In den meisten Fällen ist das sehr gut möglich. Der Einsatz von Heizkörpern in Kombination mit einer Wärmepumpe ist in der Praxis bereits weit verbreitet. Ein teurer und aufwendiger Komplettumbau des Hauses auf eine Fußbodenheizung ist in der Regel nicht nötig.
Kann man die Wärmepumpe auch mit herkömmlichen Heizkörpern betreiben? Foto: iStock.com / JazzIRT
Inhaltsübersicht
- Heizkörper sind oft wärmepumpentauglich
- Die Vorlauftemperatur ist der Schlüssel zu niedrigen Heizkosten
- Der 55-Grad-Test zeigt, ob eine Wärmepumpe mit deinen Heizkörpern effizient zusammenarbeitet
- Förderung: Zuschüsse von bis zu 21.000 Euro sind möglich
- Fazit: Wärmepumpe mit Heizkörpern sind mit guter Vorbereitung eine solide Lösung
Heizkörper sind oft wärmepumpentauglich
Ja, es stimmt: Fußbodenheizungen eignen sich am besten für eine Wärmepumpe. Aber oft ist es überhaupt nicht nötig, für eine Wärmepumpe die alten Heizkörper zu demontieren und großflächig eine Fußbodenheizung zu installieren.
Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat in einem Forschungsprojekt 77 Wärmepumpenanlagen in Bestandsgebäuden über mehrere Jahre analysiert. Die Auswertungen belegen, dass Heizkörper im Wärmepumpen-Alltag üblich sind und effizient arbeiten:
In etwa 25 % der untersuchten Gebäude wird die Raumheizung ausschließlich über klassische Heizkörper (z. B. Glieder- oder Plattenheizkörper) realisiert.
Weitere rund 50 % der Gebäude nutzen Mischsysteme (eine Kombination aus Heizkörpern und Fußbodenheizung).
Auch Anlagen, die ausschließlich Heizkörper nutzen, erreichten im Praxisbetrieb gute Jahresarbeitszahlen (JAZ) von 3,0 bis zu 4,0. Dies beweist, dass Wärmepumpen mit Heizkörpern zweckmäßig und ökologisch sinnvoll zusammenarbeiten können.
Vor allem in Gebäuden, die bereits teilweise energetisch saniert wurden, z. B. durch neue Fenster, sind die bestehenden Heizkörper oft automatisch "überdimensioniert" für den neuen, geringeren Wärmebedarf und eignen sich hervorragend für den Wärmepumpenbetrieb.
Ob eine Wärmepumpe mit normalen Heizkörpern zusammenarbeitet, hängt im Kern davon ab, wie viel Fläche ein Heizkörper aufweist und wie hoch dementsprechend die Temperatur des Heizwassers ausfällt. Diese Temperatur bezeichnet man als Vorlauftemperatur. Mit diesem Wert kannst du ermitteln, ob eine Wärmepumpe mit deinen Heizkörpern effizient zusammenarbeitet.
Die Vorlauftemperatur ist der Schlüssel zu niedrigen Heizkosten
Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur, mit der das Wasser das Heizgerät auf dem Weg zu den Heizkörpern verlässt. Nachdem das Wasser die Wärme über die Heizkörper in den Raum abgegeben hat, fließt es kühler zurück zum Kessel - das nennt man dann Rücklauftemperatur.
Wärmepumpen sind effizient, aber sie mögen keine Extreme. Ein Heizkörper muss nicht glühend heiß sein, damit der Raum warm wird. Wärmepumpen arbeiten am liebsten lange am Stück, aber dafür auf einem niedrigen Temperaturniveau. Je heißer das Wasser im Vorlauf sein muss, desto mehr Arbeit leistet der Kompressor der Wärmepumpe, um das Wasser auf die notwendige Temperatur zu bringen. Das zwingt die Wärmepumpe in einen ineffizienten Arbeitsbereich mit höherem Stromverbrauch.
Jedes Grad Celsius, um das die Wärmepumpe das Wasser weniger stark erhitzen muss, steigert die Effizienz des Systems um etwa 2,5 % bis 3 % (Fraunhofer ISE). Das Ziel ist also ein System, das so kühl wie möglich arbeitet, aber deine Räume trotzdem gemütlich warm hält.
Der 55-Grad-Test zeigt, ob eine Wärmepumpe mit deinen Heizkörpern effizient zusammenarbeitet
- Prüfe an deinem Heizkessel, mit welcher Vorlauftemperatur dein Heizsystem arbeitet. Regel dafür an der Heizungsanlage die Vorlauftemperatur auf 55 Grad herunter.
- Nun drehe alle Heizkörper im Haus auf die gewünschte Stufe.
- Erreichen alle Räume gewünschte Temperatur? Deine Heizkörper sollten sehr gut mit einer Wärmepumpe zusammenarbeiten.
