Für die Natur ist die Hornisse ein Segen, Menschen hingegen fürchten sie oft sehr. Besonders dann, wenn sich ein Hornissennest auf dem Grundstück befindet. Wer mit den Tieren richtig umgeht, kann aber problemlos mit ihnen leben.
Übersicht
- Wespe oder Hornisse? So erkennst du den Unterschied
- Warum stehen Hornissen unter Naturschutz?
- Woran erkenne ich ein Hornissennest?
- Hornissen umsiedeln: So gehst du richtig vor
- Hornissennest entfernen: Wie hoch sind die Kosten 2026?
- Wer zahlt für die Beseitigung eines Hornissennests?
- Verhaltenstipps: Wie verhalte ich mich bei einem Hornissennest richtig?
- Erste Hilfe: Was tun bei einem Hornissenstich?
- Gibt es wirksame Hausmittel, um Hornissen zu vertreiben?
- Wie lange leben Hornissen?
- Wie entfernt man ein leeres Hornissennest im Winter?
- FAQ: Häufige Fragen zum Hornissennest
Wespe oder Hornisse? So erkennst du den Unterschied
Sommerzeit ist Wespen- und Hornissenzeit. Wenn ein gelb-schwarz gestreiftes Insekt im Tiefflug naht, schrillen bei vielen Gartenbesitzern die Alarmglocken. Doch kein Grund zur Panik: Im Gegensatz zur Deutschen oder Gemeinen Wespe sind Hornissen deutlich größer und fallen durch ihre charakteristische rötlich-braune Färbung an Kopf und Brust auf.
Ähnlich wie beim Bienennest im Garten gilt auch hier: Ruhe bewahren. Zudem musst du nicht befürchten, dass die Tiere über deinen Pflaumenkuchen oder das Grillfleisch auf dem Terrassentisch herfallen – Hornissen ernähren sich ausschließlich von anderen Insekten, Baum- und Pflanzensäften sowie Fallobst.
Warum stehen Hornissen unter Naturschutz?
Hornissen gehören wie Wildbienen und Hummeln zu den besonders geschützten Tierarten nach § 44 Abs. 1 Nr. 1 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG). Da ihre natürlichen Lebensräume (wie morsche Baumhöhlen) immer knapper werden, sind ihre Bestände stark zurückgegangen.
Dabei fungieren die Insekten als hocheffiziente „Ökopolizei“ im Garten. Ein einziges großes Hornissenvolk verfüttert pro Tag rund 500 Gramm Insekten an seine Brut. Auf dem Speiseplan stehen:
- Forst- und Gartenschädlinge (z. B. Raupen des Eichenwicklers)
- Lästige Stechmücken und Bremsen
- Kleinere Wespenarten und Motten
Ein bewohntes Hornissennest in der Nähe sorgt also dafür, dass du auf der Terrasse deutlich weniger von Mücken und aggressiven Wespen belästigt wirst.
Bußgelder 2026: Welche Strafen drohen bei Verstößen?
Wer selbst Hand anlegt und ein Nest zerstört oder die Tiere tötet, riskiert empfindliche Strafen. Das Bundesnaturschutzgesetz sieht hierfür drastische Bußgelder vor. Je nach Bundesland können die Strafen für das unberechtigte Töten einer Hornisse oder das Zerstören ihrer Fortpflanzungsstätten bis zu 50.000 Euro – in einigen Bundesländern wie Brandenburg sogar bis zu 65.000 Euro – betragen.
Woran erkenne ich ein Hornissennest?
Hornissennester bestehen aus einer papierähnlichen, hellbraunen bis dunklen Masse, die die Tiere aus zerkauten, eingespeichelten Altholzfasern fertigen. Da die Insekten ausschließlich verwittertes Totholz nutzen, brauchst du keine Angst um die Bausubstanz deines Hauses zu haben.
