Ratgeber

Sommer, Sonne, Stromschlag: So schützt du dein Zuhause bei Gewitter

Autorenbild Kilian Treß
immowelt App herunterladen

Wenn das Gewitter kommt, ist es oft zu spät. Warum du Elektrogeräte vom Netz nehmen, Balkonmöbel sichern und deine Versicherung kennen solltest – bevor es kracht.

Viele unterschätzen Sommergewittern – bis es kracht. Wenn plötzlich dunkle Wolken aufziehen, der Wind auffrischt und die Blätter auf dem Balkon wild tanzen, bleibt oft keine Zeit mehr für Vorbereitung. Dabei ist genau das der Fehler: Wer zu spät reagiert, riskiert nicht nur Schäden an Elektrogeräten oder Gartenmöbeln, sondern schlimmstenfalls auch Versicherungsprobleme. Mit ein paar einfachen Maßnahmen lässt sich das vermeiden.

Elektrogeräte: Stecker ziehen statt hoffen

Blitzeinschläge sind selten – aber wenn sie passieren, können sie verheerend sein. Ein einzelner Einschlag reicht aus, um gleich mehrere Geräte im Haushalt zu zerstören. Besonders betroffen sind elektrische und elektronische Geräte, die während eines Gewitters ans Stromnetz angeschlossen sind: Router, Fernseher, PC, Waschmaschine, Kühlschrank oder das smarte Türschloss. Sogar Geräte im Stand-by-Modus sind nicht sicher.

Der Grund: Auch wenn der Blitz nicht direkt in das Haus einschlägt, kann er über Strom-, Telefon- oder Antennenleitungen eine sogenannte Überspannung erzeugen. Diese Spannungsspitze kann sich durch die gesamte Hausinstallation ziehen – und dabei Bauteile in empfindlichen Geräten wie Modems, Steuerungen oder Netzteilen regelrecht durchbrennen lassen.

Viele verlassen sich auf Mehrfachsteckdosen mit integriertem Überspannungsschutz. Doch die haben Grenzen: Bei einem starken Einschlag oder bei nicht fachgerechter Installation bieten sie oft nur einen begrenzten Schutz – und sind eher als Ergänzung denn als alleinige Maßnahme zu verstehen.

Der sicherste Schutz ist immer noch: komplett vom Netz trennen. Und zwar nicht nur das Stromkabel ziehen, sondern auch Netzwerk-, Antennen- und Telefonleitungen abklemmen. Denn viele Schäden entstehen nicht über die Steckdose, sondern über DSL- oder TV-Kabel.

Wichtig ist auch, rechtzeitig zu handeln: Sobald ein Gewitter im Anmarsch ist – und spätestens, wenn Donnergrollen zu hören ist – sollten sensible Geräte ausgeschaltet und vom Netz getrennt werden. Wer regelmäßig außer Haus ist oder im Urlaub keine Kontrolle hat, kann über eine zentrale Schutzlösung nachdenken. Diese wird direkt im Sicherungskasten eingebaut und schützt das gesamte Haus vor Überspannung – ist allerdings nur durch einen Fachbetrieb umsetzbar und kostet mehrere hundert Euro.

Ein zusätzlicher Tipp: Notstromversorgung für wichtige Geräte wie Kühltruhe oder Alarmanlage kann helfen, im Ernstfall über Stunden betriebsbereit zu bleiben – aber auch diese Systeme müssen blitzsicher installiert sein.

Balkonpflanzen und Möbel sichern

Leichte Blumentöpfe, besonders aus Kunststoff oder dünnem Terrakotta, sind bei starkem Wind schnell gefährdet. Sie kippen um, rollen über den Boden oder stürzen sogar vom Balkon. Das kann nicht nur Pflanzen zerstören, sondern zur Gefahr für Passanten werden – Stichwort Verkehrssicherungspflicht. Die sicherste Lösung: Pflanzen bei Sturmwarnung auf den Boden stellen, möglichst in windgeschützte Ecken. Wer Platz hat, kann empfindliche Topfpflanzen kurzzeitig in die Wohnung holen.

Rankhilfen, Spaliere und Tomatenstützen sollten bei starkem Wind entfernt oder fest verankert werden. Offene Konstruktionen wirken wie Segel und kippen leicht um. Auch Ampelpflanzen, die an Geländern oder Haken hängen, sollten abgenommen oder extra gesichert werden.

Ein häufiger Fehler: geöffnete Sonnenschirme. Selbst bei wenig Wind reichen die großen Flächen aus, um Schirme mit hoher Geschwindigkeit vom Balkon zu reißen. Deshalb gilt: Immer schließen, fixieren – und bei drohendem Unwetter besser komplett abbauen. Auch Markisen sollten eingefahren werden, sobald sich ein Sturm ankündigt. Ein blockierter Mechanismus oder ein starker Windstoß reicht, um das Gestell zu verbiegen oder die Halterung aus der Wand zu reißen.

Leichte Balkonmöbel – etwa aus Aluminium, Kunststoff oder klappbare Holzstühle – gehören bei Unwetterwarnung möglichst ins Haus. Was draußen bleiben muss, sollte mit Spanngurten oder schweren Gewichten gesichert werden. Sitzkissen, Polster und Auflagen fliegen besonders schnell weg und sollten rechtzeitig abgeräumt werden – schon ein kurzer Sommerregen macht sie unbrauchbar, ein Windstoß kann sie auf die Straße tragen.

