Eine Wärmepumpe braucht deutlich weniger Strom als eine Infrarotheizung. Trotzdem kann die einfache Elektroheizung in bestimmten Fällen günstiger sein. Entscheidend ist, wie viel Wärme tatsächlich benötigt wird – denn die Infrarotheizung punktet vor allem mit niedrigen Anschaffungs- und Installationskosten.
Wärmepumpe (links) oder Infrarotheizung (rechts): Welche Heizlösung günstiger ist, hängt vor allem vom Wärmebedarf und den Investitionskosten ab. Foto: KI-generiert (Gemini)
Die Wärmepumpe gilt als besonders effiziente Heizlösung. Doch sie hat einen Nachteil: Die Anschaffung kann teuer werden. Eine Infrarotheizung ist technisch viel einfacher, schnell montiert und benötigt weder Heizungsrohre noch Außengerät.
Wer nur wenig Heizenergie benötigt, könnte deshalb auf die Idee kommen, auf die Wärmepumpe zu verzichten. Doch wann geht diese Rechnung tatsächlich auf?
Infrarotheizung oder Wärmepumpe: Das ist der entscheidende Unterschied
Beide Heizungen benötigen Strom, nutzen ihn aber völlig unterschiedlich.
Eine Infrarotheizung ist eine Stromdirektheizung: Elektrische Energie wird unmittelbar in Wärme umgewandelt. Die Paneele geben Wärme unter anderem als Infrarotstrahlung ab und erwärmen damit Oberflächen und Personen im Raum.
Eine Wärmepumpe gewinnt dagegen zusätzlich Wärme aus der Außenluft, dem Erdreich oder dem Grundwasser.
Dadurch kann sie aus einer Kilowattstunde Strom ein Mehrfaches an Wärme bereitstellen. Eine Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3 liefert beispielsweise mit einer Kilowattstunde Strom drei Kilowattstunden Wärme. Bei einer JAZ von 4 sind es vier Kilowattstunden.
Die Rechnung zeigt den Unterschied
Wie groß der Unterschied beim Stromverbrauch ist, zeigt eine vereinfachte Rechnung.
Benötigt ein Haus 10.000 Kilowattstunden Heizwärme pro Jahr, braucht eine elektrische Direktheizung dafür in der Größenordnung ebenfalls 10.000 Kilowattstunden Strom.
Eine Wärmepumpe benötigt bei einer JAZ von 3 rechnerisch nur rund 3.333 Kilowattstunden Strom, bei einer JAZ von 4 rund 2.500 Kilowattstunden.
| Heizsystem | Strombedarf für 10.000 kWh Wärme* |
|---|---|
| Infrarotheizung | ca. 10.000 kWh |
| Wärmepumpe, JAZ 3 | ca. 3.333 kWh |
| Wärmepumpe, JAZ 4 | ca. 2.500 kWh |
*Vereinfachte Modellrechnung. Der tatsächliche Verbrauch hängt unter anderem vom Gebäude, Nutzerverhalten und der Effizienz der jeweiligen Anlage ab.
Der Vorteil der Wärmepumpe wächst also mit dem Wärmebedarf. Je mehr geheizt werden muss, desto stärker macht sich der niedrigere Stromverbrauch bemerkbar.
Wann kann sich die Infrarotheizung trotzdem rechnen?
Der große Vorteil einer Infrarotheizung liegt nicht im Stromverbrauch, sondern bei der Investition.
Sie benötigt keine wasserführenden Heizkörper, keine Heizungsrohre und keinen zentralen Wärmeerzeuger. Die einzelnen Paneele können an Wand oder Decke montiert werden. Entsprechend geringer kann der Installationsaufwand ausfallen.
Eine Wärmepumpe ist wesentlich aufwendiger. Eine Auswertung der Verbraucherzentrale von Angeboten für Luft-Wasser-Wärmepumpen in Einfamilienhäusern ergab Preise zwischen rund 29.000 und 62.000 Euro. Im Durchschnitt lagen die untersuchten Angebote bei etwa 43.000 Euro.
Allerdings handelt es sich dabei nicht um allgemeingültige Marktpreise. Die tatsächlichen Kosten hängen stark vom Gebäude und den notwendigen Arbeiten ab. Zudem kann die staatliche Heizungsförderung die Investitionskosten einer Wärmepumpe erheblich reduzieren.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Ist der Wärmebedarf so gering, dass sich die höhere Investition in eine Wärmepumpe über die eingesparten Stromkosten überhaupt amortisiert?
