Ratgeber

Solarpanele werden zu Energie-Zäunen – ist das wirklich der Spar-Hack für Hausbesitzer?

Autorenbild Kilian Treß
immowelt App herunterladen

Ein Zaun kostet – und bringt normalerweise nichts ein. Doch günstige Solarmodule machen aus der Grundstücksgrenze plötzlich ein Mini-Kraftwerk – mit Sparpotenzial, aber auch versteckten Kosten.

Ein Zaun ist normalerweise kein reiner Kostenfaktor. Er schafft Privatsphäre, markiert die Grundstücksgrenze: aber er kostet – je nach Material – schnell mehrere Tausend Euro. Doch er könnte noch mehr: Solarpanele, die eigentlich für Dächer bestimmt sind, bekommen derzeit eine neue Funktion: Sie werden zu smarten Zäunen und ersetzen damit die oft deutlich schwächeren Solarzäune.

Was zunächst wie ein typischer Internet Lifehack wirkt, ist in Wahrheit eine ziemlich nüchterne Rechnung.

Vom Sichtschutz zur Stromquelle

Hausbesitzer brauchen Sichtschutz. Ob Holz, WPC oder Metall – Zaunelemente in 180 mal 180 Zentimetern liegen häufig zwischen 60 und 120 Euro pro Feld, hochwertige Systeme deutlich darüber. Dazu kommen Pfosten, Fundament und Montage.

Gleichzeitig sind Solarmodule in den vergangenen Jahren drastisch günstiger geworden. Panels werden inzwischen teilweise für unter 100 Euro angeboten. Damit bewegen sie sich preislich in derselben Liga wie klassische Sichtschutzelemente.

Und genau hier entsteht der neue Gedanke: Wenn ein Zaun ohnehin Geld kostet, warum nicht einen bauen, der zusätzlich Strom produziert?

Reddit diskutiert es ernsthaft

Ein Reddit-Beitrag im Subreddit r/DeutschePhotovoltaik zeigt genau so einen Fall: Ein mehrere Dutzend Meter langer Zaun entlang eines Grundstücks besteht ausschließlich aus senkrecht montierten Solarpanelen mit Südausrichtung. Kein Dach, keine klassische Anlage – sondern eine schwarze, energieproduzierende Wand.

Die Diskussion darunter ist alles andere als ironisch. Es geht um Stringspannungen, Mikrowechselrichter, Windlast, Hagelrisiko und Genehmigungen. Manche zweifeln an der Optik, andere rechnen den direkt Eigenverbrauch und die mögliche Einspeisung durch. Offenbar ist Bild und Zaun wirklich echt und damit keine KI, was heutzutage immer wieder zu Täuschungen führen kann.

Macht der Preis wirklich den Unterschied?

Nimmt man als Beispiel ein günstiges Modul wie das SUNNIVA 460 W für 89 Euro und stellt es einem preiswerten Sichtschutzzaun wie dem WPC Element 180 × 180 cm für 93,99 Euro gegenüber, sieht es auf den ersten Blick tatsächlich nach dem günstigeren Zaun aus, wenn man das WPC Feld einfach durch ein Solarpanel ersetzt. Beide kosten weniger als 100 Euro.

Was im Reddit Thread allerdings kaum thematisiert wird: Ein Zaun muss einfach nur stehen. Ein Solarmodul muss funktionieren.

Beim klassischen Zaun zahlt man Material, Pfosten, eventuell Beton und je nach Anspruch einen Handwerker. Der Aufbau ist vergleichsweise simpel und in ein, zwei Tagen erledigt. Beim PV Zaun kommt die komplette Technik hinzu. Die Module müssen fachgerecht befestigt werden, die Unterkonstruktion muss statisch passen, es braucht passende Kabelquerschnitte, MC4 Steckverbindungen, gegebenenfalls einen oder mehrere Wechselrichter. Die Anlage muss elektrisch korrekt angeschlossen, abgesichert und im Zweifel beim Netzbetreiber angemeldet werden.

Spätestens hier steigen die Kosten.

Wer das nicht selbst installieren kann oder darf, greift auf Elektriker zurück. Und der kostet. Montage, Inbetriebnahme und Absicherung können schnell einen vierstelligen Betrag ausmachen.

Das heißt nicht, dass der PV Zaun unwirtschaftlich ist. Aber die Rechnung „Zaunelement gegen Modulpreis“ greift zu kurz. Während der klassische Zaun nur Material plus Montage ist, ist der Solarzaun ein kleines Kraftwerk an der Grundstücksgrenze – mit allem, was dazugehört.

Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob das Modul billiger ist als ein WPC Feld. Sondern ob die gesamte Anlage inklusive Technik, Installation und Wartung am Ende wirtschaftlich bleibt. Genau dieser Teil fehlt oft in der schnellen Internet-Rechnung.

(0)
0 von 5 Sternen
5
 
4
 
3
 
2
 
1
 
Deine Bewertung:

Seite weiterleiten

Artikel drucken

War dieser Artikel hilfreich?

immowelt Redaktionskodex

Die immowelt Redaktion verfügt über ein breites Immobilienwissen und bietet den Lesern sorgfältig recherchierte Informationen in hilfreichen Ratgebertexten. Der Anspruch der immowelt Experten ist es, komplexe Sachverhalte möglichst einfach wiederzugeben. Sämtliche Inhalte werden regelmäßig überprüft und verlässlich aktualisiert. Die immowelt Redaktion kann und darf keine rechtsgültige Beratung leisten. Für rechtsverbindliche Auskünfte empfehlen wir stets den Rat eines Fachanwalts, Eigentümer- oder Mieterverbands einzuholen.

Hier geht es zu unserem Impressum, den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, den Hinweisen zum Datenschutz und nutzungsbasierter Online-Werbung.