Die Sommer werden heißer, längere Trockenperioden häufiger. Wer heute einen Baum in den Garten pflanzt, sollte deshalb nicht nur danach gehen, was schön aussieht. Gefragt sind Arten, die auch mit Wärme und zeitweiser Trockenheit zurechtkommen. Doch Vorsicht: Den einen perfekten „Klimabaum“ für jeden Garten gibt es nicht. Wir zeigen 5 starke Kandidaten – und welche Bäume du nur mit Einschränkungen pflanzen solltest.
Welche Bäume können den Klimawandel bestehen? Foto: stock.adobe.com / Jason
Ein Baum ist eine Entscheidung für Jahrzehnte. Was heute als kleiner Jungbaum neben der Terrasse steht, kann später das Haus beschatten, den Garten kühlen und Tieren Nahrung und Lebensraum bieten.
Durch den Klimawandel wird die Auswahl allerdings schwieriger. Hitzeperioden und trockene Sommer setzen einigen etablierten Baumarten zu. Gleichzeitig können Krankheiten und Schädlinge Arten schwächen, die lange als zuverlässige Wahl galten.
Langjährige Untersuchungen der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) sowie die Straßenbaumliste der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) zeigen, welche Baumarten besonders gut mit Hitze und Trockenheit zurechtkommen. Daraus lassen sich 5 Bäume ableiten, die auch für künftig heißere und trockenere Sommer als vielversprechend gelten.
Eine wichtige Erkenntnis daraus: Es gibt nicht den einen Zukunftsbaum für ganz Deutschland. Welche Art geeignet ist, hängt immer auch von Region und Standort ab.
Bevor du pflanzt: Der Standort ist wichtiger als jede Bestenliste
„Trockenheitsverträglich“ bedeutet nicht, dass ein Baum überall problemlos wächst. Bevor du dich für eine Art entscheidest, solltest du deshalb fünf Fragen beantworten:
- Wie viel Platz haben Krone und Wurzeln?
- Ist der Boden eher sandig, lehmig oder schwer und verdichtet?
- Ist der Boden kalkhaltig oder eher sauer?
- Steht der Baum den ganzen Tag in der Sonne?
- Wie groß darf er in 20 oder 30 Jahren werden?
Gerade der letzte Punkt wird schnell unterschätzt. Ein Baum, der langfristig 20 oder sogar 30 Meter hoch werden kann, ist für einen kleinen Reihenhausgarten keine gute Wahl – selbst wenn er Hitze hervorragend verträgt.
5 Bäume, die mit Hitze und Trockenheit gut zurechtkommen
| Baum | Höhe etwa | Geeignet für | Hitze/Trockenheit | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Feldahorn | 10–15 m | kleine bis mittlere Gärten | gut | heimisch und ökologisch wertvoll |
| Manna-Esche | 8–12 m | kleine bis mittlere Gärten | sehr gut | auffällige Blüten, Bienenweide |
| Hopfenbuche | 10–15 m | mittlere und größere Gärten | sehr gut | kommt auch mit trockenen Böden zurecht |
| Gleditschie 'Sunburst' | 8–10 m | mittlere Gärten | gut | lichte Krone, außergewöhnlicher Austrieb |
| Zerreiche | 20–30 m | große Grundstücke | sehr gut | mächtiger, langlebiger Schattenspender |
1. Feldahorn (Acer campestre): Der heimische Allrounder
Wer einen heimischen Baum pflanzen möchte, sollte den Feldahorn weiterhin auf der Liste haben. Er ist vergleichsweise robust, verträgt Wärme und zeitweilige Trockenheit und kommt auch mit städtischen Bedingungen zurecht.
Mit meist etwa 10 bis 15 Metern Höhe bleibt er deutlich überschaubarer als viele große Ahornarten. Durch Schnitt lässt er sich zudem vergleichsweise gut steuern. Das macht ihn für kleinere und mittlere Grundstücke interessant.
Ein weiterer Vorteil ist sein ökologischer Wert. Als heimische Baumart ist der Feldahorn für zahlreiche Tiere interessant. Seine Blüten bieten Insekten Nahrung, die dichte Krone schafft Schutz und Lebensraum.
Passt gut, wenn: du einen robusten heimischen Baum suchst und ausreichend Platz für eine mittelgroße Krone hast.
Eher nicht, wenn: du einen ausgesprochen kleinen Hausbaum suchst. Auch ein Feldahorn kann mit den Jahren stattliche Dimensionen erreichen.
2. Manna-Esche (Fraxinus ornus): Blüten statt Eschentriebsterben
Die Manna-Esche – auch Blumenesche genannt – stammt aus Südeuropa und Westasien und gehört zu den interessantesten Bäumen für wärmer werdende Standorte.
Sie bevorzugt durchlässige Böden und kommt mit Hitze und vorübergehender Bodentrockenheit sehr gut zurecht. Die GALK beschreibt sie als hitze- und trockenheitsverträglich sowie stadtklimafest.
Für einen Garten besonders interessant ist ihre überschaubare Größe. Mit ungefähr 8 bis 12 Metern bleibt sie kleiner als viele klassische Waldbäume.
