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Sozialwohnung gesucht? So lange müssen Mieter in deutschen Städten warten

Autorenbild: Andreas Steger
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Die Mietpreise in Deutschland sind seit 2022 um rund 15 Prozent gestiegen, wie Zahlen von immowelt zeigen. Für viele Menschen wird Wohnen damit zunehmend unbezahlbar. Eine Lösung könnten Sozialwohnungen sein. Doch genau hier liegt das große Dilemma: Laut „Sozialer Wohn-Monitor 2026“ fehlen in Deutschland rund 1,4 Millionen Wohnungen – ein Großteil davon im bezahlbaren Segment.

Wer auf eine Sozialwohnung angewiesen ist, braucht vielerorts vor allem eines: Geduld. Denn zwischen Antrag und Einzug können Monate, teilweise sogar mehrere Jahre vergehen. 

Die Politik sucht nach Wegen, den Mangel an bezahlbarem Wohnraum zu lindern. Die Bundesregierung will die Mittel für den sozialen Wohnungsbau 2027 auf 3,3 Milliarden Euro erhöhen – rund 27 Prozent mehr als 2026. Forscher des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) schlagen darüber hinaus ein neues Fördermodell vor: Über staatlich abgesicherte oder direkt vergebene Kredite für 50 Prozent der Bausumme könnten die Finanzierungskosten für Wohnungsunternehmen sinken. Im Gegenzug müssten diese langfristig moderate Mieten garantieren. Nach Berechnungen der Forscher könnten so innerhalb von zehn Jahren rund eine Million zusätzliche bezahlbare Wohnungen mit anfänglichen Kaltmieten von etwa 11 bis 13 Euro pro Quadratmeter entstehen.

Wie lange wartet man in Deutschland auf eine Sozialwohnung?

Eine einfache Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Denn eine bundesweit einheitliche Statistik über die Wartezeiten auf Sozialwohnungen in Deutschland existiert nicht.

Das hat mehrere Gründe. Die Vergabe wird vor Ort organisiert und die Verfahren unterscheiden sich von Stadt zu Stadt. Außerdem hängt die tatsächliche Wartezeit stark vom einzelnen Haushalt ab. Entscheidend können etwa Haushaltsgröße, Dringlichkeit und das Angebot passender Wohnungen sein.

Ein Wohnberechtigungsschein (WBS) bedeutet zudem nicht automatisch, dass zeitnah eine Wohnung vermittelt wird. Er weist zunächst nach, dass ein Haushalt grundsätzlich berechtigt ist, eine entsprechend geförderte Wohnung zu beziehen.

Trotz der lückenhaften bundesweiten Daten lässt sich anhand der Städte Stuttgart und München erkennen, wie angespannt die Situation ist.

Stuttgart: Bis zu drei Jahre Wartezeit möglich

Besonders konkrete Zahlen liefert Stuttgart. Nach Angaben der Stadt beträgt die durchschnittliche Wartezeit auf eine Sozialmietwohnung zwischen zwölf und 24 Monaten. In Einzelfällen könne die Wartezeit sogar bis zu drei Jahre betragen.

Noch deutlicher wird die angespannte Lage bei einem Blick auf die Haushaltsgröße. Nach einer Auswertung von SPD und Volt im Stuttgarter Rathaus beträgt die durchschnittliche Wartezeit für Einpersonenhaushalte 21 Monate. Haushalte mit fünf Personen warten demnach im Schnitt 48 Monate – also vier Jahre. Bei noch größeren Haushalten sind es durchschnittlich sogar 60 Monate und damit fünf Jahre.

Dass insbesondere große Familien Schwierigkeiten haben, bestätigt auch die Stadt Stuttgart. Sie bezeichnet deren Situation auf dem sozialen Wohnungsmarkt als „besonders dramatisch“.

Insgesamt waren Ende 2024 in Stuttgart 5.435 wohnungssuchende Haushalte für eine Sozialmietwohnung vorgemerkt. 4.023 davon waren Not- und Dringlichkeitsfälle.

Sozialwohnung in Stuttgart finden

München: 22.000 Haushalte warten auf eine Wohnung

Auch in München müssen sich Wohnungssuchende auf lange Wartezeiten einstellen. Die Stadt weist auf ihrer Homepage darauf hin, dass die Vermittlung einer geförderten Wohnung je nach Haushaltsgröße „mehrere Monate oder auch mehrere Jahre“ dauern kann.

Wie groß der Engpass ist, zeigt ein Vergleich von Angebot und Nachfrage.

Nach Angaben der Stadt warten rund 22.000 Haushalte auf eine geförderte Wohnung. Dem stehen lediglich etwa 3.400 Wohnungen gegenüber, die pro Jahr zur Vermietung frei werden.

Selbst eine Registrierung bedeutet deshalb noch lange nicht, dass kurzfristig eine passende Wohnung zur Verfügung steht.

Hinzu kommt eine weitere Verzögerung: Bereits die Bearbeitung eines Registrierungsantrags kann in München mehrere Monate dauern. Erst danach beginnt für viele Betroffene die eigentliche Suche beziehungsweise Vermittlung.

Sozialwohnung in München finden

Warum gibt es keine bundesweite Wartezeit?

Wer wissen möchte, ob man in Deutschland durchschnittlich ein, zwei oder vielleicht sogar drei Jahre auf eine Sozialwohnung wartet, stößt auf ein grundsätzliches Problem: Eine vergleichbare bundesweite Erhebung gibt es nicht.

Viele Kommunen veröffentlichen keine durchschnittliche Wartezeit. Andere erfassen die Situation anhand von Vormerklisten, Dringlichkeitsstufen oder Haushaltsgrößen.

Hinzu kommt, dass ein Durchschnittswert nur begrenzt aussagekräftig wäre. Ein Single, der eine kleine Wohnung sucht, kann eine völlig andere Wartezeit haben als eine fünfköpfige Familie, die auf eine große Sozialwohnung angewiesen ist.

Auch besondere soziale oder gesundheitliche Notlagen können bei der Vergabe berücksichtigt werden und beeinflussen damit die Wartezeit.

Die verfügbaren kommunalen Daten lassen sich deshalb nicht einfach zu einem seriösen Deutschland-Durchschnitt zusammenrechnen.

Wer hat Anspruch auf eine Sozialwohnung?

Um eine Sozialwohnung beziehen zu können, benötigen Wohnungssuchende in der Regel einen Wohnberechtigungsschein. Ob ein Haushalt einen WBS erhält, hängt insbesondere vom Einkommen ab.

Welche Einkommensgrenzen gelten, unterscheidet sich je nach Bundesland und Fördermodell. Auch die Zahl der Personen im Haushalt spielt eine Rolle.

Wichtig: Ein WBS ist keine Garantie für eine Sozialwohnung. Er bestätigt lediglich die Berechtigung, eine entsprechend geförderte Wohnung anzumieten beziehungsweise sich darauf zu bewerben.

Gerade in Städten mit besonders angespanntem Wohnungsmarkt kann deshalb trotz WBS eine lange Suche folgen.

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