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Teure Anschlussfinanzierung? So senkst du deine monatliche Belastung trotz hoher Zinsen spürbar

Autorenbild Kilian Treß

Vor zehn Jahren konnten Haushalte von außergewöhnlich günstigen Zinsbedingungen profitieren und Immobilien erwerben. Doch für viele naht nun die zweite Phase - die Anschlussfinanzierung. Sie stellt die alte Kalkulation auf den Prüfstand. Steigende Zinsen treffen auf noch hohe Restschulden und begrenzte Spielräume. Gibt es einen Ausweg? Rechne es durch.

Wie Krisen deine Immobilienfinanzierung belasten

Die geopolitische Lage wirkt bis in die privaten Haushalte hinein. Der eskalierende Konflikt im Nahen Osten sorgt an den Kapitalmärkten für Unsicherheit, treibt Inflationserwartungen und stabilisiert ein Zinsniveau, das viele Immobilienbesitzer in Deutschland so nicht eingeplant haben. Für eine wachsende Zahl von Haushalten fällt diese Entwicklung mit einem entscheidenden Zeitpunkt zusammen: dem Ende der ersten Zinsbindung.

Was lange kalkulierbar war, wird nun zur finanziellen Belastungsprobe.

Die Logik der ersten zehn Jahre

Ein Großteil der heute betroffenen Eigentümer hat zwischen 2015 und 2021 finanziert. Bauzinsen von rund 1,0 bis 1,5 Prozent waren damals üblich. Ein Darlehen über 300.000 Euro ließ sich mit einer monatlichen Rate von etwa 900 Euro bedienen, häufig bei einer anfänglichen Tilgung von 2      Prozent. In dieser Zeit konnten Familien günstig Immobilien finanzieren, was so in kaum einer Phase der Nachkriegszeit möglich war.

Das Grundprinzip einer Immobilienfinanzierung ist in der Regel das Annuitätendarlehen. Dabei bleibt die monatliche Rate konstant und setzt sich aus einem Zins- und einem Tilgungsanteil zusammen. Innerhalb dieser festen Rate verschiebt sich jedoch mit der Zeit das Verhältnis: Zu Beginn ist der Zinsanteil hoch und der Tilgungsanteil niedrig. Mit jeder Zahlung sinkt die Restschuld, wodurch auch die Zinslast abnimmt. Entsprechend steigt der Tilgungsanteil Schritt für Schritt an.

Wer in der Niedrigzinsphase eine Finanzierung abgeschlossen hat, hat häufig bewusst eine niedrige Tilgungsrate gewählt, um die monatliche Belastung möglichst gering zu halten. Die Kehrseite zeigt sich nach einigen Jahren: Nach zehn Jahren verbleibt in vielen Fällen noch eine Restschuld von etwa 240.000 bis 260.000 Euro.

Unter gleichbleibend niedrigen Zinsen hätte sich allerdings ein positiver Effekt ergeben. Durch den sinkenden Zinsanteil innerhalb der konstanten Rate wäre die Tilgungsquote automatisch gestiegen. Rechnerisch wären nach zehn Jahren Tilgungsanteile von vier Prozent oder mehr möglich gewesen, ohne dass sich die monatliche Rate von beispielsweise 900 Euro erhöht hätte.

Diese Entwicklung ist jedoch heute kaum noch realistisch. Mit dem Ende der Niedrigzinsphase infolge geopolitischer Krisen wie dem Ukraine- und nun dem Iran-Konflikt haben sich die Rahmenbedingungen grundlegend verändert. Auch die zwischenzeitlichen Hoffnungen auf sinkende Zinsen haben sich bislang nicht erfüllt.

Der Bruch bei der Anschlussfinanzierung

Mit dem Übergang in die Anschlussfinanzierung verändert sich die Ausgangslage grundlegend. Bauzinsen bewegen sich derzeit um die Marke von 4 Prozent. Für viele Haushalte bedeutet das bei einer Anschlussfinanzierung eine Verdopplung des Zinssatzes oder mehr. Die Konsequenzen lassen sich an einem vereinfachten Beispiel illustrieren:

Ein Darlehen mit 250.000 Euro Restschuld, das weiterhin zügig getilgt werden soll – etwa mit 4      Prozent Tilgung –, führt bei einem Zinssatz von 4      Prozent zu einer monatlichen Rate von rund 1.600 bis 1.700 Euro.

Die monatliche Belastung steigt damit um etwa 700 bis 800 Euro. Diese Größenordnung ist für viele Haushalte nicht ohne Weiteres tragbar.

