Olivenbäume, Palmen oder Zitruspflanzen verschönern Garten und Balkon. Doch mit importierten Pflanzen können auch invasive Tierarten unbemerkt nach Deutschland gelangen. Experten erklären, worauf Hobbygärtner beim Pflanzenkauf achten sollten und wie sich eine Ausbreitung verhindern lässt.
Invasive Arten leben oft in der Erde neuer Blumen. Foto: KI
Invasive Arten reisen oft unbemerkt mit
Mediterrane Kübelpflanzen und exotische Gehölze gehören im Sommer zu den beliebtesten Pflanzen für Garten und Terrasse. Was viele Hobbygärtner nicht wissen: Mit ihnen können auch invasive Tierarten eingeschleppt werden. Darauf weist Sophie Scharrer, Schädlingsexpertin bei SchädlingsHero, hin.
Die Tiere verstecken sich häufig im Wurzelballen, in der Erde, an Pflanzgefäßen oder in Transportverpackungen. Selbst Saatgutbestellungen seien nicht grundsätzlich frei von diesem Risiko.
„Die allermeisten Pflanzenkäufe sind vollkommen unproblematisch. Dennoch zeigt die Erfahrung mit dem internationalen Pflanzenhandel, wie leicht sich einzelne Arten unbeabsichtigt verbreiten können. Wer neu gekaufte Pflanzen kurz kontrolliert, kann dazu beitragen, invasive Arten frühzeitig zu entdecken und ihre Ausbreitung zu erschweren“, sagte Scharrer.
Nach ihren Angaben sind Gartencenter dabei nicht die Ursache des Problems. Vielmehr gelangen die Tiere über internationale Lieferketten nach Europa und werden durch den weltweiten Warenverkehr verbreitet.
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Diese invasiven Arten können Probleme verursachen
Nicht jede eingeschleppte Art richtet die gleichen Schäden an. Während einige Gebäude besiedeln oder Infrastruktur beeinträchtigen können, gefährden andere Pflanzen, Bäume oder heimische Ökosysteme.
Dazu gehören unter anderem:
- Tapinoma magnum, eine invasive Ameisenart, die häufig mit mediterranen Pflanzen eingeschleppt wird und große Kolonien bildet.
- Pharaoameisen, die sich bevorzugt in beheizten Gebäuden ausbreiten.
- Asiatische Hornissen, die Honigbienen und andere Bestäuber gefährden.
- Japankäfer, die mehr als 300 Pflanzenarten befallen können.
- Buchsbaumzünsler, deren Raupen Buchsbäume innerhalb kurzer Zeit kahl fressen.
- Zitrus-Langhornkäfer und Asiatische Laubholzbockkäfer, deren Larven zahlreiche Laubbäume schädigen.
- Schwarzkopfameisen, die sich über tropische Zimmerpflanzen verbreiten können.
- Marmorierte Baumwanzen, die im Herbst häufig Häuser als Winterquartier aufsuchen.
Worauf Hobbygärtner beim Pflanzenkauf achten sollten
Laut Scharrer besteht für Verbraucher kein Grund zur Sorge. Die meisten Pflanzen aus Gartencentern und dem Fachhandel seien unproblematisch. Ein kurzer Kontrollblick könne jedoch helfen, eingeschleppte Arten frühzeitig zu entdecken.
Empfohlen wird:
- den Wurzelballen und die Erde auf Ameisen, Larven oder andere Tiere zu kontrollieren,
- Blätter auf Fraßspuren, Gespinste oder Eigelege zu prüfen,
- neu gekaufte Pflanzen zunächst einige Tage getrennt von anderen Pflanzen aufzustellen,
- unbekannte Insekten zu fotografieren und bestimmen zu lassen.
Heimische Pflanzen helfen der Artenvielfalt
Auch Dr. Melanie von Orlow, Projektleiterin des Berliner Hymenopterendienstes beim NABU Berlin, sieht den internationalen Pflanzenhandel als wichtigen Faktor für die Ausbreitung invasiver Arten.
„Der weltweite Handel, insbesondere mit Pflanzen, aber auch die Haltung exotischer Tierarten wie tropischer Ameisen oder Termiten, begünstigt die Verschleppung und Ausbreitung invasiver Arten. Umso wichtiger ist es, wenn gebietsfremde Pflanzen gekauft werden, diese aufmerksam zu kontrollieren und ungewöhnliche Funde frühzeitig zu erkennen“, sagte von Orlow.
Sie empfiehlt außerdem, häufiger auf heimische oder regional angepasste Pflanzen zu setzen. Diese würden von vielen heimischen Insekten deutlich besser genutzt als exotische Arten und könnten so einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten.
Früherkennung schützt Garten und Natur
Nach Einschätzung von Sophie Scharrer beginnt wirksame Schädlingsprävention lange vor einem akuten Befall.
„Die meisten Menschen bringen Schädlinge erst mit einem akuten Befall in Verbindung. Tatsächlich beginnt wirksame Schädlingsprävention aber schon viel früher, nämlich beim Erkennen ungewöhnlicher Veränderungen“, sagte die Expertin.
Ein kurzer Kontrollblick nach dem Pflanzenkauf könne dazu beitragen, die Ausbreitung invasiver Arten frühzeitig zu verhindern – und damit sowohl den eigenen Garten als auch heimische Pflanzen und Tiere zu schützen.
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