Ein eigenes Haus gilt für viele als Inbegriff von Sicherheit. Doch was passiert, wenn die Immobilie zwar abbezahlt ist, die monatliche Rente aber kaum zum Leben reicht? Genau dieses Szenario betrifft immer mehr Menschen – und dürfte angesichts hoher Kaufpreise und Zinsen auch in den kommenden Jahren zur Regel werden.
Im Alter gibt es Möglichkeiten, seine Immobilie zu verrenten. Aber Obacht, manchmal kann das auch teuer werden. Foto: iStcock.com / Milan Markovic
Wie Hausbesitzer ihre Rente aufbessern können
Kaum gespart, das Vermögen steckt fast vollständig im Mauerwerk. So geht es heute vielen Hausbesitzern. Der Blick auf den jährlichen Rentenbescheid tröstet da wenig – zumal Experten außerhalb der Politik die langfristige Stabilität der gesetzlichen Rente immer wieder infrage stellen.
Für Eigentümer mit geringer Rente bleiben dann nur wenige Optionen: verkaufen, ausziehen oder Wege finden, die Immobilie zu Geld zu machen und trotzdem im eigenen Zuhause bleiben zu können. Genau hier kommt die Immobilienrente ins Spiel.
Reich im Grundbuch, arm im Alltag
Das Grundproblem ist bekannt: Die gesetzliche Rente fällt niedriger aus als erwartet, während Lebenshaltungskosten, Energiepreise und Pflegeausgaben steigen. Wer schuldenfrei wohnt, aber monatlich kaum Spielraum hat, steckt in einem klassischen Dilemma.
Die Verbraucherzentrale bringt es nüchtern auf den Punkt: Immobilienvermögen hilft im Alter nur dann, wenn es liquide gemacht werden kann. Modelle der Immobilienverrentung setzen genau hier an – allerdings mit sehr unterschiedlichen Folgen für Einkommen, Sicherheit und Eigentum.
Leibrente: Regelmäßiges Geld – aber der Preis ist hoch
Die klassische Form der Immobilienrente ist die Leibrente. Das Haus wird verkauft, im Gegenzug fließt eine monatliche Zahlung bis zum Lebensende. Zusätzlich bleibt der ehemalige Eigentümer über ein Wohnrecht oder Nießbrauch in der Immobilie.
Verbraucherschützer sehen darin einen Vorteil für Menschen mit knapper Rente und ohne größere Rücklagen. Die regelmäßigen Zahlungen schaffen Planungssicherheit und können Altersarmut abfedern.
Gleichzeitig warnen sie jedoch davor, sich Illusionen zu machen: Die ausgezahlten Beträge liegen meist deutlich unter dem Marktwert der Immobilie, da Käufer das Risiko einer langen Lebensdauer einkalkulieren.
Übersetzt heißt das: Wer lange lebt, profitiert – wer früh stirbt, hat sein Haus unter Wert abgegeben.
Einmal Geld, lebenslang wohnen – Verkauf mit Nießbrauch
Noch konsequenter ist der vollständige Verkauf der Immobilie gegen eine hohe Einmalzahlung, kombiniert mit Nießbrauch oder Wohnrecht. Monatliche Rentenzahlungen gibt es hier nicht.
Für viele ist dieses Modell attraktiv, wenn kurzfristig viel Kapital benötigt wird – etwa für Pflege, altersgerechte Umbauten oder um finanzielle Handlungsspielräume zurückzugewinnen. Der Nachteil liegt jedoch auf der Hand: Wer das Geld falsch einteilt oder unerwartete Kosten stemmen muss, steht später erneut ohne finanziellen Puffer da. Die Verantwortung liegt vollständig beim Verkäufer.
Teilverkauf: Hoffnungsträger oder Kostenfalle?
Der Teilverkauf wird oft als sanfter Mittelweg beworben. Ein Teil der Immobilie wird verkauft, der Rest bleibt im Eigentum. Doch genau hier sind Experten besonders kritisch.
Verbraucherzentralen und Finanzexperten warnen seit Jahren vor laufenden Nutzungsentgelten, komplexen Vertragsklauseln und hohen Abzügen beim späteren Gesamtverkauf. Die monatliche Belastung kann die erhoffte Entlastung sogar ins Gegenteil verkehren.
Für Menschen mit ohnehin knapper Rente kann der Teilverkauf damit schnell vom vermeintlichen Rettungsanker zur dauerhaften Zusatzbelastung werden.
Ist die Immobilienrente die letzte Chance?
Für viele Haushalte lautet die ehrliche Antwort: ja. Wenn kaum Rücklagen vorhanden sind, keine Erben berücksichtigt werden müssen und die Rente nicht zum Leben reicht, kann die Immobilienrente finanzielle Würde im Alter sichern.
Gleichzeitig ist sie kein Freifahrtschein. Immobilienverrentung bedeutet fast immer: weniger Vermögen, geringere Vererbbarkeit und weniger Flexibilität. Wer diesen Weg geht, sollte das nicht aus Bequemlichkeit tun, sondern aus Notwendigkeit – und nur nach unabhängiger Beratung.
Denn nach Abwägung der bekannten Möglichkeiten: Ein Haus schützt nicht automatisch vor Altersarmut. Im schlimmsten Fall verschleiert es sie sogar. Immobilienrente kann dann ein Ausweg sein – aber nur, wenn klar ist, was man aufgibt und was man dafür bekommt.
Geschrieben am 21.12.2025
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