In Deutschland fehlen rund 1,4 Millionen Wohnungen. Zu diesem Ergebnis kommt der Mietenreport 2026 des Deutschen Mieterbunds. Besonders groß ist der Mangel bei bezahlbaren und öffentlich geförderten Wohnungen. Gleichzeitig will der Bund die Förderung des sozialen Wohnungsbaus deutlich erhöhen. Eine neue Studie zeigt zudem einen Weg, wie in zehn Jahren eine Million bezahlbare Wohnungen entstehen könnten.
Wohnungsbau lahmt - nun gibt es mehr Geld vom Bund. Foto. stock.adone.com / Novanture
In Kürze
- Laut Mietenreport fehlen in Deutschland rund 1,4 Millionen Wohnungen.
- Besonders der Bestand an Sozialwohnungen reicht demnach nicht aus.
- Für den sozialen Wohnungsbau plant der Bund 2027 3,3 Milliarden Euro ein.
- Das IMK der Hans-Böckler-Stiftung schlägt einen Fördermechanismus vor, mit dem in zehn Jahren rund eine Million bezahlbare Wohnungen entstehen könnten.
- Beim Wohngeld sieht der Haushaltsentwurf für 2027 dagegen einen geringeren Bundesanteil vor.
In Deutschland fehlen rund 1,4 Millionen Wohnungen
Die Lage auf dem deutschen Wohnungsmarkt bleibt angespannt. Im Mietenreport 2026 verweist der Deutsche Mieterbund auf aktuelle Berechnungen, wonach bundesweit rund 1,4 Millionen Wohnungen fehlen. Besonders groß sei die Lücke bei Wohnungen, die sich Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen leisten können.
Der Mieterbund richtet den Blick dabei besonders auf den sozialen Wohnungsbau. Der vorhandene Bestand an Sozialwohnungen decke den Bedarf bei Weitem nicht. Damit fehlt nicht einfach irgendein Wohnraum: Ein wesentlicher Teil des Problems betrifft Wohnungen mit begrenzten Mieten für Menschen, die auf dem freien Markt Schwierigkeiten haben, eine bezahlbare Wohnung zu finden.
Wie groß der Druck bereits ist, zeigt auch die Befragung für den Mietenreport. Die Hälfte der befragten Mieter macht sich große oder sehr große Sorgen, im Fall eines notwendigen Umzugs keine bezahlbare Ersatzwohnung zu finden. 17 Prozent haben sogar sehr große, weitere 33 Prozent große Sorgen.
Der Bund erhöht die Milliarden für Sozialwohnungen
Die Bundesregierung will im kommenden Jahr mehr Geld für den sozialen Wohnungsbau bereitstellen. Im Entwurf für den Bundeshaushalt 2027 sind dafür 3,3 Milliarden Euro vorgesehen. Für 2026 liegt der entsprechende Betrag bei 2,6 Milliarden Euro. Das entspricht einer geplanten Erhöhung um 700 Millionen Euro beziehungsweise rund 27 Prozent.
Der soziale Wohnungsbau ist damit der größte Einzelposten im entsprechenden Bereich des Bauetats. Insgesamt sind für das Bau- und Wohnungswesen 2027 Ausgaben von 6,2 Milliarden Euro eingeplant. Hinzu kommen für den sozialen Wohnungsbau Verpflichtungsermächtigungen von 4,8 Milliarden Euro bis 2031.
Zusätzlich soll Geld aus dem Sondervermögen „Infrastruktur und Klimaneutralität“ in den Wohnungsbau fließen. Für Investitionen in den Wohnungsbau sind dort für 2027 636,7 Millionen Euro vorgesehen. 2026 sind es 531,8 Millionen Euro.
Studie zeigt Weg zu einer Million bezahlbaren Wohnungen
Wie sich ein großer Teil der Wohnungslücke schließen ließe, haben Forscher des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung untersucht. Sie schlagen eine neue Säule der Wohnungsbauförderung vor, die beispielsweise über die KfW organisiert werden könnte. Die Forscher halten diesen Weg für schneller und günstiger als den Aufbau einer neuen Bundeswohnungsbaugesellschaft.
Das Ziel ist beachtlich: Mit dem vorgeschlagenen Fördermechanismus könnten nach Einschätzung der Forscher innerhalb von zehn Jahren rund eine Million zusätzliche bezahlbare Wohnungen entstehen. Dabei geht es um Wohnungen mit Mieten etwas oberhalb des klassischen sozialen Wohnungsbaus. Gedacht sind sie etwa für junge Familien, Berufseinsteiger, Beschäftigte aus der unteren Mittelschicht und ältere Menschen mit moderaten Einkommen.
Kern des Modells ist eine staatliche Kreditbürgschaft oder ein direkter staatlicher Kredit für 50 Prozent der Bausumme. Dadurch sollen die Finanzierungskosten sinken. Im Gegenzug müssten sich die Wohnungsunternehmen langfristig zu moderaten Mieten verpflichten. Für die ersten 20 Jahre nennen die Forscher als denkbaren Rahmen 11 bis 13 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter.
Auch beim Bauen selbst sollen die Kosten sinken
Die Förderung allein reicht nach dem Konzept nicht aus. Unterstützt werden sollen nur Projekte, bei denen auch die eigentlichen Baukosten reduziert werden. Die Forscher nennen dafür unter anderem optimierte Grundrisse, Vorfertigung und kürzere Bauzeiten.
Auch bestimmte Baustandards sollen abgesenkt werden können. Ein konkretes Beispiel ist der Verzicht auf Tiefgaragen. Zudem soll das Prinzip des einfachen und experimentellen Bauens genutzt werden, das in Städten wie Hamburg und Berlin bereits möglich ist.
Eine wichtige Rolle sehen die Forscher außerdem bei Städten und Gemeinden. Sie könnten preiswertes Bauland bereitstellen und über Planungs- und Baurecht dazu beitragen, Projekte schneller umzusetzen.
Beim Wohngeld sind dagegen weniger Mittel vorgesehen
Während der Bund die Mittel für den sozialen Wohnungsbau erhöhen will, sieht der Haushaltsentwurf beim Wohngeld einen Rückgang vor. Als Bundesanteil an der paritätischen Finanzierung sind für 2027 rund 1,8 Milliarden Euro eingeplant. 2026 sind es noch 2,4 Milliarden Euro.
Das Wohngeld soll einkommensschwächere Haushalte oberhalb der Grundsicherung dabei unterstützen, die Kosten für angemessenen und familiengerechten Wohnraum tragen zu können. Damit setzt die Wohnungspolitik an zwei unterschiedlichen Stellen an: Sozialer Wohnungsbau und neue Fördermodelle sollen zusätzliche günstige Wohnungen schaffen, Wohngeld unterstützt Haushalte bei den laufenden Wohnkosten.
Die genannten Summen für 2027 sind allerdings noch nicht endgültig beschlossen. Sie stammen aus dem Entwurf für den Bundeshaushalt 2027. Der Bundestag soll sich im September in erster Lesung damit befassen; anschließend folgen die weiteren parlamentarischen Beratungen.
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