Berlin führt die Liste an, doch dahinter folgen überraschend viele Städte aus dem Westen. Was haben Krefeld, Hagen und Leverkusen gemeinsam? Ein Blick auf die Mietpreisentwicklung zeigt: Der Rhein spielt eine größere Rolle, als es auf den ersten Blick scheint.
Krefeld gehört zu den Städten mit den größten Mietsteigerungen in den vergangenen Jahren. Foto: Marcus Retkowietz / stock.adobe.com
Berlin, Krefeld und Hagen werden selten in einem Atemzug genannt. Auf der einen Seite die Hauptstadt mit internationalem Zuzug, auf der anderen Seite Städte aus dem Ruhrgebiet und vom Niederrhein. Doch bei den Mieten zeigt sich eine klare Gemeinsamkeit: In allen drei Städten sind die Preise seit 2022 um mehr als 20 Prozent gestiegen. Das zeigt eine aktuelle Analyse von immowelt.
Damit gehören sie zu den größten Gewinnern im bundesweiten Vergleich.
Berlin vorn – aber der Westen holt auf
Mit einem Anstieg von 22,3 Prozent liegt Berlin an der Spitze. Die Angebotsmieten kletterten von 11,6 Euro auf 14,2 Euro pro Quadratmeter.
Doch direkt dahinter folgen mit Krefeld (+21,8 Prozent) und Hagen (+20,9 Prozent) zwei Städte, die lange als vergleichsweise günstig galten. Auch Gelsenkirchen, Bochum oder Leverkusen verzeichnen deutliche Zuwächse von rund 18 bis knapp 20 Prozent.
Die Top 10 im Überblick:
- Berlin: 11,6 € → 14,2 € (+22,3 %)
- Krefeld: 8,1 € → 9,8 € (+21,8 %)
- Hagen: 6,6 € → 8,0 € (+20,9 %)
- Gelsenkirchen: 5,7 € → 6,8 € (+19,7 %)
- Bochum: 7,0 € → 8,3 € (+18,9 %)
- Mannheim: 10,2 € → 12,1 € (+18,8 %)
- Leverkusen: 8,6 € → 10,2 € (+18,4 %)
- Bergisch Gladbach: 9,3 € → 11,0 € (+18,4 %)
- Saarbrücken: 8,0 € → 9,4 € (+18,2 %)
- Bremerhaven: 6,2 € → 7,3 € (+17,9 %)
Auffällig: Ein Großteil dieser Städte liegt im Westen Deutschlands – viele davon im direkten Einflussbereich des Rheins.
Rhein und Ruhr als neue Preistreiber
Ob Niederrhein, Ruhrgebiet oder Rhein-Neckar: Die Liste zeigt eine klare regionale Häufung. Städte wie Krefeld, Leverkusen oder Bergisch Gladbach liegen direkt am Rhein oder in dessen unmittelbarer Umgebung. Mannheim gehört zur Rhein-Neckar-Region, während Bochum, Hagen und Gelsenkirchen Teil des eng verflochtenen Ruhrgebiets sind.
Der Rhein ist nicht nur ein Fluss, sondern eine der wichtigsten Wirtschaftsachsen Europas. Entlang dieser Achse bündeln sich Arbeitsplätze, Infrastruktur und Wirtschaftskraft. Das sorgt für stabile Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt.
Gleichzeitig entsteht ein zweiter Effekt: Wer sich Köln, Düsseldorf oder Frankfurt nicht mehr leisten kann, weicht zunehmend ins Umland aus. Genau dort liegen viele der Städte mit den stärksten Mietanstiegen.
Günstige Städte holen überproportional auf
Ein weiterer Grund für die starken Zuwächse liegt im Ausgangsniveau. Städte wie Hagen oder Gelsenkirchen starteten von sehr niedrigen Mietpreisen. Schon kleine absolute Anstiege führen hier zu großen prozentualen Sprüngen.
Beispiel Hagen: Ein Plus von 1,40 Euro pro Quadratmeter klingt überschaubar – entspricht aber einem Anstieg von über 20 Prozent. Diese sogenannten Nachholeffekte zeigen, dass sich der Markt zunehmend angleicht.
Strukturwandel verändert die Nachfrage
Vor allem im Ruhrgebiet zeigt sich ein langfristiger Trend. Die Region hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt:
- bessere Verkehrsanbindung
- neue Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor
- mehr Flexibilität durch Homeoffice
Dadurch gewinnen Städte an Attraktivität, die früher eher gemieden wurden.
Geschrieben am 29.03.2026
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