Ratgeber

Heidelberg setzt auf Tiny Houses – neue Wohnform als Blaupause für den Wohnungsmangel

Autorenbild Kilian Treß

Heidelberg reagiert auf steigende Immobilienpreise mit einem ungewöhnlichen Pilotprojekt: Ein rückbaubarer Tiny-House-Wohnpark mit 36 Einheiten soll ab 2026 bezahlbaren Wohnraum auf Zeit schaffen. Kann das flexible Konzept zur Blaupause gegen den Wohnungsmangel werden?

36 Einheiten, Gemeinschaftsflächen und Sauna

Heidelberg probiert es mit klein. Am Harbigweg im Stadtteil Kirchheim entsteht ein rückbaubarer Tiny-House-Wohnpark mit 36 Wohneinheiten. Die Stadt verpachtet die rund 2.800 Quadratmeter große Fläche für zunächst zehn Jahre – danach können die Module wieder abgebaut werden. Das Projekt gilt als Pilot für eine neue, flexible Form der Nachverdichtung. Geplant ist ein Ensemble aus ein- und zweigeschossigen Modulhäusern. Vorgesehen sind 14 Zwei-Zimmer-Wohnungen mit 25 bis 40 Quadratmetern, 12 Co-Living-Apartments mit 20 bis 25 Quadratmetern, zwei WG-Häuser mit jeweils drei Zimmern sowie vier größere Winkelbungalows mit bis zu 60 Quadratmetern für Paare oder kleine Familien.

Ergänzt wird das Konzept durch Gemeinschaftsräume, einen Mitmach-Garten, Sitzbereiche und sogar eine Sauna. Die Häuser erfüllen aktuelle energetische Standards und orientieren sich an der KfW-55-Norm. Es handelt sich also nicht um provisorische Containerlösungen, sondern um regulär genehmigten Wohnraum.

Warum Heidelberg diesen Weg geht

Der Hintergrund ist offensichtlich: Wohnen in Heidelberg ist nicht günstiger geworden. Aktuell liegen die durchschnittlichen Kaufpreise laut immowelt Price Map bei rund 5.491 Euro pro Quadratmeter für Eigentumswohnungen und bei etwa 5.495 Euro pro Quadratmeter für Häuser. In guten Lagen werden Spitzenwerte von über 10.000 Euro pro Quadratmeter erreicht. Aber auch Kirchheim zieht an, wie man an den Daten erkennen kann.

Auch die Dynamik bleibt hoch. Wohnungen verteuerten sich zuletzt binnen eines Jahres um rund 8 Prozent, Häuser liegen im Fünfjahresvergleich sogar mehr als 15 Prozent im Plus. Wer in Heidelberg klassisch baut oder kauft, braucht entsprechend viel Eigenkapital – gerade für junge Haushalte wird das zunehmend zur Hürde. Von Singlehaushalten mal ganz abgesehen.

Temporär statt dauerhaft versiegeln

Das Besondere am Tiny-House-Projekt: Die Fläche bleibt flexibel nutzbar. Nach Ablauf der Pachtzeit können die Module rückstandsfrei entfernt werden. Für die Stadt ist das attraktiv, weil Grundstücke genutzt werden können, für die es noch keine langfristige Planung gibt.

Gleichzeitig versteht Heidelberg das Vorhaben als Testlauf für verdichtetes Wohnen auf kleiner Fläche. Tiny Houses sollen Ressourcen schonen, Flächenversiegelung minimieren und neue Zielgruppen ansprechen – von Studierenden über Berufseinsteiger bis hin zu kleinen Familien. Konzepte die letzlich sogar in New York Anklang finden.

Blaupause für andere Städte?

Die Initiatoren sehen im Wohnpark ein Modell mit Signalwirkung. Gerade in Städten mit angespanntem Markt könnten modulare, rückbaubare Konzepte eine Ergänzung zum klassischen Wohnungsbau sein. Auch in Nürnberg gibt es ähnliche Bestrebungen. Sie ersetzen keine großen Neubaugebiete, könnten aber punktuell Entlastung schaffen.

Ob das Konzept langfristig Schule macht, hängt von Wirtschaftlichkeit, Akzeptanz und Genehmigungspraxis ab. Klar ist jedoch: In einer Stadt mit Quadratmeterpreisen auf Großstadtniveau wächst der Druck, neue Wege zu gehen. Heidelberg setzt nun auf das Wohnen im Kleinformat – bewusst, politisch gewollt und zunächst auf Zeit.

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