Heizen

Heizung an, Wohnung kalt – warum wir abends jetzt oft frieren

Autorenbild Kilian Treß
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Draußen wird es früher dunkel und die Temperaturen sinken: In vielen Wohnungen läuft die Heizung wieder. Doch gerade am Abend bleibt es manchmal unangenehm kühl, obwohl das Thermostat bereits aufgedreht ist. Woran liegt das – und was hilft, ohne unnötig viel Energie zu verbrauchen?

Individuelles Wärmeempfinden

Ein typischer Herbstabend: Die Heizung ist warm, das Thermometer zeigt 20 Grad – und trotzdem fühlt sich das Wohnzimmer irgendwie kalt an. Gerade zu Beginn der Heizsaison kann dieser Effekt auffallen.

Das liegt daran, dass unser Wärmeempfinden nicht allein von der Lufttemperatur abhängt. Auch kalte Wände und Fenster, Zugluft und die Luftfeuchtigkeit spielen eine Rolle.

Einfach das Thermostat höher zu drehen, ist deshalb nicht immer die beste Lösung. Zumal die Heizkosten hoch bleiben: Laut Heizspiegel 2026 entwickeln sich die Kosten je nach Heizungsart sehr unterschiedlich. Wie teuer Gas, Öl, Fernwärme und Wärmepumpe aktuell sind, zeigt unser Überblick zu den Heizkosten 2026.

Warum fühlen sich 20 Grad manchmal kalt an?

20 Grad sind nicht gleich 20 Grad. Entscheidend für unser Temperaturempfinden ist nicht nur die Luft im Raum, sondern auch die Temperatur der Flächen, die uns umgeben.

Das merkt man besonders an kalten Herbst- und Wintertagen. Sind Außenwände, Fenster oder Fußböden deutlich kühler als die Raumluft, gibt der Körper Wärme an diese Oberflächen ab. Obwohl das Thermometer eine eigentlich angenehme Temperatur anzeigt, kann sich der Raum dadurch ungemütlich anfühlen.

Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt in schlecht gedämmten Gebäuden, bei älteren Fenstern oder in Räumen mit großen Außenflächen.

Bevor du die Heizung also weiter aufdrehst, lohnt sich ein genauer Blick auf den Raum.

 

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Kalte Wände und Fenster: Was dagegen hilft

Kühle Außenwände, schlecht gedämmte Fenster und kalte Böden können das Wärmeempfinden erheblich beeinflussen. Einige einfache Maßnahmen können bereits helfen:

  • Heizkörper freihalten: Möbel, Vorhänge oder Verkleidungen direkt vor dem Heizkörper behindern die Wärmeabgabe. Damit sich die warme Luft gut im Raum verteilen kann, sollte rund um den Heizkörper ausreichend Platz bleiben.
  • Rollläden und Vorhänge nachts schließen: Gerade über Fenster geht Wärme verloren. Geschlossene Rollläden oder Vorhänge können den Wärmeverlust in den Abend- und Nachtstunden reduzieren. Vorhänge sollten dabei nicht den Heizkörper verdecken.
  • Undichte Stellen prüfen: Durch alte Fensterdichtungen oder Türspalten kann kalte Luft in die Wohnung gelangen. Defekte Dichtungen lassen sich häufig vergleichsweise einfach erneuern.
  • Kalte Böden abdecken: Auf Fliesen oder anderen kalten Bodenbelägen kann ein Teppich vor allem den gefühlten Wohnkomfort verbessern.

Auch die Heizung selbst sollte zu Beginn der kalten Jahreszeit überprüft werden. Wird ein Heizkörper nur teilweise warm oder gluckert er, kann Luft im System stecken. Wie du effizient durch die kalte Jahreszeit kommst, erklären wir ausführlich in unseren Tipps zum richtigen Heizen.

Zugluft lässt Räume kälter wirken

Ein weiterer Grund für das Frösteln kann Zugluft sein. Strömt ständig kühle Luft an der Haut vorbei, gibt der Körper schneller Wärme ab. Der Raum kann sich deshalb kälter anfühlen, als es die gemessene Lufttemperatur vermuten lässt.

Typische Schwachstellen sind Fensterrahmen, Balkon- und Haustüren oder andere undichte Anschlüsse.

Ob ein Fenster undicht ist, lässt sich häufig schon mit der Hand feststellen. An kalten oder windigen Tagen sind Luftbewegungen rund um Rahmen und Dichtungen besonders gut wahrnehmbar.

Beschädigte oder alte Dichtungen sollten erneuert werden. Bei größeren Undichtigkeiten oder schlecht schließenden Fenstern kann es sinnvoll sein, Vermieter oder Fachbetrieb einzuschalten.

Auch die Luftfeuchtigkeit spielt eine Rolle

Mit Beginn der Heizsaison verändert sich auch das Raumklima. Beim Kochen, Duschen, Wäschetrocknen und selbst beim Atmen gelangt kontinuierlich Feuchtigkeit in die Raumluft.

Regelmäßiges Lüften ist deshalb auch im Herbst und Winter wichtig. Statt Fenster über längere Zeit gekippt zu lassen, solltest du mehrmals am Tag kurz und kräftig lüften. Das sorgt für Luftaustausch, ohne dass Wände und Möbel unnötig stark auskühlen.

