Während der Bund 2027 Hunderte Milliarden für Soziales und Verteidigung einplant, fällt der Anteil für Wohnungswesen und Städtebau vergleichsweise klein aus. Wie viel Geld tatsächlich in Wohnungsbau, Förderung und Sondervermögen fließt – und ob damit der erhoffte Bau-Turbo gelingen kann.
Für den Aufgabenbereich Wohnen, Städtebau und Raumordnung sind im Bundeshaushalt 2027 rund 4,9 Milliarden Euro vorgesehen. Davon entfallen 3,28 Milliarden Euro auf den sozialen Wohnungsbau. Zusätzlich sollen 600 Millionen Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität in den Wohnungsbau fließen. Foto: stock.adobe | Frank Wagner
Der Bund plant für 2027 mit deutlich höheren Einnahmen – allerdings auch mit höheren Ausgaben. Sparen im Sinne eines insgesamt schrumpfenden Haushalts ist also nicht vorgesehen. Die Ausgaben des Kernhaushalts sollen laut Haushaltsentwurf von rund 524,5 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf 555,4 Milliarden Euro 2027 steigen. Gleichzeitig rechnet der Bund mit höheren Steuereinnahmen: Sie sollen von rund 387,2 auf 394,7 Milliarden Euro wachsen.
Die zusätzlichen Steuern reichen allerdings bei Weitem nicht aus, um die Ausgaben zu finanzieren. Für 2027 ist eine Nettokreditaufnahme von 118,7 Milliarden Euro vorgesehen – nach rund 98 Milliarden Euro 2026. Das Finanzierungsdefizit liegt bei rund 125,5 Milliarden Euro.
Soziales und Verteidigung dominieren den Haushalt
Ein Blick auf die Verteilung zeigt, wohin ein großer Teil des Geldes fließt. Der Aufgabenbereich Soziale Sicherung, Familie und Jugend sowie Arbeitsmarktpolitik umfasst 2027 knapp 242 Milliarden Euro. Allein für die Sozialversicherungen einschließlich Arbeitslosenversicherung sind rund 157,5 Milliarden Euro vorgesehen.
Der zweite auffällige Block ist die Verteidigung. Nach der funktionalen Gliederung sind dafür rund 116,4 Milliarden Euro im Kernhaushalt vorgesehen.
Zusammengenommen stehen damit für Soziales und Verteidigung rund 358 Milliarden Euro im Plan. Bei Gesamtausgaben von 555,4 Milliarden Euro entspricht das knapp 65 Prozent des Bundeshaushalts. Für sämtliche anderen Aufgaben bleiben rechnerisch rund 197 Milliarden Euro – darunter Verkehr, Bildung und Forschung, innere Sicherheit, Entwicklungspolitik, Gesundheit, Zinsen und eben auch Wohnen und Bauen.
4,9 Milliarden Euro für Bauen
Für den gesamten Aufgabenbereich Wohnungswesen, Städtebau, Raumordnung und kommunale Gemeinschaftsdienste weist der Haushaltsplan 2027 rund 4,9 Milliarden Euro aus.
Ein besonders großer Posten darin ist der soziale Wohnungsbau. Dafür sind 2027 rund 3,28 Milliarden Euro vorgesehen. Zum Vergleich: 2026 waren es 2,65 Milliarden Euro. Damit steigt dieser Ansatz um rund 630 Millionen Euro beziehungsweise knapp 24 Prozent. Der soziale Wohnungsbau gehört laut Haushaltsübersicht sogar zu den 20 größten Finanzhilfen des Bundes.
Hinzu kommen Mittel außerhalb des Kernhaushalts. Aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität sind für den Wohnungsbau 2027 weitere 600 Millionen Euro eingeplant. 2026 sind es 500 Millionen Euro, 2028 soll der Betrag auf eine Milliarde, 2029 auf 1,3 Milliarden und 2030 auf 1,5 Milliarden Euro steigen.
Allein sozialer Wohnungsbau und der ausdrücklich als „Wohnungsbau“ ausgewiesene Posten im Sondervermögen kommen 2027 damit auf rund 3,9 Milliarden Euro. Das ist allerdings nicht mit den gesamten Bundesausgaben für Bauen und Wohnen gleichzusetzen: Im Kernhaushalt existieren weitere Programme und Ausgaben, sodass sich die verschiedenen Zahlen nicht einfach vollständig addieren lassen.
Bis 2030 sollen die Mittel für den Wohnungsbau weiter steigen. Zusätzlich zu den regulären Ausgaben des Bundes stehen Gelder aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität bereit. 2028 soll der Betrag auf 1 Milliarde Euro, 2029 auf 1,3 Milliarden Euro und 2030 auf 1,5 Milliarden Euro steigen. Über die Jahre 2026 bis 2030 summieren sich die vorgesehenen Mittel aus dem Sondervermögen damit auf 4,9 Milliarden Euro. Damit soll die Finanzierung des Wohnungsbaus in den kommenden Jahren zunehmend durch das Sondervermögen ergänzt werden. Ob die Gelder aber überhaupt abegerufen werden können ist fraglich, weil Fachkräftemangel den Ausbau in den kommenden Jahren erschweren wird.
16,5 Milliarden Zuschüsse für Strom
Auch bei den Energiekosten plant der Bund Milliardenhilfen. Für Zuschüsse zur Entlastung beim Strompreis sind 2027 rund 16,5 Milliarden Euro vorgesehen. Vorallem Menschen in Armut haben bereits Probleme, ihre Rechnungen zu bezahlen. Weitere 12,55 Milliarden Euro sollen in Maßnahmen für mehr Energieeffizienz und erneuerbare Energien im Gebäudebereich fließen. Dieser Posten steigt besonders deutlich: 2026 waren dafür noch 4 Milliarden Euro eingeplant. Laut Studien drückt die Solarenergie die Strompreise bereits um 20 Prozent.
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