Wenn das nicht der Fall ist, ist das aber kein direktes Ausschlusskriterium für eine Wärmepumpe. Liegt die Höhe der Vorlauftemperatur darüber, so kannst du zum Beispiel das Wärmeverteilsystem modernisieren lassen. Dazu können die Dämmung der Rohre oder der Einsatz einer elektronisch geregelten und lastabhängig arbeitenden Heizungspumpe gehören. Dein Heizungsbauer weiß genau, was zu tun ist. Auch die flächendeckende Nachrüstung einer Fußbodenheizung ist nicht zwingend notwendig - Optimieren geht vor Sanieren! Du hast folgende alternative Möglichkeiten:
Ein teilweiser Heizkörpertausch senkt die Vorlauftemperaturen deutlich
Du nimmst einen teilweisen Heizkörpertausch vor. Oft bremsen nur einzelne „schwache“ Heizkörper das ganze System aus - die Vorlauftemperatur hängt immer vom Teil des Systems ab, das die höchsten Temperaturen erfordert. Anstatt alle Heizkörper auszutauschen, wird in den häufigsten Fällen empfohlen, gezielt nur die Heizkörper auszutauschen, die z. B. zu klein ausfallen und nicht mit einer niedrigen Vorlauftemperatur betrieben werden können.
Ein großer Plattenheizkörper (Typ 22 oder Typ 33) oder die modernen Niedertemperaturheizkörper haben bei gleicher Größe eine viel höhere Heizleistung als ein alter Gliederkessel aus Gusseisen. Durch den Tausch einzelner Heizkörper vergrößerst du die Fläche, die Wärme abgibt und senkst die Vorlauftemperatur.
Schon kleine Maßnahmen haben einen enormen Hebel: In einem Demonstrationsprojekt reichte der Austausch von nur 7 % der Heizkörper aus, um die Vorlauftemperatur von 75 °C auf 55 °C zu senken. Dadurch stieg die Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe von 2,0 auf 2,8.
Hier ist allerdings ein wenig zusätzliche Prüfung & Planung notwendig: es muss eine raumweise Heizlastberechnung durchgeführt werden . Ein Heizungsexperte muss für jeden Raum ermitteln, ob und welche Heizkörper ausgetauscht werden müssen. Erst nach dieser Analyse und einem hydraulischen Abgleich zeigt sich, welche Heizkörper einen effizienten Betrieb ausbremsen - ein hydraulischer Abgleich ist aber ohnehin ratsam und auch Grundbedingung für den Erhalt staatlicher Fördergelder.
Alte Heizkörper durch moderne Niedertemperaturheizkörper ersetzen
Moderne Niedertemperaturheizkörper eignen sich ideal für Wärmepumpen, denn sie sind explizit für eine niedrige Vorlauftemperatur entwickelt worden. Sie arbeiten in einem Temperaturbereich von 30 bis 50 Grad und haben einen hohen Anteil an Strahlungswärme.
Durch einen umfassenderen Heizkörpertausch kann die Vorlauftemperatur in den meisten Fällen auf unter 55 °C abgesenkt werden, was den Betrieb unproblematisch macht.
Förderung: Zuschüsse von bis zu 21.000 Euro sind möglich
Für den Einbau einer Wärmepumpe inklusive Heizkörpertausch sind staatliche Fördergelder über die “Bundesförderung für effiziente Gebäude” (BEG) verfügbar. Für ein Einfamilienhaus sind Zuschüsse von bis zu 21.000 Euro erhältlich.
Als Umfeldmaßnahme beim Einbau einer Wärmepumpe: Wenn duden Heizkörpertausch direkt zusammen mit dem Einbau einer neuen Wärmepumpe vornimmst, gelten die Kosten als sogenannte „Umfeldmaßnahme“. Der Tausch der Heizkörper dient der zwingend notwendigen Optimierung des Heizungsverteilsystems und ist deshalb förderfähig.
Die Kosten für die Heizkörper und deren Installation werden zu den Gesamtkosten der Wärmepumpe addiert und mit dem gleichen, hohen Fördersatz von bis zu 70 % bezuschusst; abhängig von individuellen Boni, wie dem Einkommens- oder Klimageschwindigkeitsbonus.
Als eigenständige Maßnahme zur Heizungsoptimierung: Willst du deine bestehende Heizung behalten und lediglich das Gebäude für die Zukunft "wärmepumpenfit" machen, wird der Einbau von Flächenheizungen oder Niedertemperaturheizkörpern als Einzelmaßnahme im Bereich „Heizungsoptimierung“ gefördert. Der Basis-Fördersatz für solche Maßnahmen zur Verbesserung der Anlageneffizienz beträgt 15 % der förderfähigen Kosten.
Damit die Förderung - egal in welcher der beiden Varianten - bewilligt wird, ist die Durchführung eines hydraulischen Abgleichs des Heizsystems zwingend vorgeschrieben. Der hydraulische Abgleich ist aber Teil der förderfähigen Maßnahmen.
Wichtig ist nur, dass du den Antrag stellst, bevor die Handwerker mit der Arbeit beginnen. Ein Energieberater oder ein erfahrener Heizungsbauer hilft dir dabei, die maximale Summe herauszuholen.
Für eine erste Einschätzung deiner Heizflächen gibt es einen Online-Rechner des Bundesverbands Wärmepumpe, mit dem du selbst prüfen kannst, wie gut deine aktuellen Heizkörper für eine Wärmepumpe geeignet sind.
Fazit: Wärmepumpe mit Heizkörpern sind mit guter Vorbereitung eine solide Lösung
Die Kombination aus Wärmepumpe und Heizkörpern ist kein Notbehelf, sondern eine technisch ausgereifte Lösung. Du sparst dir den Aufwand und die Kosten einer umfassenden Sanierung und holst dir trotzdem moderne, zukunftssichere Technik ins Haus.
Wenn du jetzt den 55-Grad-Test machst, hast du die erste wichtige Antwort schon parat. Der Rest ist Handwerk und kluge Planung.
Geschrieben am 19.06.2026
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