Die Commerzbank steht vor einer möglichen Übernahme durch die italienische Großbank Unicredit. Schon im Mai könnte ein offizielles Angebot auf der Hauptversammlung beschlossen werden. Doch was bedeutet ein solcher Deal für Immobilienkäufer und ihre Baufinanzierung?
Der Commerzbank-Tower in Frankfurt am Main. Foto: stock.adobe.com / travelview
Die italienische Großbank Unicredit treibt ihre Übernahmepläne für die Commerzbank weiter voran. Wie aktuelle Agenturmeldungen zeigen, hat das Institut nun ein offizielles Übernahmeangebot angekündigt. Ziel ist es zunächst, die wichtige Schwelle von 30 Prozent der Anteile zu überschreiten und damit seinen Einfluss bei der zweitgrößten deutschen Privatbank weiter auszubauen.
Unicredit ist bereits größter Anteilseigner der Commerzbank. Durch das neue Angebot will die Bank weitere Aktien erwerben und ihre Beteiligung erhöhen. Eine vollständige Kontrolle über die Commerzbank ist nach Angaben des Instituts zunächst jedoch nicht geplant. Stattdessen soll ein größerer Anteil den Weg für Gespräche mit Management, Politik und weiteren Stakeholdern öffnen.
Das Angebot richtet sich an alle Aktionäre der Commerzbank. Nach aktuellen Planungen sollen sie für jede Commerzbank-Aktie rund 0,485 neue Unicredit-Aktien erhalten. Das entspricht einem Preis von etwa 30,80 Euro pro Anteil und liegt leicht über dem letzten Börsenkurs vor der Ankündigung.
Offiziell soll das Übernahmeangebot Anfang Mai veröffentlicht werden. Danach hätten die Aktionäre rund vier Wochen Zeit, ihre Anteile anzudienen. Parallel könnte eine außerordentliche Hauptversammlung stattfinden, auf der über die nächsten Schritte entschieden wird.
Die Bundesregierung steht dem Vorhaben weiterhin kritisch gegenüber. Der Bund hält noch rund zwölf Prozent der Commerzbank-Anteile und spricht sich für eine eigenständige Zukunft des Frankfurter Geldhauses aus. Auch Gewerkschaften und Teile des Managements warnen vor möglichen Stellenstreichungen und einer stärkeren Integration in den italienischen Bankkonzern.
Die Aktionärsstruktur Q1 2025 der Commerzbank. Grafik: immowelt / Foto: Commerzbank
Was passiert mit Baufinanzierungen?
Die Commerzbank gehört zu den wichtigen Anbietern von Immobilienkrediten in Deutschland. Das Volumen der Hypotheken und Immobilienfinanzierungen liegt aktuell bei rund 96 Milliarden Euro. Damit spielt das Frankfurter Geldhaus eine zentrale Rolle im deutschen Baufinanzierungsmarkt. Viele Kunden fragen sich deshalb, ob eine mögliche Übernahme durch die italienische Großbank Unicredit Auswirkungen auf ihre Kredite haben könnte. Hier geben Sprecher der Commerzbank und der Finanzaufsicht Entwarnung.
Vertragliche Sicherheit bleibt bestehen
„Grundsätzlich haben Übernahmen auf vertragliche Verpflichtungen keine Auswirkungen“, erklärt ein Sprecher der Commerzbank. Bestehende Baufinanzierungen sind rechtlich bindend abgeschlossen. Die vereinbarten Zinsen, Laufzeiten und Tilgungsraten bleiben bestehen und können nicht nachträglich geändert werden. Auch die Finanzaufsicht stellt klar, dass solche Verträge geschützt sind.
Auch bei einer Fusion bleiben Kredite bestehen
Selbst wenn es später zu einer engeren Integration der Commerzbank in die Unicredit-Gruppe kommen sollte, bleiben bestehende Kreditverträge gültig. Möglich wäre lediglich, dass sich der formale Vertragspartner innerhalb des Konzerns ändert. Für Kreditnehmer hätte das jedoch keine Auswirkungen auf die vereinbarten Bedingungen ihrer Baufinanzierung.
Änderungen der Geschäftspolitik möglich
Unabhängig von einer möglichen Übernahme kann sich die Geschäftspolitik einer Bank grundsätzlich jederzeit verändern. Das bedeutet: Für neue Baufinanzierungen oder Anschlussfinanzierungen könnten künftig andere Konditionen gelten. Auch neue Produkte oder Strategien im Immobiliengeschäft sind denkbar.
Fazit für Kunden
Für bestehende Baufinanzierungen ändert sich durch eine mögliche Übernahme zunächst nichts. Verträge bleiben gültig und die vereinbarten Konditionen bestehen weiter. Langfristig könnte sich jedoch die strategische Ausrichtung der Bank im Baufinanzierungsgeschäft verändern. Wer eine Anschlussfinanzierung plant, sollte die Entwicklung daher im Blick behalten.
Geschrieben am 16.03.2026
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