Wohnraummangel-Barometer

Wohnraummangel: Warum die Mehrheit der Deutschen von der Politik enttäuscht ist

Autorenbild: Andreas Steger
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Bezahlbarer Wohnraum wird immer knapper – und der Frust wächst. Viele Deutsche sehen die Politik in der Pflicht, endlich wirksam gegenzusteuern. Statt neuer Regeln fordern sie vor allem konkrete Lösungen wie mehr Förderung und neuen Wohnraum.

Wohnungsmarkt aus dem Gleichgewicht: Frust über fehlenden bezahlbaren Wohnraum

Der Wohnungsmarkt wird von vielen Bundesbürgern als strukturell unausgewogen wahrgenommen. Laut dem „Wohnraummangel-Barometer“ im Auftrag von immowelt sind 64 Prozent der Befragten der Meinung, dass es in Deutschland zu wenige Sozialwohnungen gibt. 63 Prozent sehen zudem einen deutlichen Mangel an Wohnraum, den sich Normalverdiener überhaupt noch leisten können. Gleichzeitig glaubt fast die Hälfte der Deutschen, dass es inzwischen zu viele hochpreisige Wohnungen gibt, die am eigentlichen Bedarf vorbeigehen.

Die Ergebnisse zeichnen das Bild eines Marktes, in dem Angebot und Nachfrage nicht mehr zusammenpassen. Bezahlbarer Wohnraum wird als knappes Gut wahrgenommen, während teure Neubauten vielerorts das Stadtbild prägen.

Klare Erwartungen an den Staat: Förderung statt weiterer Eingriffe

Die Forderungen der Bürger an die Politik sind auffallend eindeutig. 86 Prozent sprechen sich dafür aus, den Zugang zu Förderprogrammen für Wohneigentum deutlich zu erleichtern. 85 Prozent wünschen sich einen stärkeren staatlichen Einsatz beim sozialen Wohnungsbau. Besonders Familien, Alleinerziehende und junge Menschen sollen gezielt unterstützt werden – das fordern vier von fünf Befragten.

Dabei zeigt sich ein klarer Wunsch nach neuen Lösungen statt zusätzlicher Regulierung bestehender Wohnverhältnisse. Maßnahmen wie verpflichtende Wohnraumumverteilung stoßen auf wenig Zustimmung. Nur eine kleine Minderheit würde es befürworten, Singles zum Zusammenziehen zu zwingen oder ältere Menschen aus großen Wohnungen zum Auszug zu bewegen.

„Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass viele Bürger der Ansicht sind, dass Angebot und Nachfrage auf dem Wohnungsmarkt nicht mehr im Einklang sind“, sagt Dr. Robert Wagner, Geschäftsführer von immowelt. „Die Haltungen zur Aufhebung des Missstands sind aber sehr lösungsorientiert: Weniger Regulierung und staatliche Eingriffe in bestehende Wohnverhältnisse, sondern gezielte Förderung zur Schaffung von neuem Wohnraum.“

Neubau, Leerstand, Umnutzung: Pragmatismus statt Ideologie

Neben Neubauprojekten rückt auch der bestehende Gebäudebestand in den Fokus. Zwei Drittel der Befragten befürworten, dass Kommunen leerstehende Gebäude aufkaufen, um daraus bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Auch die verpflichtende Umwandlung leerer Gewerbeflächen in Innenstädten findet bei einer Mehrheit Zustimmung.

Der Tenor ist klar: Wohnraum soll dort entstehen, wo er fehlt – notfalls auch durch konsequenteres Eingreifen bei dauerhaftem Leerstand. Gleichzeitig lehnt die Mehrheit pauschale Eingriffe in private Wohnentscheidungen ab.

Kein Feindbild Vermieter: Mehrheit setzt auf private Anbieter

Bemerkenswert ist auch der Blick der Deutschen auf private Vermieter. Das verbreitete Narrativ vom gierigen Eigentümer findet in der Bevölkerung kaum Rückhalt. 77 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass ohne private Vermieter der Wohnraummangel in vielen Regionen noch größer wäre. Nur eine kleine Minderheit glaubt, dass Wohnungen bewusst leer stehen gelassen werden, um auf Wertsteigerungen zu spekulieren.

Stattdessen gehen drei Viertel der Deutschen davon aus, dass private Vermieter vor allem an langfristigen und stabilen Mietverhältnissen interessiert sind. Für viele scheint klar: Ohne private Investitionen lässt sich der Wohnraummangel nicht lösen.

Die Geduld schwindet – der Handlungsdruck wächst

Die Studie zeigt deutlich, wie groß die Erwartungen an die Politik inzwischen sind. Die Mehrheit der Deutschen fordert weniger Symbolpolitik und mehr wirksame Maßnahmen. Eigenheimförderung, sozialer Wohnungsbau und die Aktivierung bestehender Flächen gelten als zentrale Hebel. Gleichzeitig wünschen sich viele einen sachlicheren Umgang mit privaten Vermietern.

Der Wohnraummangel bleibt eines der drängendsten gesellschaftlichen Probleme. Die Botschaft der Bürger ist eindeutig: Die Lösungen liegen auf dem Tisch – jetzt ist die Politik am Zug.

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