Eigentlich sollten hohe Zinsen den Immobilienmarkt weiter ausbremsen. Doch plötzlich ziehen die Baufinanzierungen wieder kräftig an. Laut Barkow Consulting erreichte das Neugeschäft Anfang 2026 sogar den höchsten Stand seit der Zinswende. Doch dürfte die beste Zeit nun vorbei sein.
Warum die Baufinanzierung Anfang 2026 boomt
- Im ersten Quartal 2026 wurden in Deutschland wieder deutlich mehr Immobilienkredite vergeben.
- Hauptgrund dafür sind gestiegene Zinsen, die viele Käufer dazu gebracht haben, ihre Finanzierung schneller abzuschließen, bevor Kredite noch teurer werden.
- Experten warnen allerdings davor, den Anstieg als echte Trendwende zu verstehen. Seit April brechen die Finanzierungen aber drastisch ein.
Baufinanzierung erreicht höchsten Stand seit der Zinswende
Lange Zeit galt der Immobilienmarkt als ausgebremst. Hohe Bauzinsen, steigende Preise und wirtschaftliche Unsicherheit hatten viele Kaufinteressenten abgeschreckt. Nun zeigt eine aktuelle Auswertung von Barkow Consulting allerdings eine überraschende Entwicklung.
Im ersten Quartal 2026 wurden Wohnungsbaukredite in Höhe von 61,2 Milliarden Euro vergeben. Damit erreichte das Neugeschäft den höchsten Stand seit Mitte 2022 – also seit Beginn der großen Zinswende.
Vor allem der März sorgte dabei für einen massiven Sprung nach oben. Mit mehr als 24 Milliarden Euro lag das Volumen fast wieder auf dem Niveau der früheren Niedrigzinsphase.
Steigende Zinsen sorgen ausgerechnet für mehr Abschlüsse
Der Grund klingt zunächst paradox: Ausgerechnet steigende Zinsen treiben derzeit viele Menschen zur schnellen Unterschrift. Seit Ende Februar waren die Bauzinsen erneut deutlich gestiegen. Viele Käufer wollten sich deshalb noch schnell günstigere Konditionen sichern, bevor Kredite weiter teurer werden. Experten sprechen dabei von sogenannten Vorzieheffekten, sagt auch Tom Kiske, Chef von Baudarlehen 24. Menschen, die eigentlich erst später gekauft hätten, ziehen ihre Finanzierung vor. Ein ähnlicher Effekt war bereits im Frühjahr des vergangenen Jahres zu beobachten, heißt es bei Barkow Consulting.
"Finanzierungen bis zum 120fachen vom Haushaltseinkommen sind möglich." Tom Kiske, Geschäftsführer Baudarlehen24.de.
Experten warnen vor falscher Euphorie
Trotz des starken Quartals sehen Fachleute darin noch keine echte Erholung des Immobilienmarktes. Denn die grundlegenden Probleme bleiben bestehen. Immobilienpreise bewegen sich vielerorts weiterhin auf hohem Niveau. Gleichzeitig sind die Finanzierungskosten deutlich höher als noch vor wenigen Jahren. Hinzu kommt die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit, die viele Haushalte vorsichtig macht. Die Bremsspuren machen sich auch seit Beginn des zweiten Quartals bemerkbar. 30 bis 40 Prozent weniger Baufinanzierungen prognostiziert Tom Kiske für April und Mai im Vergleich zum Vorquartal.
Der Immobilienmarkt bleibt unter Druck
Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Viele ältere Immobilienkredite mit extrem niedrigen Zinsen laufen derzeit noch gar nicht aus. Dadurch entsteht bislang nur wenig neues Refinanzierungsvolumen. Außerdem könnten Nachholeffekte aus den vergangenen Zinsschocks langsam auslaufen. Der starke März dürfte deshalb eher eine kurzfristige Ausnahme gewesen sein als der Beginn eines neuen Immobilienbooms.
Geschrieben am 16.05.2026
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