Die Wohnkosten für Studierende steigen weiter – und gefährden zunehmend die Attraktivität deutscher Hochschulstandorte. Vor allem für internationale Talente wird die Wohnungssuche zur Belastung. Ein Überblick über einen unterschätzten Standortfaktor.
In vielen deutschen Hochschulstädten wie München, Berlin oder Freiburg wird studentisches Wohnen zum Luxus – und damit zum Risiko für den Bildungsstandort. Foto: iStock.com / Halfpoint
Kleine Wohnungen, große Preise – was Studierende erwartet
Wer in einer deutschen Hochschulstadt studiert, zahlt für ein WG-Zimmer inzwischen im Schnitt 1,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders deutlich fällt der Preisanstieg bei kleinen Wohnungen unter 40 Quadratmetern aus: +4,3 Prozent. Die durchschnittliche Mietsteigerung über alle Wohnformen liegt bei 2,3 Prozent – trotz einer spürbaren Abkühlung der Preisdynamik. Doch für Entspannung sorgt das nicht, wie aus dem MLP Studentenwohnreport 2025 hervorgeht.
Die teuerste Stadt bleibt München mit rund 840 Euro Warmmiete für eine 30 Quadratmeter große Musterwohnung. Es folgen Frankfurt (734 Euro) und Berlin, das nach Jahren extremen Wachstums erstmals einen leichten Rückgang verzeichnet – aber mit Blick auf drei Jahre dennoch auf +5,3 Prozent pro Jahr kommt. Am günstigsten wohnen Studierende weiterhin in Chemnitz, wo für dieselbe Wohnung rund 296 Euro fällig werden.
Jeder zweite Euro fürs Wohnen – Studierende unter Druck
Laut Statistischem Bundesamt geben Studierende mit eigenem Haushalt im Schnitt 53 Prozent ihres Einkommens für Miete aus – mehr als doppelt so viel wie die Gesamtbevölkerung (25 Prozent). Ab einer Belastung von 40 Prozent gilt ein Haushalt laut Eurostat als finanziell überfordert. Das trifft auf 62 Prozent der studentischen Haushalte zu.
Besonders prekär wird die Lage durch die Lücke zwischen realen Mieten und staatlicher Unterstützung. Die aktuelle BAföG-Wohnkostenpauschale von 380 Euro reicht nur in Bochum, Magdeburg und Chemnitz aus, um die Warmmiete einer 30-Quadratmeter-Wohnung zu decken. In München bekommt man für denselben Betrag nicht einmal 15 Quadratmeter – kalt.
Internationale Studierende benachteiligt – mit Folgen für den Standort
Internationale Studierende tragen erheblich zur Finanzierung des deutschen Bildungssystems bei. Bei mittleren Verbleibquoten ergibt sich pro Jahrgang ein fiskalischer Nettoeffekt von 15,5 Milliarden Euro. Trotzdem bleibt der Zugang zum Wohnungsmarkt für diese Zielgruppe besonders schwierig.
Viele kommen erst kurz vor Semesterbeginn nach Deutschland, haben keine lokalen Netzwerke, keinen Schufa-Nachweis und kaum Chancen auf ein Wohnheim. Die Folge: lange Suchzeiten, hohe Zwischenmieten und Unsicherheit – ein echter Nachteil im internationalen Wettbewerb um Talente.
Der Ausländeranteil an deutschen Hochschulen liegt inzwischen bei rund 17 Prozent. Ohne bessere Wohnbedingungen droht hier ein Rückgang – mit spürbaren Folgen für Fachkräftemarkt und Wirtschaft.
Mehr Angebot, aber keine Entlastung in Sicht
Zwar ist das Mietangebot an vielen Standorten im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, doch das bedeutet nicht automatisch bessere Chancen für Studierende. Viele Wohnungen bleiben unerschwinglich oder nicht erreichbar – besonders für Neuankömmlinge ohne Beziehungen oder finanzielle Rücklagen.
Hinzu kommt: Die Bautätigkeit nimmt spürbar ab. Gestiegene Baukosten, hohe Zinsen und lange Genehmigungszeiten verhindern neue Projekte. Was heute sichtbar wird, ist das Ergebnis sinkender Baugenehmigungen seit 2022. In wenigen Jahren dürfte sich der Mangel noch verschärfen.
Städte unter Zugzwang – Wohnen als Wettbewerbsfaktor
Wohnen ist längst mehr als ein soziales Thema – es wird zum strategischen Standortfaktor. Hochschulstädte, die keine Lösungen bieten, laufen Gefahr, im internationalen Wettbewerb an Boden zu verlieren. Denn Studienqualität allein reicht nicht mehr aus, wenn das Leben drumherum unbezahlbar wird.
Dr. Uwe Schroeder-Wildberg, Vorstandsvorsitzender der MLP SE, bringt es auf den Punkt: „Wenn sich die Wohnungssituation für Studierende nicht endlich grundlegend verbessert, ist das eine weitere ernstzunehmende Gefahr für Deutschlands bereits angeschlagene Wirtschaft.“ Ein attraktiver Wohnungsmarkt ist damit nicht nur Wunsch, sondern wirtschaftliche Notwendigkeit.
Geschrieben am 24.10.2025
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