Alte Öl- und Gasheizungen laufen nicht selten 25 oder sogar 30 Jahre. Bei Wärmepumpen werden dagegen häufig kürzere Zeiträume genannt. Doch hält eine Wärmepumpe tatsächlich weniger lang als eine fossile Heizung?
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe kann bei fachgerechter Installation und passender Dimensionierung rund 15 bis 20 Jahre halten. Andere Wärmepumpentypen erreichen teilweise eine noch längere Lebensdauer. Foto: Robert Poorten / stock.adobe.com
Die Diskussion um das bereits wieder abgeschwächte Heizungsgesetz hat viele Hausbesitzer erstmals intensiv über die Lebensdauer ihrer Heizung nachdenken lassen. Demnach hätten alte Öl- und Gasheizungen nach 30 Jahren verpflichtend gegen eine klimafreundliche Alternative wie die Wärmepumpe ausgetauscht werden müssen. Dabei drängt sich eine Frage auf: Wenn ein alter Gas- oder Ölkessel mehrere Jahrzehnte durchhalten kann, wie sieht es dann bei einer Wärmepumpe aus?
Tatsächlich können alte Heizkessel erstaunlich langlebig sein. Die Bundesregierung gab 2023 auf eine parlamentarische Anfrage an, dass das mittlere Alter ausgetauschter zentraler Wärmeerzeuger zu diesem Zeitpunkt bei etwa 25 Jahren lag. Aus langfristigen Austauschzahlen ließ sich sogar eine rechnerische mittlere Lebensdauer von 28,5 Jahren ableiten.
Bei Wärmepumpen liegen die für Berechnungen angesetzten Werte niedriger. Die VDI-Richtlinie 2067, die unter anderem für Wirtschaftlichkeitsberechnungen von Heizungsanlagen herangezogen wird, setzt für elektrische Wärmepumpen eine rechnerische Nutzungsdauer von ungefähr 20 Jahren an.
Wichtig ist allerdings: Eine solche Nutzungsdauer bedeutet nicht, dass eine Wärmepumpe nach 20 Jahren automatisch kaputtgeht. Sie ist zunächst ein Kalkulationswert. In der Praxis können Anlagen deutlich länger laufen.
Moderne Gasheizungen halten ebenfalls keine 30 Jahre
Der scheinbar große Unterschied zwischen Wärmepumpe und fossiler Heizung wird kleiner, wenn nicht jahrzehntealte Heizkessel, sondern moderne Anlagen miteinander verglichen werden.
Eine wissenschaftliche Arbeit der Technischen Universität München stellt unterschiedliche Angaben zur Lebens- und Nutzungsdauer von Heizsystemen gegenüber. Danach liegt die rechnerische Nutzungsdauer nach VDI 2067 für wandhängende Gas-Brennwertgeräte bei 18 Jahren, für Luft-Wasser-Wärmepumpen ebenfalls bei 18 Jahren und für Sole-Wasser- sowie Wasser-Wasser-Wärmepumpen bei 20 Jahren. Andere Quellen kommen je nach Technik und Berechnungsmethode auf etwas andere Werte.
Damit zeigt sich: Der große Unterschied besteht weniger zwischen „Gas“ und „Wärmepumpe“ als zwischen alten, vergleichsweise einfach konstruierten Heizkesseln und moderner Heiztechnik.
| Heizsystem | Typische Lebens-/Nutungsdauer | Besonderheiten | |
|---|---|---|---|
| Alter Konstanttemperaturkessel (Gas/Öl) | häufig 25–30 Jahre, teils länger | Robust und einfach gebaut, aber ineffizient (ca. 20-30 % höherer Brennstoffverbrauch) | |
| Moderner Gas-Brennwertkessel | etwa 18–20 Jahre | Mehr Elektronik, saures Kondensat belastet Wärmetauscher und Abgassystem | |
| Moderner Öl-Brennwertkessel | etwa 18–20 Jahre | Ähnlich wie Gas, zusätzlich Tank und Brenner als Wartungsposten | |
| Luft-Wasser-Wärmepumpe | etwa 15–20 Jahre | Außeneinheit ist Wetter und Lüfterverschleiß ausgesetzt | |
| Sole-Wasser-Wärmepumpe | etwa 20–25 Jahre | Gleichmäßigere Quellentemperatur, dadurch weniger Belastung | |
| Wasser-Wasser-Wärmepumpe | etwa 20–25 Jahre | Braucht Grundwasser, Wartung der Brunnenanlage wichtig | |
| Erdsonde einer Erdwärmeanlage | rund 50 Jahre | Hält deutlich länger als das Gerät selbst |
Bei diesen Angaben ist Vorsicht geboten: Teilweise handelt es sich um Erfahrungswerte zur technischen Lebensdauer, teilweise um rechnerische Nutzungsdauern für Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Die Werte sind deshalb nicht eins zu eins miteinander vergleichbar.
Wie lange eine Wärmepumpe hält, hängt vom Verdichter ab
Eines der entscheidenden Bauteile für die Lebensdauer einer Wärmepumpe ist der Verdichter. Er sorgt dafür, dass das Kältemittel auf das für die Heizung notwendige Temperaturniveau gebracht wird – und gehört gleichzeitig zu den teuersten Komponenten der Anlage.
Belastend ist insbesondere häufiges Ein- und Ausschalten, das sogenannte Takten. Eine richtig dimensionierte Wärmepumpe kann deshalb länger halten als eine Anlage, die für das Gebäude zu groß ausgelegt wurde und ständig startet und stoppt.
Moderne invertergeregelte Wärmepumpen können ihre Leistung dem aktuellen Wärmebedarf anpassen. Dadurch lässt sich häufiges Takten reduzieren. Auch eine fachgerechte Installation und eine möglichst niedrige Vorlauftemperatur können zu einem schonenden Betrieb beitragen.
Erdwärmepumpen können länger halten
Auch die Art der Wärmepumpe spielt eine Rolle. Luft-Wasser-Wärmepumpen nutzen die Außenluft als Wärmequelle und müssen daher mit stark wechselnden Temperaturen zurechtkommen. Zudem befinden sich Ventilator und Teile der Anlage im Freien.
Sole-Wasser-Wärmepumpen greifen dagegen auf konstante Temperaturen im Erdreich zurück. Ähnliches gilt für Wasser-Wasser-Wärmepumpen, die Grundwasser als Wärmequelle nutzen. Für diese Systeme werden deshalb häufig etwas längere Lebensdauern angesetzt.
Besonders langlebig ist die Wärmequelle einer Erdwärmepumpe. Eine Erdsonde kann rund 50 Jahre und teilweise noch länger genutzt werden. Wird nach zwei Jahrzehnten die eigentliche Wärmepumpe ersetzt, muss die aufwendige Bohrung daher normalerweise nicht ebenfalls erneuert werden.
Wärmepumpe oder Gasheizung: Was hält länger?
Wer einen alten Öl- oder Gasheizkessel mit einer modernen Wärmepumpe vergleicht, kann tatsächlich zu dem Ergebnis kommen, dass die alte Technik länger hält. Manche dieser Kessel erreichen 25 bis 30 Jahre und teilweise noch deutlich mehr.
Anders sieht es beim Vergleich moderner Heizsysteme aus. Ein heutiger Gas- oder Öl-Brennwertkessel und eine Wärmepumpe bewegen sich bei der angesetzten Lebensdauer in einer ähnlichen Größenordnung. Je nach Wärmepumpentyp kann die Anlage auch länger halten.
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