Ratgeber

Baufinanzierungen brechen ein: Darum fallen die Abschlüsse auf ein Mehrjahrestief

Autorenbild Kilian Treß
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Nach dem Hoffnungsschimmer zu Jahresbeginn folgt der nächste Dämpfer: Das Neugeschäft bei Baufinanzierungen ist im Mai deutlich eingebrochen. Gleichzeitig mehren sich aber Anzeichen, dass der Zinsdruck in den kommenden Monaten nachlassen könnte. Für Immobilienkäufer bleibt die Lage widersprüchlich.

Baufinanzierungen brechen im Mai deutlich ein

Nachdem die Zahl der Baugenehmigungen zuletzt wieder gestiegen war und Hoffnungen auf eine Erholung des Wohnungsmarktes geweckt hatte, folgt nun ein Rückschlag von anderer Seite: Das Neugeschäft bei Wohnungsbaukrediten ist im Mai 2026 deutlich zurückgegangen.

Nach einer Auswertung von Barkow Consulting vergaben die Banken neue Baukredite im Volumen von 17,2 Milliarden Euro. Das sind rund 19 Prozent weniger als im April und etwa 13 Prozent weniger als im Mai des Vorjahres. Damit wurde der niedrigste Wert seit Dezember 2024 erreicht.

Die Analysten sehen dafür mehrere Gründe. Zum einen liefen kriegsbedingte Vorzieheffekte aus den vergangenen Monaten aus. Zum anderen gilt der Mai traditionell als eher schwacher Monat für Baufinanzierungen. Gleichzeitig belasten weiterhin hohe Immobilienpreise, vergleichsweise hohe Bauzinsen und die wirtschaftliche Unsicherheit die Kaufbereitschaft.

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Erste Entspannung bei Inflation und Ölpreis

Trotz der schwachen Zahlen gibt es aber auch positive Signale für Immobilienkäufer. Die Schnellschätzung zur Inflation fiel zuletzt mit 2,3 Prozent niedriger aus, als viele Volkswirte erwartet hatten. Zuvor waren rund 2,6 Prozent prognostiziert worden. Eine niedrigere Inflation nimmt grundsätzlich Druck von den Kapitalmärkten und könnte mittelfristig auch den Bauzinsen helfen. 

Hinzu kommt die Entwicklung am Ölmarkt. Der Preis für ein Barrel Rohöl war wieder auf rund 70 US-Dollar gefallen und lag damit etwa 30 Prozent unter den Höchstständen während der jüngsten Eskalation im Nahen Osten. Wegen einem neuerlichen Aufkeimen des Konflikt stiegen die Ölpreise zur Wochenmitte aber wieder deutlich. Die wichtige Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus soll laut aktueller Informationen noch befahrbar sein.

Davon profitieren mittelfristig Transportkosten und Energiepreise. Allerdings dürfte dieser Effekt nicht sofort bei den Verbrauchern ankommen. Ökonomen weisen darauf hin, dass allein der Transport eines Öltankers aus Südostasien bis zu den Raffinerien in Rotterdam rund einen Monat dauert. Bis günstigere Einkaufspreise vollständig in den Lieferketten angekommen sind, wird daher noch etwas Zeit vergehen.

EZB hält weitere Zinserhöhung weiter für möglich

Ganz verschwunden ist das Risiko Zinsen allerdings nicht. EZB-Präsidentin Christine Lagarde machte beim jüngsten EZB-Forum deutlich, dass die Inflation weiterhin aufmerksam beobachtet werde. Zwar befindet sich die Teuerung inzwischen wieder deutlich näher am Inflationsziel der Europäischen Zentralbank. Eine weitere Erhöhung des Leitzinses von derzeit 2,25 auf 2,50 Prozent schloss Lagarde jedoch ausdrücklich nicht aus, falls sich der Preisauftrieb wieder verstärken sollte.

Für Immobilienkäufer bedeutet das: Die Hoffnung auf dauerhaft sinkende Bauzinsen ist zwar größer geworden, sicher ist sie aber noch nicht. Dafür können aber Kaufrpreise im Gegezug wieder sinken.

Bundesanleihen bleiben entscheidend für Bauzinsen

Entscheidend für die Entwicklung der Bauzinsen bleibt ohnehin weniger der Leitzins als vielmehr der Kapitalmarkt. Baufinanzierungen mit langen Zinsbindungen orientieren sich vor allem an den Renditen zehnjähriger Bundesanleihen.

Diese waren im Frühjahr infolge des milliardenschweren Finanzpakets des Bundes kräftig gestiegen und hatten die Bauzinsen zeitweise deutlich nach oben getrieben. Sollten die sinkende Inflation und die fallenden Energiepreise die Kapitalmarktzinsen wieder unter Druck setzen, könnten auch Baufinanzierungen im Laufe der kommenden Monate etwas günstiger werden.

Käufer sollten die Entwicklung genau beobachten

Der Immobilienmarkt sendet derzeit widersprüchliche Signale. Einerseits steigen die Baugenehmigungen wieder und die Inflation entwickelt sich günstiger als erwartet. Andererseits bleibt die Nachfrage nach Baufinanzierungen schwach, und die Europäische Zentralbank hält sich weitere Zinsschritte offen.

Für Kaufinteressenten dürfte deshalb vor allem die Entwicklung der Bundesanleiherenditen und der Inflation in den kommenden Wochen entscheidend sein. Erst wenn sich beide nachhaltig entspannen, könnten auch die Bauzinsen wieder spürbar nachgeben.

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