Die Mieten sind seit 2022 in allen deutschen Großstädten gestiegen – teilweise deutlich über dem Inflationsniveau. Für viele Mieter bedeutet das eine Mehrbelastung von mehreren hundert Euro im Monat.
Berlin verzeichnet die höchsten Mietpreissteigerungen im 4-Jahresvergleich. Foto: iStock.com / Nikada
Nicht nur in den ohnehin hochpreisigen Metropolen, sondern auch in vielen bislang vergleichsweise günstigen Städten haben sich Mietwohnungen spürbar verteuert. Wie eine aktuelle immowelt Analyse zeigt, sind die Angebotsmieten in den 80 deutschen Großstädten seit 2022 im Schnitt um 13,7 Prozent gestiegen – in der Spitze sogar um mehr als 22 Prozent.
Die Entwicklung vollzog sich vor dem Hintergrund einer allgemeinen Teuerungswelle seit dem Beginn des Ukraine-Krieg Anfang 2022. Die Inflation lag im selben Zeitraum bei rund 16 Prozent, Baukosten und Handwerkerpreise sind sogar um mehr als 20 Prozent gestiegen.
immowelt CEO Theo Mseka. Foto: immowelt
„Die seit 2022 deutlich gestiegenen Zinsen und Baukosten haben den Neubau in Deutschland einbrechen lassen. Gleichzeitig weichen Kaufinteressenten mangels Finanzierbarkeit auf den Mietmarkt aus“, sagt immowelt CEO Theo Mseka. „Hinzu kommt, dass sich der ohnehin große Wohnungsbedarf durch Geflüchtete aus der Ukraine noch zusätzlich erhöht hat. Auch belasten gestiegene Kosten für Handwerker die vermietenden Eigentümer. Die Folge sind deutliche Mietpreisanstiege in fast allen Großstädten.“
Bis zu 200 Euro mehr im Monat: Wie sich die Mietanstiege bei vielen Mietern bemerkbar machen
Die prozentualen Mietanstiege wirken auf den ersten Blick abstrakt. Deutlich greifbarer wird es bei einer typischen Bestandswohnung mit 75 Quadratmetern, die auch für die Analyse hergenommen wurde:
| Stadt | 2022 €/m² | 2026 €/m² | Anstieg in % | Mehrkosten/Monat (75 qm) |
|---|---|---|---|---|
| Berlin | 11,62 | 14,21 | +22,3 % | +194 Euro |
| Hamburg | 11,45 | 13,26 | +15,8 % | +136 Euro |
| München | 18,27 | 20,74 | +13,5 % | +185 Euro |
| Frankfurt | 14,42 | 16,32 | +13,2 % | +143 Euro |
| Köln | 11,99 | 13,43 | +12,0 % | +108 Euro |
| Stuttgart | 13,45 | 15,02 | +11,7 % | +118 Euro |
In Berlin zahlen Wohnungssuchende für eine 75-Quadratmeterwohnung inzwischen durchschnittlich rund 194 Euro mehr im Monat als noch 2022. Auch in München liegt das Plus bei rund 185 Euro. In Städten wie Köln oder Stuttgart summieren sich die Aufschläge ebenfalls schnell auf über 100 Euro monatlich.
Damit wird deutlich: Die Mietsteigerungen sind nicht nur ein statistischer Effekt, sondern machen sich direkt im Alltag vieler Millionen Mieter bemerkbar.
Inflation als Maßstab: Viele Städte liegen deutlich darüber
Die Mietentwicklung liegt in vielen Städten sogar über der allgemeinen Teuerungsrate. Seit 2022 lag die Inflation in Deutschland bei rund 16 Prozent – doch zahlreiche Großstädte überschreiten diesen Wert teils deutlich.
Allein unter den größten Mietanstiegen liegen 24 Großstädte über dem Inflationsniveau. Dazu zählen neben Berlin (+22,3 Prozent) auch Städte wie Krefeld (+21,8 Prozent), Hagen (+20,9 Prozent) oder Gelsenkirchen (+19,7 Prozent).
Selbst viele mittelgroße Städte wie Mannheim (+18,8 Prozent), Leverkusen (+18,4 Prozent) oder Düsseldorf (+17,5 Prozent) verzeichnen deutlich höhere Zuwächse als die allgemeine Teuerung. Die Nominallöhne in Deutschland haben sich seit 2022 um 16,3 Prozent erhöht.
Das zeigt: In vielen Regionen steigen die Mieten schneller als die Lebenshaltungskosten insgesamt – die Belastung für Haushalte wächst damit real spürbar.
München bleibt teuerste Stadt – Verschiebung im Rheinland
Mit durchschnittlich 20,74 Euro pro Quadratmeter bleibt München die teuerste Großstadt Deutschlands. Dahinter folgen Frankfurt (16,32 Euro) und Stuttgart (15,02 Euro).
Hamburg liegt mit 13,26 Euro deutlich darunter. Wohnungssuchende zahlen in München damit rund 1,5-mal so viel wie in der Hansestadt.
Eine Veränderung zeigt sich im Rheinland: Düsseldorf ist inzwischen teurer als Köln. Während die Mieten in Düsseldorf auf 13,84 Euro gestiegen sind, liegt Köln bei 13,43 Euro.
Starke Anstiege auch in günstigeren Städten
Nicht nur die klassischen Metropolen sind betroffen. Auch in bislang günstigeren Städten ziehen die Mieten deutlich an.
In Krefeld sind die Angebotsmieten seit 2022 um 21,8 Prozent gestiegen, in Hagen um 20,9 Prozent. Beide Städte zählen damit zu den stärksten Anstiegsregionen.
Ein Grund ist das niedrigere Ausgangsniveau. Gleichzeitig dürften Ausweichbewegungen aus teureren Städten die Nachfrage in günstigeren Regionen erhöhen.
Auch ostdeutsche Großstädte verzeichnen überdurchschnittliche Entwicklungen, etwa Dresden (+16,1 Prozent), Leipzig (+15,9 Prozent), Halle (+17,0 Prozent) oder Erfurt (+16,7 Prozent).
Wolfsburg fällt aus dem Rahmen – mögliche Folge der Autokrise
Eine Ausnahme bildet Wolfsburg. Hier sind die Mieten seit 2022 nur um 3,7 Prozent gestiegen – der niedrigste Wert aller Großstädte.
Mit aktuell 8,03 Euro pro Quadratmeter liegt die Entwicklung deutlich unterhalb der allgemeinen Teuerung.
Ein möglicher Grund könnte die angespannte Lage in der Automobilindustrie sein. Als stark vom VW-Konzern geprägter Standort könnte die wirtschaftliche Unsicherheit die Nachfrage nach Wohnraum dämpfen. In anderen Autostädten wie Ingolstadt oder Stuttgart zeigt sich dieser Effekt bislang nicht.
Geschrieben am 26.03.2026
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