Update vom 27.08.2026: Wir haben den Artikel um konkrete Zahlen zum Insekten- und Wildbienenrückgang in Deutschland ergänzt und verweisen auf ein neues bundesweites Monitoring-Programm.
Ein Naturgarten wirkt auf den ersten Blick wild und ungeordnet – doch genau das macht ihn zum perfekten Rückzugsort für Bienen, Schmetterlinge und Co. Wie dringend nötig das ist, zeigen aktuelle Zahlen zum Insektenrückgang in Deutschland. Warum diese Tierchen einen naturnahen Garten dringend brauchen und worauf du bei der Planung achten solltest, erfährst du hier.
Ein Naturgarten ist ein wahres Paradies für Bienen. Foto: iStock.com / BethAmber
Blütenarmut in der Stadt: Was die Zahlen zeigen
Unsere Gärten, Parks und Grünflächen sind oft ordentlich, kurz geschnitten und mit exotischen Zierpflanzen gestaltet. Das sieht gepflegt aus, bietet Bienen aber kaum Nahrung. Viele Blühpflanzen wurden auf Aussehen gezüchtet – auf Kosten von Pollen und Nektar.
Wie dramatisch die Lage tatsächlich ist, zeigt die sogenannte Krefelder Studie, eine der bekanntesten Langzeituntersuchungen zum Insektenschwund: Die Insektenbiomasse in Deutschland ist seit 1990 um rund 76 Prozent zurückgegangen. Bei den Wildbienen sieht es ähnlich ernst aus – von rund 600 in Deutschland heimischen Arten gelten aktuell etwa 40 Arten als ausgestorben, mehr als die Hälfte der übrigen Arten steht auf der Roten Liste oder der Vorwarnliste.
Auch in der Landwirtschaft verschwinden Wildblumen von Wiesen und Ackerrändern, der Einsatz von Pestiziden verschärft die Lage zusätzlich. Für Bienen heißt das: Sie finden immer weniger geeignete Blüten, um ihren Energiebedarf zu decken.
Dabei sind Bienen als Bestäuber unersetzlich. Ein großer Teil unserer Obst- und Gemüsesorten ist auf ihre Hilfe angewiesen – ohne sie gäbe es deutlich weniger Äpfel, Erdbeeren oder Tomaten.
Neu 2026: Das Bundesamt für Naturschutz hat kürzlich ein neues Methodenhandbuch für ein bundesweites Insektenmonitoring-Programm veröffentlicht. Ziel ist es, erstmals eine systematische und über viele Jahre vergleichbare Datengrundlage für die gesamte Insektenfauna in Deutschland zu schaffen – bislang mussten Wissenschaft und Politik meist auf einzelne Regionalstudien zurückgreifen.
Ein Naturgarten bietet, was Bienen brauchen
Ein naturnaher Garten ahmt die Vielfalt der Natur nach. Er bietet Wildbienen, Hummeln, Schmetterlingen und anderen Insekten das, was sie heute vielerorts vermissen:
- Blühpflanzen mit reichlich Pollen und Nektar
- Unterschiedliche Lebensräume durch Strukturen wie Totholzhecken, Steine oder Wildhecken
- Unversiegelte Flächen für Bodennister
- Heimische Pflanzen, die an das regionale Klima angepasst sind
Anders als ein englischer Rasen oder exotische Zierbeete muss ein Naturgarten nicht perfekt sein – im Gegenteil: Je „unaufgeräumter" er wirkt, desto wertvoller ist er für die Tierwelt.
Planung mit Konzept: So gelingt der wilde Garten
Auch wenn ein Naturgarten wild aussieht, braucht er eine durchdachte Struktur. Denn nur so entstehen dauerhaft stabile Lebensräume. Wichtige Überlegungen dabei:
- Standortanalyse Wie viel Sonne fällt in welchen Gartenbereich? Welche Böden sind vorhanden? Solche Fragen helfen bei der Auswahl passender Pflanzenarten.
- Vielfalt pflanzen Setze auf eine Kombination aus Frühblühern, Sommerstauden und spätblühenden Arten – so finden Bienen über viele Monate hinweg Nahrung. Achte dabei auf heimische Arten wie Wiesensalbei, Natternkopf oder Kornblume.
- Lebensräume schaffen Ein Stapel aus Totholz, eine wilde Ecke mit Brennnesseln oder eine Trockenmauer bieten Nist- und Überwinterungsplätze. Auch ein Sandhaufen für bodennistende Wildbienen ist sinnvoll.
- Auf Pestizide verzichten Selbst "bienenfreundliche" Pflanzen helfen wenig, wenn sie mit Chemie behandelt werden. Im Naturgarten gilt: Hände weg von Spritzmitteln.
- Pflege mit Augenmaß Einmal im Jahr mähen – am besten abschnittsweise – reicht oft aus. So bleiben Rückzugsorte erhalten, und es entwickeln sich stabile Pflanzengesellschaften.
Einen wirklich detaillierten Einblick in die Gestaltung von Naturgärten liefert das Taschenbuch "Wild & bunt: Naturnahe Gärten mit heimischen Pflanzen gestalten". Den Spiegel-Bestseller mit vielen Bildern gibt es aktuell für 20€ bei Amazon.
Naturgarten als persönlicher Rückzugsort
Ein wilder Garten bringt nicht nur den Insekten etwas. Wer sich darauf einlässt, entdeckt schnell selbst die Ruhe und Schönheit eines solchen Ortes: Das Summen der Bienen, flatternde Schmetterlinge, das leise Rascheln im Laub – Natur pur, direkt vor der Haustür. Angesichts der Zahlen zum Insektenrückgang ist jeder naturnah gestaltete Garten – und sei er noch so klein – ein echter Beitrag, keine reine Wohlfühlmaßnahme.
Quellen: Krefelder Studie (Entomologischer Verein Krefeld), Bundesamt für Naturschutz (Insektenmonitoring-Methodenhandbuch 2026), Rote Liste gefährdeter Tierarten Deutschlands.
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