Für wen eine Infrarotheizung interessant sein kann
Interessant kann eine Infrarotheizung vor allem sein, wenn nur wenig und selten geheizt wird.
Das kann beispielsweise bei einzelnen Hobby- oder Gästezimmern, kleinen Ferienimmobilien oder anderen selten genutzten Räumen der Fall sein. Auch bei einem sehr gut gedämmten Gebäude mit außergewöhnlich niedrigem Heizwärmebedarf kann sich eine individuelle Vergleichsrechnung lohnen.
Der Grund: Wer insgesamt nur wenig Energie zum Heizen benötigt, spart mit einer effizienteren Heizung absolut betrachtet auch weniger Stromkosten. Dann wiegt die deutlich niedrigere Anfangsinvestition einer Direktheizung stärker.
Anders sieht es aus, wenn ein komplettes Wohnhaus über viele Jahre kontinuierlich beheizt werden soll. Mit steigendem Wärmebedarf wird der Effizienzvorteil der Wärmepumpe immer wichtiger.
Photovoltaik löst das Verbrauchsproblem nicht
Eine eigene Photovoltaikanlage kann die Stromkosten einer Infrarotheizung senken. Sie beseitigt den Effizienzunterschied zur Wärmepumpe aber nicht.
Hinzu kommt ein saisonales Problem: Gerade im Winter, wenn besonders viel Heizenergie benötigt wird, produziert eine PV-Anlage deutlich weniger Strom als im Sommer.
Auch eine Wärmepumpe kann deshalb in der Regel nicht den gesamten Winter über mit eigenem Solarstrom betrieben werden. Sie benötigt für dieselbe Wärmemenge allerdings wesentlich weniger elektrische Energie als eine Direktheizung.
Wärmepumpen sind nicht nur für Neubauten geeignet
Wer sich zwischen beiden Systemen entscheidet, sollte außerdem nicht davon ausgehen, dass eine Wärmepumpe nur mit Fußbodenheizung funktioniert.
Auch bestehende Gebäude mit Heizkörpern können für eine Wärmepumpe geeignet sein. Entscheidend sind unter anderem der Wärmebedarf, ausreichend dimensionierte Heizflächen und die benötigte Vorlauftemperatur.
Eine schlechte Dämmung schließt eine Wärmepumpe ebenfalls nicht automatisch aus. Je höher der Wärmebedarf und die erforderlichen Heiztemperaturen allerdings sind, desto wichtiger wird eine sorgfältige Planung.
Achtung: Für Infrarotheizungen gelten gesetzliche Vorgaben
Eine Infrarotheizung lässt sich nicht in jedem Gebäude ohne Weiteres als neue Hauptheizung einbauen.
Das Gebäudeenergiegesetz stellt besondere Anforderungen an Stromdirektheizungen. Im Neubau ist deren Einbau grundsätzlich nur zulässig, wenn der bauliche Wärmeschutz die gesetzlichen Mindestanforderungen um mindestens 45 Prozent unterschreitet.
Für bestehende Gebäude gelten ebenfalls zusätzliche Anforderungen und Ausnahmen. Wer eine Infrarotheizung als Hauptheizung plant, sollte deshalb vor dem Kauf prüfen, ob sie im konkreten Gebäude zulässig ist.
In Hamburg gelten noch strengere Regeln: Dort ist der Einbau fest installierter Stromdirektheizungen seit 2026 grundsätzlich stark eingeschränkt. Es bestehen allerdings Ausnahmen.
Fazit: Wann geht die Rechnung auf?
Eine Infrarotheizung ist nicht effizienter als eine Wärmepumpe. Ihr wirtschaftlicher Vorteil liegt woanders: Sie ist technisch einfacher und kann dadurch erheblich weniger Investitionsaufwand verursachen.
Deshalb kann die Rechnung bei sehr niedrigem Wärmebedarf, einzelnen beheizten Räumen oder selten genutzten Immobilien aufgehen.
Wer dagegen ein ganzes Wohnhaus dauerhaft beheizen möchte, sollte nicht vom niedrigen Kaufpreis ausgehen. Eine Wärmepumpe benötigt für dieselbe Wärmemenge wesentlich weniger Strom – und dieser Vorteil wird umso größer, je mehr geheizt wird.
Unterm Strich entscheidet deshalb nicht der Kaufpreis allein, sondern die Summe aus Anschaffung und Betrieb über viele Jahre.
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