Bayern

Holzbauförderung gestrichen: Setzt Bayern jetzt alles auf Stahl und Beton?

Autorenbild: Andreas Steger
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Bayern beendet ein zentrales Klimaprojekt im Bau. Die Förderung für Holzbau läuft Ende des Jahres aus, neue Anträge sind bereits nicht mehr möglich. Was bedeutet dieses Entscheidung für den bayrischen Kurs im Wohnungsbau.

Förderung endet – und damit auch ein Klimainstrument

Leise, aber mit deutlicher Wirkung: Das bayerische Holzbauförderprogramm wird nicht verlängert. Neue Anträge sind schon jetzt nicht mehr möglich, bestehende Projekte laufen nur noch aus.

Dabei war das Programm erst vor wenigen Jahren gestartet worden. Ziel war es, den Einsatz von Holz im Bau gezielt zu fördern – vor allem, weil der Baustoff CO₂ speichert und damit als klimafreundliche Alternative zu Beton und Stahl gilt.

Gefördert wurde konkret der gebundene Kohlenstoff im Gebäude. Wer viel Holz verbaute, konnte entsprechend höhere Zuschüsse erhalten. Für viele Projekte war das ein entscheidender wirtschaftlicher Hebel.

Neue Prioritäten: Wohnraum statt Baustoffe

Die Staatsregierung begründet den Schritt mit einer Neuausrichtung. Statt einzelne Baustoffe zu fördern, sollen die Mittel künftig breiter eingesetzt werden – vor allem für den Bau von bezahlbarem Wohnraum.

Im Fokus steht jetzt die Frage: Wie entstehen möglichst schnell neue Wohnungen?

Holzbau gilt zwar als nachhaltig, ist aber häufig teurer und komplexer als konventionelle Bauweisen. Genau hier setzt die neue Strategie an: weniger Spezialisierung, mehr Tempo und Skalierung. Stichwort: Bauturbo.

Zugleich wird argumentiert, dass sich der Holzbau inzwischen am Markt etabliert habe und nicht mehr zwingend auf staatliche Zuschüsse angewiesen sei.

Kritik: Rückschritt für Klimaschutz und Bauwende

Die Entscheidung sorgt für deutliche Kritik. Vor allem von Bündnis 90/Die Grünen Bayern und aus Teilen der Bau- und Forstbranche kommt der Vorwurf, Bayern verabschiede sich von seinen eigenen Klimazielen im Gebäudesektor. Holzbau sei nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern stärke auch regionale Wirtschaftskreisläufe.

Der zentrale Punkt der Kritik: Ohne Förderung verliert Holz an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber klassischen Baustoffen wie Beton. Gerade in Zeiten steigender Baukosten könnte das dazu führen, dass klimafreundliche Bauweisen seltener umgesetzt werden.

Auch symbolisch wiegt der Schritt schwer. Noch vor wenigen Jahren wurde Holz politisch als Baustoff der Zukunft beworben – nun fehlt der finanzielle Anreiz.

Was sich für Bauherren jetzt ändert

Für Bauherren und Projektentwickler hat das Förder-Aus konkrete Folgen.

Neue Projekte im Holzbau müssen künftig ohne staatliche Zuschüsse kalkuliert werden. Das kann insbesondere bei größeren Vorhaben den Unterschied zwischen Wirtschaftlichkeit und Stillstand ausmachen.

Bestehende Förderzusagen bleiben zwar bestehen, doch für neue Planungen verschiebt sich die Rechnung.

Mehr Beton, weniger Holz?

Ob Bayern damit tatsächlich stärker auf Beton setzt, ist offiziell nicht das erklärte Ziel. Doch die Richtung ist klar: Der Staat zieht sich aus der gezielten Förderung klimafreundlicher Baustoffe zurück.

Der Wohnungsbau soll schneller werden, günstiger und planbarer.

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