Im Frühsommer erscheinen außerdem auffällige cremeweiße Blüten. Die Manna-Esche wird als Bienenweide geführt und bietet damit auch Insekten Nahrung.
Und noch etwas macht sie interessant: Obwohl sie eine Esche ist, wird bei ihr bislang kein Befall durch das gefürchtete Eschentriebsterben angegeben.
Passt gut, wenn: du einen mittelgroßen, hitzeverträglichen Baum mit auffälliger Blüte suchst.
Eher nicht, wenn: der Standort dauerhaft nass oder der Boden stark verdichtet ist.
3. Europäische Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia): Spezialistin für trockene Standorte
Sie sieht der heimischen Hainbuche ähnlich, stammt aber aus Südosteuropa und Kleinasien: Die Europäische Hopfenbuche gehört zu den Baumarten, die angesichts heißerer und trockenerer Sommer besonders interessant geworden sind.
Die LWG testet die Art bereits seit Jahren im Rahmen ihres Klimabaum-Projekts. Auch in Empfehlungen für zukünftige Pflanzungen taucht sie auf.
Ihr großer Vorteil: Sie toleriert selbst sehr trockene und nährstoffarme Böden und liebt Wärme. Gleichzeitig gilt sie als gesund und benötigt vergleichsweise wenig Erziehungs- und Aufbauschnitt.
Mit etwa 10 bis 15 Metern Höhe und einer später rundlichen Krone ist sie allerdings kein Mini-Baum. Charakteristisch sind ihre dekorativen Fruchtstände, die ein wenig an Hopfen erinnern – daher ihr Name.
Passt gut, wenn: dein Garten warm und trocken ist und du Platz für einen mittelgroßen Baum hast.
Eher nicht, wenn: du in einer sehr kühlen Lage wohnst. Die Hopfenbuche ist wärmeliebend und besonders für entsprechend günstige Standorte interessant.
4. Gleditschie 'Sunburst' (Gleditsia triacanthos 'Sunburst'): Schatten, ohne den Garten dunkel zu machen
Nicht jeder möchte unter seinem Baum tiefen Schatten. Genau hier hat die Gleditschie einen Vorteil.
Ihre fein gefiederten Blätter bilden eine lockere Krone. Licht kann weiterhin hindurchfallen, sodass die Fläche unter dem Baum weniger dunkel wirkt als unter vielen dicht belaubten Arten.
Die Sorte 'Sunburst' fällt zusätzlich durch ihren hellgelben Austrieb auf und bleibt mit ungefähr 8 bis 10 Metern Höhe vergleichsweise kompakt. Sie wird als geeigneter Stadtbaum geführt und ist dornenlos.
Auch die Einschätzung ihres ökologischen Nutzens sollte nicht zu negativ ausfallen: Gleditschien werden in der aktuellen GALK-Straßenbaumliste als Bienenweide geführt.
Wer mehr Platz hat, kann auch andere dornenlose Sorten wie 'Skyline' prüfen. Diese können allerdings deutlich größer werden.
Passt gut, wenn: du einen außergewöhnlichen Baum mit einer lockeren, lichtdurchlässigen Krone möchtest.
Eher nicht, wenn: du möglichst dichten Schatten oder ausschließlich heimische Arten bevorzugst.
5. Zerreiche (Quercus cerris): Der Klimabaum für große Grundstücke
Wer wirklich viel Platz hat, kann über eine Zerreiche nachdenken. Sie stammt aus Süd- und Südosteuropa sowie Kleinasien und ist an Wärme und trockene Standorte angepasst.
Die GALK stuft sie als hitzeverträglich und stadtklimafest ein. Sie verträgt außerdem Trockenheit und höhere pH-Werte. Auch die LWG führt die Zerreiche unter den interessanten Bäumen für zukünftige Pflanzungen.
Der Haken steckt allerdings in ihren Dimensionen: Eine Zerreiche kann 20 bis 30 Meter hoch werden und eine sehr breite Krone entwickeln.
Für den typischen kleinen Hausgarten ist sie deshalb keine gute Wahl. Auf einem großen Grundstück kann sie dagegen über Jahrzehnte zu einem eindrucksvollen Schattenspender werden.
Passt gut, wenn: du ein großes Grundstück hast und einen langlebigen Großbaum suchst.
Eher nicht, wenn: Grundstück, Haus oder Nachbargrenze nur wenige Meter vom Pflanzort entfernt liegen.
Welcher Baum passt zu welchem Garten?
Für die Entscheidung hilft weniger die Frage „Welcher ist der beste Klimabaum?“ als vielmehr: „Welcher passt an meinen Standort?“
- Für kleinere bis mittlere Gärten: Feldahorn oder Manna-Esche
- Für besonders warme und trockene Standorte: Hopfenbuche
- Für eine lockere, lichtdurchlässige Krone: Gleditschie 'Sunburst'
- Für große Grundstücke: Zerreiche
- Wenn dir heimische Arten besonders wichtig sind: Feldahorn
Du suchst ein neues Zuhause?
