Vor vier Jahren bekam man für 1.000 Euro Kaltmiete in vielen deutschen Großstädten noch eine geräumige 3-Zimmer-Wohnung. Heute reicht das gleiche Budget oft nur noch für eine kleine Wohnung – teilweise ist sogar ein ganzes Zimmer verschwunden.
In München bekommt man für 1.000 Euro Miete nur noch mickrige 48 m². Foto: JRP Studio / stock.adobe.com
Eine aktuelle Analyse von immowelt zeigt: In 60 von 80 untersuchten Großstädten ist die Wohnfläche für 1.000 Euro Miete seit 2022 um mindestens 10 Prozent geschrumpft. Besonders drastisch ist die Entwicklung in Berlin, Hamburg und dem Ruhrgebiet.
In Berlin gibt es 16 Quadratmeter weniger für 1.000 Euro
Am stärksten trifft es Mieter in Berlin. Während man 2022 für 1.000 Euro im Schnitt noch 86 Quadratmeter bekam, sind es heute nur noch 70 Quadratmeter. Das entspricht einem Verlust von 16 Quadratmetern – also ungefähr einem ganzen Zimmer.
| Stadt | Wohnfläche 2022 | Wohnfläche 2026 |
|---|---|---|
| Berlin | 86 m² | 70 m² |
| Hamburg | 87 m² | 75 m² |
| München | 55 m² | 48 m² |
| Köln | 83 m² | 74 m² |
| Frankfurt | 69 m² | 61 m² |
„Die Mietentwicklung in den Großstädten ist besorgniserregend: Wenn in Berlin für 1.000 Euro binnen vier Jahren die Fläche eines Zimmers wegbricht und in München für dasselbe Geld nicht einmal mehr 50 Quadratmeter übrigbleiben, entzieht das Normalverdienern die Lebensgrundlage“, sagt immowelt CEO Theo Mseka.
Besonders extrem ist die Lage in München: Für 1.000 Euro Kaltmiete gibt es dort inzwischen im Durchschnitt nicht einmal mehr 50 Quadratmeter Wohnfläche.
Im Ruhrgebiet verschwinden fast 30 Quadratmeter
Die größten absoluten Verluste gibt es überraschend nicht in den teuersten Metropolen, sondern in mehreren Städten des Ruhrgebiets.
In Gelsenkirchen schrumpfte die leistbare Wohnfläche für 1.000 Euro innerhalb von vier Jahren um 29 Quadratmeter. Auch Hagen, Duisburg und Recklinghausen verzeichnen massive Rückgänge.
Der Grund: Viele Menschen weichen aus den teuren Großstädten in günstigere Regionen aus. Dadurch steigt dort die Nachfrage plötzlich stark an.
Der perfekte Sturm am Wohnungsmarkt – darum steigen die Mieten so stark
Die Entwicklung hat mehrere Ursachen, die zusammen einen regelrechten „perfekten Sturm“ auf dem Wohnungsmarkt auslösen:
1. Neubau lohnt sich kaum noch
Hohe Baukosten, teure Materialien und gestiegene Handwerkerpreise bremsen den Wohnungsbau massiv aus. Viele Projekte werden verschoben oder ganz gestoppt.
2. Der Traum vom Eigenheim platzt
Seit der Zinswende 2022 können sich viele Familien keine Immobilienfinanzierung mehr leisten. Statt zu kaufen bleiben sie auf dem Mietmarkt – und erhöhen dort den Druck.
3. Immer mehr Menschen ziehen ins Umland
Wer sich die Mieten in Städten wie München, Köln oder Düsseldorf nicht mehr leisten kann, sucht Wohnungen in günstigeren Nachbarstädten. Dort steigen die Preise dadurch besonders schnell.
4. Niedrige Mieten holen stark auf
Gerade Städte mit früher sehr günstigen Mieten erleben jetzt besonders starke prozentuale Sprünge. Schon kleine Erhöhungen schlagen dort stark zu Buche.
Für viele Haushalte wird Wohnen zum Luxus
Das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen in Deutschland liegt laut Statistischem Bundesamt bei rund 3.176 Euro im Monat. Schon 1.000 Euro Kaltmiete verschlingen damit fast ein Drittel des Einkommens – Nebenkosten und Strom noch nicht eingerechnet.
Die Folge: Immer mehr Menschen müssen kleinere Wohnungen akzeptieren oder in günstigere Regionen ausweichen.
Geschrieben am 28.05.2026
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