Deutschland gehört bei den Strompreisen bereits zur Weltspitze. Nun bereiten die Energiepreise erneut Sorgen – und das Bundeswirtschaftsministerium prüft wegen hoher Strompreise sogar einen stärkeren Einsatz von Kohlekraftwerken aus der Reserve. Gleichzeitig zeigt der gerade veröffentlichte Mietenreport 2026: Schon 2025 konnte jeder achte armutsbetroffene Mensch seine Wohnung nicht angemessen warm halten.
Der Mietenreport 2026 besagt, dass Einkommensarme Probleme haben ihren Strom zu zahlen. Foto: stock.adobe.com / mariesacha
In Kürze
- Deutsche Haushalte zahlten im zweiten Quartal 2026 durchschnittlich 35,6 Cent je Kilowattstunde Strom.
- Nominal hat Deutschland laut einer Verivox-Auswertung die vierthöchsten Strompreise der Welt.
- Wegen hoher Strompreise prüft das Wirtschaftsministerium einen stärkeren Einsatz von Kohlekraftwerken aus der Reserve.
- 12,6 Prozent der Armutsbetroffenen konnten ihre Wohnung bereits 2025 nicht angemessen warm halten.
- Bei Alleinerziehenden liegt der Anteil bei 10 Prozent.
Deutschland gehört bei Strompreisen zur Weltspitze
Schon das Ausgangsniveau ist für deutsche Haushalte hoch. Im zweiten Quartal 2026 zahlten sie durchschnittlich 35,6 Cent pro Kilowattstunde Strom. Fünf Jahre zuvor waren es 31,8 Cent. Damit ist Haushaltsstrom seit 2021 um rund zwölf Prozent teurer geworden.
Im internationalen Vergleich fällt der Unterschied noch stärker aus. Nach einer Verivox-Auswertung hat Deutschland nominal die vierthöchsten Strompreise der Welt. Im Durchschnitt der G20-Staaten kostet eine Kilowattstunde lediglich 16,3 Cent. In Deutschland zahlen Haushalte damit mehr als doppelt so viel. Großbritannien kommt auf 32,4 Cent, Frankreich auf 23,3 Cent und die USA auf 18,3 Cent.
Für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden bedeutet das rechnerisch rund 1.246 Euro Stromkosten im Jahr. Zum durchschnittlichen G20-Preis wären es nur etwa 571 Euro – eine Differenz von rund 675 Euro. Der Vergleich berücksichtigt allerdings Unterschiede bei Kaufkraft, Tarifen und Grundpreisen nicht. Kaufkraftbereinigt fällt Deutschland im weltweiten Vergleich auf Rang 24 zurück.
Wegen hoher Strompreise kommt sogar Kohle wieder ins Gespräch
Wie groß der politische Druck durch die Strompreise inzwischen ist, zeigt eine aktuelle Debatte im Bundeswirtschaftsministerium. Dort wird geprüft, ob alte Kohlekraftwerke aus der Reserve stärker eingesetzt werden könnten, um den Strompreis zu drücken. Diese Anlagen werden derzeit grundsätzlich nur bei Stromknappheit eingesetzt.
Beschlossen ist ein solcher Schritt nicht. Regierungssprecher Stefan Kornelius erklärte, ein baldiger Einsatz der Reservekraftwerke stehe derzeit nicht an. Auch das Wirtschaftsministerium verweist darauf, dass die Anlagen relativ alt und ineffizient sind. Zunächst müsste geprüft werden, ob ihr Einsatz überhaupt einen positiven Effekt auf die Strompreise hätte.
Die Debatte wurde auch durch die hohen Gaspreise ausgelöst. Unionsfraktionsvize Sepp Müller hatte vorgeschlagen, Kohlekraftwerke deshalb wieder stärker zu nutzen. Am gesetzlich vorgesehenen Kohleausstieg bis 2038 hält die Bundesregierung bislang fest.
Jeder achte Armutsbetroffene konnte schon vorher nicht ausreichend heizen
Genau vor diesem Hintergrund bekommt der gerade veröffentlichte Mietenreport 2026 zusätzliche Brisanz. Denn die Probleme einkommensschwacher Haushalte bestanden bereits vor der aktuellen Entwicklung: 2025 konnten 12,6 Prozent der armutsbetroffenen Menschen ihre Wohnung nicht angemessen warm halten. Das entspricht etwa jedem achten Menschen in dieser Einkommensgruppe.
In der Gesamtbevölkerung hatte sich die Situation zunächst verbessert. Der Anteil der Menschen, die ihre Wohnung nicht angemessen warm halten konnten, sank von 6,3 Prozent 2024 auf 5,7 Prozent 2025. Bei Armutsbetroffenen verlief die Entwicklung dagegen in die andere Richtung: Dort stieg der Anteil leicht.
Damit trifft eine erneute Verteuerung von Energie auf Haushalte, bei denen die finanzielle Belastungsgrenze teilweise schon vorher erreicht war. Besonders für Menschen mit niedrigen Einkommen ist deshalb nicht nur entscheidend, wie stark Strom- und Gaspreise steigen, sondern auch, von welchem bereits hohen Kostenniveau aus sie sich bewegen.
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