- Größe & Volk: Auf dem Entwicklungshöhepunkt im Spätsommer kann ein Nest bis zu 60 Zentimeter hoch sein und ein Volk von 200 bis 700 Hornissen beherbergen.
- Unterschied zum Wespennest: Wespennester sind meist hellbeige (Gemeine Wespe) oder grau (Deutsche Wespe) und komplett geschlossen. Hornissennester haben nach unten hin eine markante, offene Einflugöffnung.
Praxis-Tipp gegen Verschmutzung: Aus der unteren Öffnung lassen Hornissen Exkremente und Abfälle fallen. Befindet sich das Nest im Dachboden oder Schuppen, lege einfach ein großes Gefäß mit saugfähigem Material (wie Kleintierstreu oder Katzenstreu) oder dicke Plastikfolie darunter, um den Boden zu schützen.
Wo bauen Hornissen bevorzugt ihre Nester?
In der freien Natur nisten Hornissen in Baumhöhlen. In besiedelten Gebieten weichen sie mangels Alternativen auf menschliche Strukturen aus. Typische Nistplätze sind:
- Rollladenkästen und Vogelnistboxen
- Dachböden, Scheunen und Geräteschuppen
- Hohle Wände oder geschützte Bereiche in dichten Sträuchern
Hornissen umsiedeln: So gehst du richtig vor
Wenn das Nest an einer Stelle sitzt, die den Alltag massiv einschränkt (z. B. direkt am Schlafzimmerfenster oder im Kindergarten), ist eine Umsiedlung die beste Lösung.
- Behörden kontaktieren: Wende dich zuerst an die zuständige Untere Naturschutzbehörde deines Landkreises oder deiner Stadt.
- Ausnahmegenehmigung einholen: Nur bei einer nachweisbaren, unmittelbaren Gefährdung (z. B. Allergiker im Haushalt, Kleinkinder) erteilt die Behörde eine Genehmigung zur Umsiedlung oder (in extremen Ausnahmefällen) zur Beseitigung.
- Fachbetrieb beauftragen: Ist die Erlaubnis da, darf nur ein zertifizierter Experte – wie ein geschulter Kammerjäger, ein Hornissenberater, ein Imker oder ein Naturschützer – das Nest fachgerecht und schonend umsiedeln.
Oft ist eine teure Umsiedlung gar nicht nötig. Manchmal reicht es schon, wenn ein Profi mechanische Absicherungen wie Sichtblenden oder Flugumleitungen anbringt, damit sich Mensch und Tier nicht in die Quere kommen.
Hornissennest entfernen: Wie hoch sind die Kosten 2026?
Die Kosten für die professionelle Umsiedlung oder Entfernung eines Hornissennests hängen stark vom Aufwand und der Zugänglichkeit ab. Durch gestiegene Stundensätze und Transportkosten im Jahr 2026 musst du mit folgenden Richtwerten rechnen:
| Zugänglichkeit des Nests | Voraussichtliche Kosten (Stand 2026) |
| Leicht zugänglich (z. B. im offenen Schuppen, niedrige Höhe) | ca. 150 bis 250 Euro |
| Schwer zugänglich (z. B. im Rollladenkasten, im Dachgebälk) | ca. 250 bis 450 Euro |
| Spezialeinsatz (mit Hebebühne oder Gerüst bei großer Höhe) | ab 500 Euro aufwärts |
Wer zahlt für die Beseitigung eines Hornissennests?
Als Mieter musst du die Kosten für einen behördlich genehmigten Fachmanneinsatz nicht zwingend selbst tragen:
- Pflicht des Vermieters: Liegt eine erhebliche Beeinträchtigung oder Gefährdung der Wohnqualität vor, ist der Vermieter in der Pflicht, die Kosten für die fachgerechte Beseitigung oder Umsiedlung zu übernehmen.