Diese Bäume solltest du nicht überall bedenkenlos pflanzen
Einige Arten, die häufig als „Klimabäume“ bezeichnet werden, sind deshalb nicht automatisch eine schlechte Wahl. Bei ihnen lohnt sich aber ein genauerer Blick.
Baumhasel: Hoffnungsträger mit Fragezeichen
Die Baumhasel (Corylus colurna) wurde lange als besonders interessanter Zukunftsbaum gehandelt. Sie gilt als wärme- und trockenheitsverträglich und kommt mit schwierigen Stadtstandorten zurecht.
Ganz sorgenfrei ist die Empfehlung inzwischen jedoch nicht mehr. Aus Deutschland wurden bei einzelnen Baumhaseln Kronenverlichtungen, starke Blattverluste und Absterbeerscheinungen beobachtet.
Das bedeutet nicht, dass Baumhaseln grundsätzlich nicht mehr gepflanzt werden sollten. Für eine pauschale Empfehlung nach dem Motto „pflanzen und vergessen“ ist die Lage aber zu differenziert.
Unser Rat: Standort und regionale Erfahrungen berücksichtigen und die Baumhasel nicht als alternativlosen Klimabaum betrachten.
Amberbaum: schön, aber der Boden muss passen
Beim Amerikanischen Amberbaum (Liquidambar styraciflua) ist die Situation anders.
Die LWG zählt ihn weiterhin zu den interessanten Arten für heiße Standorte. Besonders bekannt ist der Baum für seine spektakuläre Herbstfärbung.
Trotzdem ist er kein Baum für jeden Garten. Der Amberbaum reagiert empfindlich auf ungeeignete Bodenbedingungen und gilt insbesondere als kalkempfindlich.
Hinzu kommen je nach Baum Fruchtstände und lange haftendes Laub. Wer hauptsächlich einen möglichst unkomplizierten Schattenspender sucht, findet deshalb je nach Standort passendere Alternativen.
Unser Rat: Ein interessanter Zier- und Klimabaum – aber erst Boden und Platz prüfen.
Wichtig: „Trockenheitsverträglich“ bedeutet nicht „nie gießen“
Hier liegt eines der größten Missverständnisse rund um Klimabäume.
Auch eine Hopfenbuche, Manna-Esche oder Zerreiche kann nicht einfach frisch gepflanzt und anschließend sich selbst überlassen werden.
Gerade junge Bäume verfügen noch nicht über das weitreichende Wurzelsystem eines etablierten Baumes. Während der Anwachsphase müssen sie deshalb bei Trockenheit zuverlässig mit Wasser versorgt werden.
Hinzu kommt: Selbst die robusteste Baumart hat schlechte Chancen, wenn ihre Wurzeln kaum Platz bekommen, der Untergrund stark verdichtet ist oder der Baum falsch gepflanzt wurde.
Die richtige Pflanzung ist deshalb mindestens so wichtig wie die richtige Baumart.
Ein ausreichend großer Wurzelraum, ein zum Baum passender Boden und eine gute Wasserversorgung während der Anwachsphase entscheiden mit darüber, ob aus dem Jungbaum tatsächlich der gewünschte pflegeleichte Schattenspender wird.
Heimisch oder Klimabaum aus Südeuropa?
Auch diese Entscheidung ist weniger eindeutig, als sie zunächst erscheint.
Heimische Arten haben einen großen Vorteil: Tiere, Pilze und andere Organismen haben sich über lange Zeit an sie angepasst. Wo eine geeignete heimische Art mit den zukünftigen Bedingungen am Standort zurechtkommt, ist sie deshalb oft eine sehr gute Wahl.
Doch steigende Temperaturen verändern die Bedingungen. Arten aus wärmeren Regionen Europas können deshalb an manchen Standorten eine sinnvolle Ergänzung sein.
Statt jeden Garten mit derselben vermeintlichen „Superbaumart“ zu bepflanzen, setzen Fachleute deshalb zunehmend auf Vielfalt und standortgerechte Auswahl.
Für Gartenbesitzer heißt das: heimische Arten bevorzugen, wo sie zum Standort passen – geeignete klimaangepasste Arten aber nicht grundsätzlich ausschließen.
Fazit: Pflanze nicht den „besten Klimabaum“, sondern den richtigen Baum
Feldahorn, Manna-Esche, Hopfenbuche, Gleditschie und Zerreiche zeigen, wie unterschiedlich ein zukunftsfähiger Gartenbaum aussehen kann.
Der Feldahorn punktet als heimischer Allrounder. Die Manna-Esche verbindet Hitzeverträglichkeit mit Blüten. Die Hopfenbuche ist besonders für warme und trockene Standorte interessant. Die Gleditschie spendet luftigen Schatten, und die Zerreiche ist eine Option für Grundstücke, auf denen ein wirklich großer Baum Platz hat.
Entscheidend ist aber nicht, welcher Baum auf einer Bestenliste ganz oben steht. Entscheidend ist, welcher Baum zu deinem Boden, deinem Klima und vor allem zum verfügbaren Platz passt.
Denn ein Baum, der heute richtig ausgewählt und gepflanzt wird, kann noch in Jahrzehnten Schatten spenden.
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