Die Mietpreisbremse bleibt – und stößt auf ungewöhnlich breite Zustimmung. Acht von zehn Bundesbürgern befürworten die Verlängerung des Instruments bis 2029. Selbst unter Vermietern überwiegt die Zustimmung, obwohl viele zugleich vor negativen Folgen für Investitionen und Modernisierungen warnen.
Die Mietpreisbremse soll steigende Mieten abfedern – zugleich wächst die Sorge, dass strengere Regulierung Investitionen und Modernisierungen ausbremst. Foto: iStock.com / ridvan celik
Breite Mehrheit stellt sich hinter die Mietpreisbremse
Die Mietpreisbremse gilt als eines der umstrittensten Instrumente der deutschen Wohnungspolitik. Dennoch zeigt sich in der Bevölkerung ein klares Stimmungsbild: 80 Prozent der Deutschen begrüßen die Verlängerung der Regelung bis Ende 2029. Besonders hoch ist die Zustimmung unter Mietern, von denen 85 Prozent das Gesetz für richtig halten. Bemerkenswert ist jedoch der Blick auf die andere Seite des Marktes: Auch 76 Prozent der Vermieter sprechen sich für die Fortführung der Mietpreisbremse aus.
Die Zahlen stammen aus dem repräsentativen „Wohnraummangel-Barometer 2025“, das im Auftrag von immowelt durchgeführt wurde. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Wunsch nach Stabilität auf dem Mietmarkt inzwischen weite Teile der Gesellschaft verbindet – unabhängig davon, ob Menschen selbst zur Miete wohnen oder Wohnraum anbieten.
Bundesregierung will Mieterschutz weiter verschärfen
Politisch bleibt das Thema hochaktuell. Nachdem die Bundesregierung die Mietpreisbremse im Sommer 2025 bis 2029 verlängert hat, soll mit dem geplanten Mietrecht II nun nachgeschärft werden. Vorgesehen ist unter anderem, bestehende Schlupflöcher zu schließen und Verstöße stärker zu sanktionieren.
Ziel ist es, die Wirksamkeit des Instruments zu erhöhen. Kritiker sehen darin jedoch eine weitere Verschärfung der Regulierung, die Investitionen in den Wohnungsmarkt zusätzlich bremsen könnte. Befürworter argumentieren hingegen, dass ohne klare Regeln der Mietanstieg in angespannten Märkten kaum zu begrenzen sei.
Mehrheit fordert härtere Sanktionen bei Verstößen
Die Studie zeigt, dass strengere Kontrollen und Sanktionen in der Bevölkerung auf große Zustimmung stoßen. Insgesamt sprechen sich 81 Prozent der Befragten für härtere Strafen bei Verstößen gegen die Mietpreisbremse aus. Unter Mietern liegt die Zustimmung sogar bei 86 Prozent, aber auch 76 Prozent der Immobilieneigentümer halten schärfere Sanktionen für gerechtfertigt.
Neben der klassischen Mietpreisbremse geraten weitere Mietmodelle zunehmend in den Fokus. Drei Viertel der Befragten plädieren für eine gesetzliche Begrenzung von Indexmieten, die sich automatisch an der Inflation orientieren. Zudem wünschen sich 71 Prozent strengere Regeln für Kurzzeitvermietungen sowie für Möblierte Wohnungen, die häufig deutlich teurer angeboten werden als vergleichbarer Wohnraum.
Wunsch nach Anreizen statt reiner Regulierung
Trotz der Forderung nach mehr Kontrolle zeigt die Umfrage auch eine differenzierte Sicht auf den Wohnungsmarkt. Viele Deutsche halten es nicht für ausreichend, ausschließlich auf Verbote und Sanktionen zu setzen. 83 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, Vermieter steuerlich zu belohnen, wenn sie günstigen Wohnraum anbieten.
Der Ruf nach positiven Anreizen unterstreicht, dass die Bevölkerung das Problem des Wohnungsmangels nicht allein bei den Eigentümern verortet. Vielmehr wächst das Bewusstsein, dass langfristig nur zusätzliche Investitionen und neuer Wohnraum für Entlastung sorgen können.
Bewusstsein für Schattenseiten der Mietpreisbremse
So groß die Zustimmung auch ist – die Nachteile der Mietpreisbremse sind den meisten Befragten bewusst. Rund 66 Prozent befürchten, dass das Instrument Modernisierungen unattraktiver macht. Mehr als die Hälfte rechnet mit sinkenden Renditen bei Neuvermietungen. 53 Prozent erwarten zudem weniger Planungssicherheit für Vermieter.
Diese Einschätzung deckt sich mit der Kritik vieler Marktteilnehmer. Zwar kann die Mietpreisbremse kurzfristig Preisspitzen abfedern, sie ändert jedoch nichts an der grundlegenden Knappheit von Wohnraum.
Neubau bleibt das zentrale Nadelöhr
Auch immowelt Geschäftsführer Dr. Robert Wagner sieht die Ursachen des Problems nicht in erster Linie bei den Mietpreisen selbst: „Die Mietpreisbremse hat eine dämpfende Wirkung auf den Mietmarkt. Sie bekämpft aber nur Symptome und nicht die Ursache. Das Grundproblem ist fehlender Wohnraum und wird sich langfristig nur durch Neubau lösen lassen.“
Die Studie zeigt damit ein widersprüchliches, aber realistisches Bild: Die Mietpreisbremse genießt breite gesellschaftliche Akzeptanz, gleichzeitig wächst das Bewusstsein dafür, dass Regulierung allein den Wohnraummangel nicht beheben kann. Wie stark der Staat künftig reguliert und wie sehr er zugleich Investitionen fördert, dürfte entscheidend dafür sein, wie sich der Mietmarkt in den kommenden Jahren entwickelt.
Geschrieben am 27.01.2026
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