- Fristsetzung: Informiere den Vermieter schriftlich und setze eine angemessene Frist. Reagiert er nicht, kannst du die Maßnahme nach Ablauf der Frist selbst in Auftrag geben und die Kosten einfordern.
- Akute Gefahr (§ 536a BGB): Bei einer akuten, unaufschiebbaren Gefährdung (z. B. Hornissen dringen massenhaft in die Wohnräume ein und gefährden Allergiker) dürfen Mieter sofort einen Kammerjäger rufen. Der Vermieter muss die Kosten tragen, sofern sie verhältnismäßig sind.
Verhaltenstipps: Wie verhalte ich mich bei einem Hornissennest richtig?
Hornissen sind von Natur aus friedfertig und scheu. Sie greifen nur an, wenn sie ihr Nest oder ihr eigenes Leben bedroht sehen. Mit diesen Verhaltensregeln klappt das friedliche Nebeneinander:
- Abstand halten: Markiere den Bereich um das Nest (ca. 2 bis 3 Meter) bei Bedarf mit Absperrband, damit niemand versehentlich hineinläuft.
- Erschütterungen vermeiden: Vermeide heftige Bewegungen, Erschütterungen oder das Schlagen nach den Tieren im Umkreis des Nests.
- Flugbahn freihalten: Verstelle nicht die Einflugschneise. Puste niemals in das Einflugloch – das im Atem enthaltene CO₂ signalisiert den Tieren höchste Gefahr.
- Fenster schützen: Bringe Fliegengitter an den Fenstern an, wenn das Nest dicht am Haus liegt. Hornissen sind flugaktiv bei Nacht und werden von Lichtquellen im Haus angelockt.
- Gartenpflege anpassen: Halte beim Rasenmähen einen Sicherheitsabstand von mindestens 4 bis 5 Metern zum Nest ein und laufe im Spätsommer wegen des Fallobsts nicht barfuß über den Rasen.
Erste Hilfe: Was tun bei einem Hornissenstich?
Ein Hornissenstich ist entgegen alten Mythen („Drei Stiche töten ein Pferd“) nicht gefährlicher als ein Wespen- oder Bienenstich. Er schmerzt aufgrund des dickeren Stachels und der Giftzusammensetzung lediglich etwas mehr.
- Normaler Verlauf: Kühlen, eine aufgeschnittene Zwiebel auflegen oder einen elektronischen Stichheiler verwenden lindert den Schmerz schnell.
- Notfall Rachenraum: Erfolgt ein Stich in den Mund-, Schal- oder Rachenraum, droht Erstickungsgefahr durch anschwellende Schleimhäute. Wähle sofort den Notruf (112)!
- Notfall Allergie: Allergiker sollten stets ihr medizinisches Notfallset (mit Antihistaminika, Kortison und einer Adrenalin-Autoinjektionsspritze) griffbereit haben und nach einem Stich umgehend den Rettungsdienst verständigen.
Gibt es wirksame Hausmittel, um Hornissen zu vertreiben?
Möchtest du verhindern, dass Königinnen im Frühjahr überhaupt erst an deinem Haus nisten, solltest du potenzielle Einschlupflöcher an Fassaden und Rollladenkästen rechtzeitig abdichten.
Hast du bereits einzelne Brummer auf der Terrasse, helfen sanfte, vertreibende Gerüche:
- Zitrusfrüchte & Nelken: Eine mit Gewürznelken gespickte Zitronen- oder Orangenscheibe vertreibt die Tiere effektiv.
- Ätherische Öle: Duftlampen oder Sprays mit Lavendel-, Pfefferminz- oder Zitronenmelisse-Öl wirken auf die Insekten stark abschreckend, ohne ihnen zu schaden.
Wie lange leben Hornissen?
Ein Hornissenstaat ist ein reines Sommerprojekt und von Mai bis Anfang November aktiv.
- Im August und September erreicht das Volk seine maximale Größe.