Bist du bereit eine Immobile zu finanzieren? Zum Finanzierungsrechner

Der naheliegende Ausweg – und seine Folgen

In der Praxis zeigt sich derzeit ein deutliches und oft unterschätztes Anpassungsmuster. Viele Eigentümer versuchen nun, ihre Finanzierung unter den neuen Zinsbedingungen zu stabilisieren, um einen Verkauf zu vermeiden. Der naheliegendste Hebel ist dabei die Tilgung: Statt ursprünglich vier Prozent werden häufig nur noch zwei Prozent oder sogar weniger angesetzt.

Kurzfristig verschafft das Luft. Die monatliche Rate sinkt auf etwa 1.200 bis 1.300 Euro und scheint damit wieder tragbar. Doch diese Entlastung hat ihren Preis und der zeigt sich erst mit der Zeit. Denn durch die geringere Tilgung verschiebt sich die gesamte Dynamik der Finanzierung:

  • Langsamer Schuldenabbau: Die Restschuld sinkt deutlich langsamer und bleibt über viele Jahre auf einem hohen Niveau.
  • Zinskosten explodieren: Ein immer größerer Anteil der Rate fließt wieder in Zinsen, wodurch über die Gesamtlaufzeit zehntausende Euro zusätzlich an die Bank gezahlt werden.
  • Rentenrisiko: Die Laufzeit verlängert sich erheblich. Aus ursprünglich geplanten 30 Jahren werden nicht selten 40 Jahre oder mehr und die Finanzierung reicht damit oft weit in die Rentenphase hinein.

Was kurzfristig wie eine sinnvolle Stabilisierung wirkt, entpuppt sich langfristig als strukturelles Problem. Die Finanzierung verliert an Effizienz, wird teurer und bindet Haushalte deutlich länger als ursprünglich geplant.

Strategien gegen den Zinsschock

„Viele unterschätzen die Dynamik beim Übergang in die Anschlussfinanzierung“, sagt Tom Kiske von Baudarlehen24, einem Partnerportal von immowelt. „Dabei ist die entscheidende Größe nicht allein der Zinssatz, sondern die verbleibende Restschuld.“ Tatsächlich wirkt sich jede Reduktion der Restschuld unmittelbar auf die künftige Belastung aus.

Ein Beispiel: 20.000 Euro Restschuld tilgen

Wer es schafft, vor dem Ende der Zinsbindung zusätzlich 20.000 Euro aus Ersparnissen in die Finanzierung zu stecken, kann die künftige Belastung spürbar senken. Sinkt die Restschuld etwa von 240.000 auf 220.000 Euro, reduziert sich die monatliche Rate bei 4 Prozent Zins und 3 Prozent Tilgung um rund 115 Euro.

Der Effekt wirkt doppelt: Die laufende Rate fällt sofort niedriger aus und zugleich sinken die Zinskosten. Über die nächsten zehn Jahre spart eine um 20.000 Euro geringere Restschuld allein rund 8.000 Euro an reinen Zinsen. Wer die niedrigere Monatsrate nicht vollständig für den Alltag braucht, kann den frei werdenden Betrag zusätzlich für Sondertilgungen nutzen und den Schuldenabbau weiter beschleunigen.

 

Vorsorge als strategischer Faktor

Der Effekt verstärkt sich, je früher Maßnahmen ergriffen werden. Wer über die gesamte Laufzeit hinweg Rücklagen bildet oder Sondertilgungen nutzt, kann die Ausgangslage zur Anschlussfinanzierung deutlich verbessern.

Bereits vergleichsweise moderate Beträge entfalten Wirkung. Eine monatliche Rücklage von 100 Euro summiert sich über 10      Jahre auf rund 12.000 Euro, zuzüglich möglicher Erträge. Diese Summe reduziert die Restschuld und damit direkt die Zinsbelastung. Noch stärker fällt der Effekt bei regelmäßigen Sondertilgungen aus. Zusätzliche Zahlungen von beispielsweise 5.000 Euro pro Jahr führen über 10 Jahre zu einer Reduktion der Restschuld um rund 50.000 Euro.

In diesem Szenario sinkt die monatliche Rate bei der Anschlussfinanzierung auf etwa 1.200 Euro – ein Unterschied von mehreren hundert Euro im Vergleich zur Ausgangssituation ohne zusätzliche Tilgung. 

Externe Faktoren bleiben bestimmend

Die aktuelle Zinsentwicklung ist eng mit globalen Unsicherheiten verknüpft. Geopolitische Konflikte, volatile Energiepreise und eine weiterhin erhöhte Inflation sorgen dafür, dass ein rascher Rückgang der Bauzinsen derzeit nicht absehbar ist.

Für Kreditnehmer bedeutet das: Die Anschlussfinanzierung muss unter veränderten Rahmenbedingungen geplant werden.

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