Ratgeber

Big Money treibt jetzt die Mieten in die Höhe

Autorenbild Kilian Treß
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US-Investoren entdecken plötzlich deutsche Reihenhäuser und Mietobjekte als Milliardenmarkt. Während Familien wegen hoher Preise und Zinsen kaum noch Eigentum kaufen können, wittern internationale Fonds neue Renditechancen. In den USA sorgte genau diese Entwicklung bereits für massive Kritik – sogar Donald Trumps Zorn.

US-Investoren entdecken deutsche Reihenhäuser

Was in den USA längst Realität ist, kommt offenbar auch nach Deutschland: Große Finanzinvestoren entdecken den Markt für Einfamilienhäuser und Mietwohnungen. Wie das Handelsblatt berichtet, prüfen US-Investoren derzeit gezielt den Bau und die Vermietung von Reihenhäusern im Umland deutscher Großstädte. Besonders brisant: Die Häuser sollen nicht verkauft, sondern dauerhaft vermietet werden.

Hinter dem Vorstoß steckt unter anderem PGIM Real Estate, die Immobilien-Tochter des US-Versicherers Prudential Financial. Das Unternehmen verwaltet in Europa Milliardenvermögen und sondiert aktuell konkrete Regionen und Partner in Deutschland.

Fokus seien vor allem die Speckgürtel rund um die großen Metropolen. Dort lasse sich seriell und vergleichsweise günstig bauen, während die Nachfrage nach familienfreundlichem Wohnraum gleichzeitig stark steige.

Trump will Hauskäufe durch Konzerne verbieten

Die Strategie erinnert stark an Entwicklungen in den USA. Dort hatten Finanzinvestoren nach der Finanzkrise massenhaft Einfamilienhäuser gekauft und in Mietobjekte verwandelt. In einigen Regionen besitzen institutionelle Anleger inzwischen einen erheblichen Teil des Marktes. Genau davor warnen inzwischen auch Experten in Deutschland.

Denn wenn große Kapitalgesellschaften verstärkt ganze Wohnquartiere oder Neubauprojekte übernehmen, konkurrieren sie direkt mit normalen Familien auf dem Immobilienmarkt und können so auch Einfluss auf die Mieten haben.

Die Entwicklung ist inzwischen sogar politisch brisant. US-Präsident Donald Trump kündigte bereits an, institutionellen Investoren in den USA künftig den Kauf von Eigenheimen verbieten zu wollen. Seine Begründung: „Häuser sind für Menschen gebaut, nicht für Unternehmen.“ Hintergrund ist die massive Kritik in den Vereinigten Staaten, wonach große Investmentfirmen durch milliardenschwere Hauskäufe die Preise und Mieten in vielen Regionen zusätzlich angeheizt hätten.

PGIM investiert bereits in München und Hamburg

Besonders pikant: PGIM ist in Deutschland längst kein unbekannter Name mehr und bestens vernetzt. Der Investor kaufte bereits Grundstücke für Rechenzentren im Münchner Umland. Wie das Branchenportal Data Center Dynamics berichtet, sicherte sich PGIM ein Grundstück in Unterschleißheim mit 30 Megawatt verfügbarer Leistung für die Entwicklung eines Data Centers. Die Region rund um München gilt inzwischen als Hotspot für internationale Infrastruktur-Investoren.

Auch in Hamburg ist PGIM bereits aktiv. Dort kaufte die Investmentgesellschaft laut Hospitality Investor das Adina Apartment Hotel Hamburg Speicherstadt für rund 67,5 Millionen Euro. Der Investor baut damit sein europäisches Immobilienportfolio weiter aus. Inzwischen gehören Hotels, Apartments und andere Großimmobilien in mehreren Ländern dazu.

Entwicklung gefährlich?

Kritiker sehen darin eine gefährliche Entwicklung. Denn internationale Fonds investieren nicht aus sozialem Interesse in Wohnraum, sondern wegen stabiler Renditen. Gerade Reihenhäuser im Umland gelten inzwischen als besonders attraktiv: Familien suchen mehr Platz, Eigentum bleibt wegen hoher Preise und Zinsen oft unerreichbar, gleichzeitig steigen die Mieten weiter. Genau diese Kombination macht den Markt für große Anleger interessant.

Schwacher US-Dollar sorgt für Rendite-Chancen

Für US-Investoren sind Deals auf europäischem Boden derzeit auch wegen der Währungslage interessant. Durch den zuletzt schwächeren Dollar könnten Mieteinnahmen in Euro künftig zusätzlich an Wert gewinnen und damit einen positiven Wechselkurseffekt für amerikanische Anleger erzeugen.

Noch sind die Auswirkungen in Deutschland überschaubar. Experten gehen aktuell nicht davon aus, dass einzelne Portfolioankäufe bundesweit sofort massive Preissteigerungen auslösen. Lokal könne sich das aber schnell ändern – vor allem dort, wo Investoren gezielt ganze Neubauprojekte übernehmen.

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