- Ab Oktober stirbt das Volk mitsamt der alten Königin aufgrund sinkender Temperaturen und Nahrungsmangel komplett ab.
- Nur die neu begatteten Jungköniginnen überwintern außerhalb des alten Nests in frostsicheren Verstecken wie morschem Holz oder Erdlöchern, um im nächsten Frühjahr (Mitte Mai) einen neuen Staat zu gründen.
Wie entfernt man ein leeres Hornissennest im Winter?
Da Hornissen im Spätherbst sterben und ein altes Nest niemals im nächsten Jahr wiederbesiedeln, kannst du das verwaiste Nest im Winter oder im zeitigen Frühjahr völlig legal und ohne Genehmigung selbst entfernen.
- Sicherheit geht vor: Vergewissere dich an kalten Tagen im Winter aus sicherer Entfernung, dass wirklich keine Aktivität mehr im Nest herrscht.
- Schutzkleidung nutzen: Trage Handschuhe, eine Schutzbrille und lange Kleidung, da alte Nester oft mit Milben, Parasiten oder Kotrückständen belastet sein können.
- Nest ablösen: Nutze einen Besenstiel, eine Spachtel oder eine lange Stange, um das papierartige Nest vorsichtig von der Wand oder dem Gebälk abzustoßen.
- Entsorgung: Verpacke das Nest in einer Plastiktüte und entsorge es einfach über den regulären Hausmüll. Reinige die Stelle danach gründlich mit Essigreiniger, um den Duftstoff der Tiere zu neutralisieren, damit im nächsten Jahr keine neue Königin angelockt wird.
FAQ: Häufige Fragen zum Hornissennest
Wie sieht ein Hornissennest aus?
Ein Hornissennest besteht aus waagerecht angelegten Wabentellern, die von einer papierartigen, hellbraunen Hülle umgeben werden. Auf der Unterseite befindet sich eine Öffnung.
Wo bauen Hornissen ihr Nest?
Hornissen bauen ihre Nester meist in Hohlräume wie Vogelnist- und Rollladenkästen. Oft lassen sie sich aber auch gut sichtbar an Bäumen, in Scheunen, auf Dachböden oder anderen geschützten Außenbereichen nieder.
Hornissennest entdeckt – was tun?
Wer einen Hornissenbau entdeckt, darf es nicht ohne die Erlaubnis der Naturschutzbehörde entfernen und die Tiere auch nicht töten. Da Hornissen unter strengem Artenschutz stehen, ist eine Strafe von bis zu 50.000 Euro möglich. Besser ist es, den Bau mit einem Absperrband oder mit Bettlaken in fünf Metern Abstand abzugrenzen und die Tiere in Ruhe zu lassen. In Extremsituationen kannst du einen Experten zu Rate ziehen.
Wie gefährlich sind Hornissen?
Hornissenstiche sind nicht giftiger und auch nicht schmerzhafter als Bienen- oder Wespenstiche. Anders als Bienen können Hornissen und Wespen allerdings mehrmals zustechen. Doch nur 2 bis 3 Prozent der Bevölkerung reagiert auf das Hornissengift allergisch. Grundsätzlich sind Hornissen friedfertige Tiere, die den Menschen nicht stören.
Sind Hornissennester meldepflichtig?
Nein, es gibt keine allgemeine Meldepflicht, solange das Nest niemanden stört. Erst wenn du das Nest entfernen oder umsiedeln lassen möchtest, musst du dies zwingend bei der Naturschutzbehörde beantragen und genehmigen lassen. Anders ist die Lage bei der Asiatischen Hornisse, diese Art ist meldepflichtig.
Wer darf ein Hornissennest entfernen?
Nach erteilter Ausnahmegenehmigung durch die Behörde dürfen nur zertifizierte Fachleute wie spezielle Kammerjäger, Hornissenberater oder entsprechend geschulte Imker und Naturschützer das Nest entfernen oder umsiedeln.
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