Am 20. September wählen die Berliner ein neues Abgeordnetenhaus. Kaum ein Thema dürfte den Wahlkampf so stark prägen wie das Wohnen. Denn der aktuelle immowelt Mietkompass zeigt: Berlin gehört inzwischen zu den teuersten Mietmärkten Deutschlands – gleichzeitig verfügen viele Haushalte über vergleichsweise geringe Einkommen.
Explosive Mischung: In Berlin treffen teure Mieten auf vergleichsweise niedrige Einkommen. Foto: Tom Bayer/ stock.adobe.com
Am 20. September 2026 wählen die Berlinerinnen und Berliner ein neues Abgeordnetenhaus. Ob Neubau, Mieterschutz oder Eigentumsförderung – beim Thema Wohnen unterscheiden sich die Konzepte der Parteien deutlich. Der Handlungsdruck ist groß: Der aktuelle immowelt Mietkompass zeigt, dass sich die Lage für viele Mieter in der Hauptstadt weiter verschärft.
Berlin gehört inzwischen zu den teuersten Mietmärkten Deutschlands
Mit durchschnittlich 14,39 Euro pro Quadratmeter ist Berlin nach München, Frankfurt und Stuttgart inzwischen der viertteuerste Mietmarkt Deutschlands, wie der aktuelle immowelt Mietkompass zeigt. Zwar sind die Angebotsmieten in der Hauptstadt seit dem 2. Quartal 2023 mit 11,9 Prozent weniger stark gestiegen als in vielen anderen Großstädten. Doch dieser Wert täuscht.
Während Beschäftigte in Städten wie München oder Hamburg im Durchschnitt höhere Einkommen erzielen, liegt das Einkommensniveau in Berlin rund 8 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Die Folge: Die hohen Wohnkosten treffen viele Haushalte besonders hart.
Wie groß die Belastung inzwischen ist, zeigt eine weitere aktuelle Auswertung von immowelt zur Wohnkostenbelastung: Eine dreiköpfige Familie muss in Berlin 38,3 Prozent ihres verfügbaren Haushaltseinkommens für die Warmmiete einer 90-Quadratmeter-Wohnung aufbringen. Damit belegt die Hauptstadt bundesweit den vorletzten Platz unter den 107 kreisfreien Städten – nur in München fällt die Belastung mit 42,1 Prozent noch höher aus. Zum Vergleich: In Wolfsburg fließen lediglich 17,7 Prozent des Einkommens in die Warmmiete.
Wie viel Wohnung kann ich mir leisten?
Haushaltsnettoeinkommen eingeben, Stadt auswählen und berechnen, wie groß die Wohnung bei maximal 30 Prozent Warmmietanteil ungefähr sein sollte.
Monatliches Nettoeinkommen in Euro
Empfohlen: 30 Prozent des Nettoeinkommens
Bitte Haushaltsnettoeinkommen eingeben und eine Stadt auswählen.
Hinweis: Die maximal empfohlene Warmmiete bezieht sich auf den eingetragenen Mietanteil am Haushaltsnettoeinkommen. Bei 3.500 Euro netto und 30 Prozent sind das zum Beispiel 1.050 Euro. Das Ergebnis ist eine Orientierung, keine individuelle Mietberatung.
Daten: immowelt.de, Bundesagentur für Arbeit, Deutscher Mieterbund
Berlin-Wahl 2026: Das planen die Parteien bei Wohnen & Miete
Dass Wohnen das dominierende Wahlkampfthema ist, überrascht daher kaum. Ein Blick auf die Wahlprüfsteine des Berliner Mietervereins zeigt: Alle Parteien wollen mehr Wohnraum schaffen – der Weg dorthin unterscheidet sich jedoch deutlich:
| Partei | Zentrale Pläne |
|---|---|
| SPD | Ausbau des kommunalen Wohnungsbaus, jährlich 10.000 neue Wohnungen durch die landeseigenen Wohnungsunternehmen sowie schnellere Genehmigungen. |
| CDU | Schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, stärkere Einbindung privater Investoren und Genossenschaften sowie Förderung von Wohneigentum. |
| Bündnis 90/Die Grünen | Bezahlbare-Mieten-Gesetz, mehr genossenschaftlicher Wohnungsbau und Förderung der Umwandlung leerstehender Bürogebäude in Wohnungen. |
| Die Linke | Milliardenprogramm für den landeseigenen Wohnungsbau, stärkere Regulierung des Mietmarkts und Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen. |
| FDP | Weniger Regulierung, mehr Neubau durch private Investoren, Bürokratieabbau und zusätzliche Bauflächen. |
| AfD | Mehr Neubau durch vereinfachte Bauvorschriften und weniger staatliche Eingriffe in den Wohnungsmarkt. |
Ohne mehr Neubau dürfte sich die Lage kaum entspannen
Trotz der unterschiedlichen politischen Ansätze bleibt die größte Herausforderung dieselbe: Es werden weiterhin deutlich zu wenige Wohnungen gebaut.
Bundesweit wurden im Jahr 2025 lediglich 206.600 neue Wohnungen fertiggestellt – rund 18 Prozent weniger als im Vorjahr. Das politische Ziel von 400.000 neuen Wohnungen jährlich wurde damit erneut deutlich verfehlt. Hohe Baukosten, gestiegene Finanzierungskosten und langwierige Genehmigungsverfahren bremsen den Wohnungsbau seit Jahren.
„Nach den deutlichen Reallohnverlusten der Jahre 2022 und 2023 hat sich die Kaufkraft der Beschäftigten zwar leicht verbessert. In der Praxis merken viele davon aber wenig, weil die Wohnkosten im gleichen Zeitraum massiv gestiegen sind, sodass am Monatsende meist sogar weniger bleibt.“
immowelt CEO Theo Mseka
Für Berlin bedeutet das: Selbst wenn die Mieten zuletzt langsamer gestiegen sind als in vielen anderen Großstädten, bleibt der Wohnungsmarkt einer der angespanntesten Deutschlands. Hohe Mieten treffen auf vergleichsweise geringe Einkommen – und genau deshalb dürfte die Wohnungsfrage bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus für viele Berliner das entscheidende Thema sein.
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