Ratgeber

Treiben Niederländer die Mietpreise an der Grenze in die Höhe?

Autorenbild Kilian Treß
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Die Mieten im deutschen Grenzgebiet ziehen spürbar an. Neben der ohnehin angespannten Lage auf dem hiesigen Wohnungsmarkt wirkt ein zusätzlicher Faktor: der enorme Preisdruck aus den Niederlanden. Weil Wohnraum dort immer teurer wird, weicht die Nachfrage auf die deutsche Seite aus – wird die Grenzregion damit zum Ventil für den überhitzten niederländischen Markt?

Die Mieten steigen – auf beiden Seiten der Grenze. Doch während der Preisanstieg in den Niederlanden innerhalb eines Jahres spürbar Fahrt aufnimmt, gehören ausgerechnet deutsche Grenzstädte zu den Regionen mit den stärksten Mietzuwächsen der letzten Jahre. Ein Zufall ist das kaum. Ein Vergleich aktueller Marktdaten zeigt: Die Wohnungsmärkte wachsen zunehmend zusammen.

Für die Analyse wurden Daten des niederländischen Wohnungsportals Pararius sowie Zahlen von immowelt herangezogen. Während Pararius den freien Mietmarkt in den Niederlanden abbildet, liefern die immowelt-Daten detaillierte Entwicklungen für deutsche Städte.

Niederlande: Hoher Druck auf dem Mietmarkt – auch in Grenzregionen

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen vom niederländischen Anbieter Pararius zeigt, wie angespannt die Lage ist. Im ersten Quartal 2026 sind die Mieten im privaten Sektor um 7,3 Prozent innerhalb eines Jahres gestiegen – deutlich stärker als Kaufpreise oder Inflation. Gleichzeitig wird bezahlbarer Wohnraum immer knapper: 42 Prozent aller Mietwohnungen kosten inzwischen mehr als 2.000 Euro im Monat. Gründe sind wie in Deutschland der fehlende Neubau, Eingriffe in den Wohnungsmarkt und massiver Zuzug – z.B. auch aus den ehemaligen Kolonialgebieten. Mit weit über 500 Einwohnern pro Quadratkilometer gehören die Niederlande auch zu den am dichtesten besiedelten Ländern.

Dieser Druck beschränkt sich nicht nur auf die großen Städte. Auch in den vier niederländischen Provinzen entlang der deutschen Grenze steigen die Preise spürbar:

  • Gelderland: 16,39 €/m² (+7,49 % in einem Jahr)
  • Limburg: 15,96 €/m² (+8,17 %)
  • Overijssel: 15,14 €/m² (+10,68 %)
  • Drenthe: 15,96 €/m² (+16,02 %)

Quelle: Mietmonitor von Pararius

Deutschland: Günstiger – aber mit den stärksten Zuwächsen

Die immowelt-Daten zeigen für die angrenzenden Städte in Deutschland ein anderes Bild. Das Mietniveau ist deutlich niedriger, doch die Dynamik ist bemerkenswert.

Mietwachstum (4 Jahre)
Stadt Miete (€/m²) Wachstum Vergleich
Kleve 8,42 € +19,9 %
Bocholt 8,75 € +19,9 %
Nordhorn 8,52 € +19,9 %
Lingen (Ems) 8,48 € +17,2 %

Quelle: immowelt

Damit wird deutlich: Selbst außerhalb der bekannten Metropolregionen ist Wohnen in den Niederlanden längst kein Schnäppchen mehr. Die Quadratmeterpreise liegen teilweise doppelt so hoch wie in angrenzenden deutschen Städten – bei gleichzeitig steigender Dynamik.

Wichtig dabei: Während die niederländischen Zahlen die Entwicklung innerhalb eines Jahres zeigen, beziehen sich die deutschen Werte auf einen Zeitraum von vier Jahren. Der Preisdruck baut sich in den Niederlanden also deutlich schneller auf. Dennoch fällt auf: Gerade die deutschen Grenzstädte gehören zu den Regionen mit den stärksten Mietsteigerungen überhaupt. Viele andere deutsche Mittelstädte kommen im gleichen Zeitraum nur auf rund 6 bis 10 Prozent Wachstum, zeigt die Untersuchung von immowelt. 

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Grenzregion seit jeher verflochten – Wohnen wird zur logischen Konsequenz

Auch wenn Niederländer nur einen sehr kleinen Teil des Zuzugs nach Deutschland in den vergangenen Jahren ausmachen: Die Preisentwicklung rund um die niederländische Grenze ist auffällig. Regionen entlang der Achse Kleve, Straelen, Arnhem, Venlo bis hin nach Eindhoven sind wirtschaftlich seit Jahrzehnten eng miteinander verflochten.

Für Niederländer ist der Schritt – sowohl beim Kauf als auch zur Miete - über die Grenze daher deutlich einfacher. Kulturelle Unterschiede sind gering, und nicht zuletzt sprechen viele Niederländer bereits seit der Schulzeit Deutsch. Entsprechend gelten sie als gut integrierbar – ein Faktor, der den Umzug zusätzlich erleichtert. Das gilt auch als nachvollziehbare Erklärung bei kontaktierten Behörden und als typisch für die Grenzregion. Viele Niederländer wohnen aus Kostengründen in Deutschland, arbeiten aber in Niederlande.

Dass diese Bewegungen tatsächlich stattfinden, lässt sich zwar nur begrenzt in Echtzeitdaten abbilden, die Erhebungen für 2025 werden von der NRW-Statistikbehörde erst im Laufe des Jahres veröffentlicht. Aus dem jüngsten Demografiekonzept des Kreises Kleve (aus 2021) lässt sich dafür klar herauslesen, dass die niederländische Bevölkerungsgruppe die größte ausländische Bevölkerung im Kreis ist. "Die Grenzlage des Kreises Kleve führt [...] zu einer starken Prägung durch Personen mit niederländischer Staatsbürgerschaft. So lässt sich für viele Gemeinden des Kreises Kleve eine historisch gewachsene enge Verflechtung und ein enger gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Austausch mit den Niederlanden festhalten", heißt es im Dokument.

Ähnliche Angaben gibt es auch für den Kreis Borken, 2024 waren die Niederländer (Grafik) ebenfalls der größte Anteil aller ausländischen Bewohner. Vor diesem Hintergrund erscheint die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt folgerichtig. Bei großen Preisunterschieden existieren keine Grenzen und es verschiebt sich Nachfrage.

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