Besonders wichtig ist das in schlecht gedämmten Wohnungen: Trifft feuchte Raumluft auf kalte Außenwände oder Fensterbereiche, kann sich dort Kondenswasser bilden. Dadurch steigt das Risiko für Schimmel.

Ein Hygrometer hilft dabei, die Luftfeuchtigkeit im Blick zu behalten. Wie oft gelüftet werden muss, hängt allerdings unter anderem von Raumtemperatur, Gebäudezustand und Nutzung ab. Grundsätzlich gilt: Je kühler ein Raum ist, desto weniger Feuchtigkeit kann die Luft aufnehmen und desto wichtiger wird regelmäßiges Lüften.

Richtig lüften statt Fenster dauerhaft kippen

Im Herbst ist der Impuls verständlich: Das Fenster bleibt einfach einen Spalt geöffnet, damit frische Luft hereinkommt.

Während der Heizsaison ist das allerdings meist keine gute Lösung. Dauerhaft gekippte Fenster sorgen nur langsam für Luftaustausch, während gleichzeitig Bauteile rund um das Fenster auskühlen können und Heizenergie verloren geht.

Besser ist Stoßlüften: Fenster vollständig öffnen und für einige Minuten möglichst kräftig durchlüften. Währenddessen solltest du das Heizkörperthermostat herunterdrehen.

Anschließend Fenster schließen und die Heizung wieder normal einstellen.

Thermostat höher drehen macht den Raum nicht automatisch schneller warm

Ein verbreiteter Irrtum: Wer das Thermostat auf Stufe 5 dreht, bekommt schneller eine warme Wohnung.

Bei klassischen Heizkörperthermostaten bestimmt die Einstellung jedoch vor allem, welche Raumtemperatur erreicht werden soll. Eine sehr hohe Einstellung bedeutet deshalb nicht automatisch, dass der Raum schneller warm wird.

Entscheidend ist vielmehr, eine passende Zieltemperatur einzustellen und der Heizung Zeit zu geben. Was die einzelnen Zahlen auf dem Heizkörper bedeuten, erklären wir ausführlich in unserem Ratgeber zum richtigen Einstellen des Heizkörperthermostats.

Wärmepumpe? Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für den Wintercheck

Wer mit einer Wärmepumpe heizt, sollte den Beginn der Heizsaison für einen kurzen Check nutzen.

Dazu gehören unter anderem freie Luftwege an der Außeneinheit, ein Blick auf den Anlagendruck sowie die Kontrolle von Heizkurve, Zeitprogrammen und Betriebsart. Auch ungewöhnliche Geräusche, Fehlermeldungen oder ein auffällig hoher Stromverbrauch sollten nicht ignoriert werden.

Welche Punkte du selbst überprüfen kannst und wann ein Fachbetrieb gefragt ist, zeigen wir in unserem aktuellen Ratgeber „Wärmepumpe fit für die Heizsaison: 8 Checks für maximale Effizienz“.

Gerade bei Wärmepumpen ist außerdem nicht jede starke Nachtabsenkung sinnvoll. In gut gedämmten Häusern kann ein gleichmäßiger Betrieb effizienter sein, als das Gebäude nachts stark auskühlen zu lassen und morgens wieder aufzuheizen.

Wie warm sollte die Wohnung im Herbst sein?

Eine pauschale Wohlfühltemperatur gibt es nicht. Das persönliche Temperaturempfinden unterscheidet sich von Mensch zu Mensch und hängt außerdem von Kleidung, Aktivität und den Oberflächentemperaturen im Raum ab.

Als Orientierung nennt das Umweltbundesamt für Wohnräume etwa 20 Grad. Entscheidend ist aber nicht nur die Zahl auf dem Thermometer.

Wenn du bei 20 Grad frierst, solltest du deshalb zunächst prüfen:

  • Sind Fenster oder Türen undicht?
  • Sind Außenwände oder Fußböden auffällig kalt?
  • Sind die Heizkörper frei oder durch Möbel und Vorhänge verdeckt?
  • Wird der Heizkörper vollständig warm?
  • Ist die Luftfeuchtigkeit auffällig hoch?
  • Wird regelmäßig und richtig gelüftet?

Erst wenn solche Ursachen ausgeschlossen sind, ist eine höhere Raumtemperatur die naheliegende Stellschraube.

Kleine Veränderungen können viel bewirken

Wenn die Wohnung trotz laufender Heizung kalt wirkt, muss die Lösung also nicht automatisch lauten: Thermostat weiter aufdrehen.

Oft liegt es am Zusammenspiel von Lufttemperatur, kalten Oberflächen, Luftfeuchtigkeit und Zugluft. Wer diese Faktoren überprüft, kann den Wohnkomfort verbessern, ohne unnötig viel Energie einzusetzen.

Das ist gerade zu Beginn der Heizsaison sinnvoll. Denn schon kleine Veränderungen bei Temperatur und Heizverhalten können sich über einen ganzen Winter beim Energieverbrauch bemerkbar machen.

Wer jetzt außerdem wissen möchte, mit welchen Kosten in der neuen Heizsaison zu rechnen ist, findet in unserem aktuellen Heizkosten-Überblick für 2026 die Prognosen für Gas, Öl, Pellets, Fernwärme und Wärmepumpe.

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