezialist:in16.31718.8632.546
7Kraftfahrzeugtechnik – Fachkraft15.90024.2558.356
8Bauplanung, -überwachung – Expert:in15.12217.0371.915
9elektrische Betriebstechnik – Fachkraft13.82417.6563.832
10Mechatronik – Fachkraft13.59115.4211.830
11Maschinenbau-, Betriebstechnik – Fachkraft13.51822.4478.928
12Elektrotechnik – Expert:in13.28115.2491.968
13Buchhaltung – Spezialist:in13.20426.12012.916
14Lagerwirtschaft – Fachkraft12.03341.03128.998
15Sanitär-, Heizungs-, Klimatechnik – Fachkraft11.94016.3854.445
16kaufmännische/technische Betriebswirtschaft – Expert:in11.82112.9101.088
17Informatik – Expert:in11.60816.0594.451
18Zahnmedizinische Fachangestellte – Fachkraft10.85414.9784.124
19Steuerberatung – Fachkraft10.59011.9891.399
20Medizinische Fachangestellte – Fachkraft9.90919.8389.930
21Altenpflege – Fachkraft9.16013.9284.768
22Post-, Zustelldienste – Helfer:in9.13427.39718.263
23Metallbau – Fachkraft8.12611.6263.500
24Leitung - Verkauf – Expert:in7.98610.7322.746
25spanende Metallbearbeitung – Fachkraft7.78313.2605.477
26Ergotherapie – Spezialist:in7.4128.6371.225
27Öffentliche Verwaltung – Fachkraft7.25811.2543.996
28Garten-, Landschafts-, Sportplatzbau – Fachkraft6.3098.9642.656
29Gastronomieservice – Fachkraft6.0526.744692
30Gebäudereinigung – Fachkraft5.79812.7956.997

Quelle: IW-Fachkräftedatenbank.

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