Auch im Garten gilt Vorsicht: Hängematten, Hollywoodschaukeln oder freistehende Pavillons mit Stoffdach gehören zu den ersten Objekten, die bei einem Sturm beschädigt oder weggeweht werden. Besonders gefährlich sind Sonnensegel, die nicht professionell gespannt wurden. Sie können sich lösen und wie ein Drachen über Zäune, Autos oder Nachbargärten hinwegfegen. Deshalb: Entweder sicher verankern – oder abbauen, bevor es ernst wird.

Versicherung: Was ist abgedeckt – und was nicht?

Viele verlassen sich darauf, dass ihre Versicherung bei Unwetterschäden automatisch einspringt. Doch der Schutz endet oft dort, wo es konkret wird. Weder die Hausrat- noch die Wohngebäudeversicherung deckt pauschal alle Schäden ab – und schon gar nicht unter jeder Bedingung.

Blitzschäden an Elektrogeräten sind zwar grundsätzlich über die Hausratversicherung versichert. Voraussetzung ist jedoch, dass der Blitz direkt ins Gebäude oder zumindest in die Stromleitung eingeschlagen hat. Bei sogenannten Überspannungsschäden – also wenn der Blitz in der Nähe einschlägt und durch Spannungsspitzen das Stromnetz stört – greifen viele Standardpolicen nicht. Hierfür ist meist ein spezieller Zusatzbaustein zur Hausratversicherung notwendig, der Überspannungsschäden ausdrücklich mitversichert. Ohne diesen Zusatz kann der Ersatz teuer oder sogar komplett abgelehnt werden.

Noch kritischer wird es bei Schäden außerhalb der Wohnung: Gartenmöbel, Blumentöpfe, Pflanztröge und Dekoartikel auf Balkon oder Terrasse zählen häufig nicht automatisch zum versicherten Hausrat. Viele Versicherungen betrachten sie als „im Außenbereich befindlich“ – und schränken die Haftung entsprechend ein. Ob diese Gegenstände mitversichert sind, hängt vom genauen Wortlaut der Police ab. Manchmal gibt es nur eine bestimmte Entschädigungsgrenze oder eine Selbstbeteiligung. Wer regelmäßig teure Balkonmöbel oder hochwertige Pflanzen hält, sollte daher prüfen, ob eine separate Außenversicherung oder ein erweiterter Hausratvertrag sinnvoll ist.

Wichtig ist auch das Verhalten nach dem Schaden. Versicherer erwarten, dass Schäden unverzüglich gemeldet und umfassend dokumentiert werden. Fotos, Rechnungen, Seriennummern und – wenn möglich – auch Belege über die Wetterlage (z. B. Unwetterwarnungen oder regionale Blitzkarten) können im Streitfall entscheidend sein. Wer dagegen sofort selbst Hand anlegt und etwa ein beschädigtes Gerät entsorgt oder repariert, ohne Rücksprache mit dem Versicherer, riskiert, dass der Schaden nicht anerkannt wird.

Ein oft übersehener Punkt: Die Pflicht zur Schadenverhütung. Versicherungen können die Leistung kürzen oder verweigern, wenn nachgewiesen wird, dass der Versicherungsnehmer grob fahrlässig gehandelt hat – etwa indem Fenster offenstanden, Möbel ungesichert blieben oder der Sonnenschirm bei Windstärke 8 noch aufgespannt war. Wer also Warnungen ignoriert oder Gegenstände nicht sichert, könnte am Ende trotz Versicherung auf dem Schaden sitzen bleiben.

Kein Grund zur Panik, aber:

Ein Gewitter dauert selten länger als eine Stunde – die Schäden können aber monatelang ärgern. Wer rechtzeitig reagiert, Stecker zieht und Balkonmöbel sichert, spart sich Stress, Geld und Ärger mit der Versicherung. Sommerliche Gewitter sind kein Grund zur Panik – aber sehr wohl zum Handeln.

Du suchst ein neues Zuhause?

Immobilie finden

(0)
0 von 5 Sternen
5 Sterne
 
0
4 Sterne
 
0
3 Sterne
 
0
2 Sterne
 
0
1 Stern
 
0
Deine Bewertung:

Seite weiterleiten

Artikel drucken

War dieser Artikel hilfreich?

immowelt Redaktionskodex

Die immowelt Redaktion verfügt über ein breites Immobilienwissen und bietet den Lesern sorgfältig recherchierte Informationen in hilfreichen Ratgebertexten. Der Anspruch der immowelt Experten ist es, komplexe Sachverhalte möglichst einfach wiederzugeben. Sämtliche Inhalte werden regelmäßig überprüft und verlässlich aktualisiert. Die immowelt Redaktion kann und darf keine rechtsgültige Beratung leisten. Für rechtsverbindliche Auskünfte empfehlen wir stets den Rat eines Fachanwalts, Eigentümer- oder Mieterverbands einzuholen.

Hier geht es zu unserem Impressum, den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, den Hinweisen zum Datenschutz und nutzungsbasierter Online-Werbung.