Die geplante Reform des Bürgergelds sorgt in der Wohnungswirtschaft für große Unruhe. Vermieter warnen, dass die neuen Sanktionen bei der „Grundsicherung“ zu mehr Mietausfällen führen könnten. Besonders private Kleinvermieter sehen ein wachsendes Risiko.
Vermieter fordern, dass Miete über Grundsicherung direkt an sie gezahlt wird. Foto: iStock.com / draganab
Neue Grundsicherung soll Bürgergeld ersetzen
Die Bundesregierung plant eine grundlegende Reform des Sozialleistungssystems. Das bisherige Bürgergeld soll künftig durch eine neue Grundsicherung ersetzt werden. Ziel der Reform ist es laut Bundesregierung, das Gleichgewicht zwischen staatlicher Unterstützung und Eigenverantwortung neu auszubalancieren.
Kernpunkt der Reform sind strengere Regeln für Leistungsbezieher. Wer zumutbare Arbeitsangebote ablehnt oder vereinbarte Maßnahmen nicht wahrnimmt, muss künftig mit deutlich härteren Sanktionen rechnen. In bestimmten Fällen kann der Regelsatz für mindestens einen Monat komplett gestrichen werden.
Die Kosten für Unterkunft und Heizung sollen grundsätzlich weiterhin geschützt bleiben. Allerdings gilt dieser Schutz nicht in jedem Fall automatisch. Genau hier sehen Vermieter und Branchenverbände ein mögliches Problem.
Vermieter warnen vor zweckentfremdetem Geld
Vertreter der Wohnungswirtschaft befürchten, dass die Reform unbeabsichtigte Folgen haben könnte. Wenn Leistungsbezieher durch Sanktionen kein Geld mehr für ihren Lebensunterhalt erhalten, könnte die Versuchung steigen, das eigentlich für die Miete gedachte Geld für andere Ausgaben zu verwenden. Das war schon Anfang 2026 der Fall, als es noch Bürgergeld hieß
Verbände wie Haus & Grund und der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) warnen deshalb vor steigenden Mietrückständen. Besonders problematisch sei die Situation für private Vermieter, die stark auf regelmäßige Mietzahlungen angewiesen sind.
Bleibt die Miete aus, entstehen für Eigentümer schnell finanzielle Schwierigkeiten. Denn laufende Kosten wie Instandhaltung, Betriebskosten oder Kreditraten müssen weiterhin bezahlt werden.
Räumungsklagen können Monate dauern
Kommt es zu Mietrückständen, haben Vermieter nur begrenzte Möglichkeiten schnell zu reagieren. Ein gerichtliche Räumungsverfahren kann sich über mehrere Monate hinziehen. In dieser Zeit entstehen oft weitere Mietschulden, die später häufig nicht mehr eingetrieben werden können.
Gerade kleine Vermieter sehen deshalb ein wachsendes Risiko. Viele besitzen nur ein oder zwei vermietete Wohnungen und finanzieren diese teilweise über Kredite. Bleiben Einnahmen länger aus, kann dies schnell zu finanziellen Problemen führen. Branchenvertreter warnen deshalb vor einem möglichen Dominoeffekt, wenn Mietausfälle häufiger auftreten.
Forderung nach automatischer Mietzahlung
Die Wohnungswirtschaft fordert deshalb eine klare gesetzliche Regelung. Im Mittelpunkt steht die Forderung nach einer automatischen Direktzahlung der Miete vom Jobcenter an den Vermieter, sobald Sanktionen gegen Leistungsbezieher verhängt werden. Eine solche Direktüberweisung ist zwar bereits heute möglich, erfolgt aber häufig nur auf Antrag oder nach Einzelfallprüfung. Aus Sicht der Verbände reicht das nicht aus, um Vermieter ausreichend zu schützen.
Eine automatische Lösung könnte nach Ansicht der Branche zwei Probleme gleichzeitig vermeiden: Mietausfälle für Vermieter und drohende Wohnungslosigkeit für betroffene Mieter.
Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt möglich
Experten warnen außerdem vor möglichen Nebenwirkungen auf dem ohnehin angespannten Wohnungsmarkt. Wenn Vermieter ein höheres Risiko befürchten, könnten sie künftig seltener an Empfänger von Grundsicherungsleistungen vermieten. Das würde die Wohnungssuche für diese Haushalte zusätzlich erschweren. Gerade in großen Städten ist bezahlbarer Wohnraum bereits heute knapp.
Sollten sich Vermieter verstärkt zurückziehen, könnte der Druck auf den sozialen Wohnungsbau weiter steigen.
Entscheidung im Bundestag steht bevor
Der Bundestag will in den kommenden Wochen über die Reform entscheiden. Im Parlament wird der Gesetzentwurf kontrovers diskutiert. Während die Bundesregierung strengere Mitwirkungspflichten betont, warnen andere Parteien vor sozialen Risiken. Für Vermieter und Mieter gleichermaßen wird entscheidend sein, wie die endgültige Regelung zur Übernahme der Mietkosten ausgestaltet wird.
Fest steht: Die Reform der Grundsicherung könnte nicht nur das Sozialrecht verändern, sondern auch spürbare Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt haben.
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Geschrieben am 08.03.2026
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