Energie

Teure Heizwende: Warum die Wärmepumpe in Deutschland so viel kostet

Autorenbild: Andreas Steger
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Während Wärmepumpen in Großbritannien bereits ab rund 14.000 Euro zu haben sind, kostet eine vergleichbare Anlage in Deutschland inklusive Installation im Schnitt etwa 30.000 Euro. Auch in Frankreich sind die Preise deutlich niedriger. Warum die Technik hierzulande so teuer ist, hat mehrere Gründe.

Strenge Vorschriften treiben die Kosten nach oben

Deutschland gehört zu den Ländern mit den strengsten technischen Anforderungen an Wärmepumpen. Neben hohen Effizienzstandards spielen vor allem Lärmschutzregeln eine große Rolle. In dicht bebauten Wohngebieten dürfen Anlagen bestimmte Schallwerte nicht überschreiten.

Viele Landesbauordnungen schreiben deshalb Mindestabstände zur Grundstücksgrenze vor, wenn Wärmepumpen zu laut sein könnten. Das zwingt Installateure oft zu zusätzlichen Maßnahmen wie Schallschutzhauben oder speziellen Aufstellorten im Garten. Planung und Montage werden dadurch deutlich aufwendiger.

Hinzu kommt das Klima: Weil es in Deutschland kälter ist als in vielen Teilen Europas, müssen die Anlagen häufig leistungsstärker sein und bei niedrigen Vorlauftemperaturen trotzdem genügend Heizleistung liefern. Oft kommen zusätzliche Komponenten wie Heizstäbe oder Abtauvorrichtungen hinzu. Auch der Stromanschluss und die Absicherung unterliegen strengen Normen – all das treibt die Kosten weiter nach oben.

Mehrwertsteuer verteuert Wärmepumpen zusätzlich

Ein weiterer Faktor ist die steuerliche Belastung. Beim Kauf und Einbau einer Wärmepumpe fallen in Deutschland grundsätzlich 19 Prozent Mehrwertsteuer an.

In Großbritannien hingegen sind Wärmepumpen bei energetischen Modernisierungen komplett von der Mehrwertsteuer befreit. Das senkt die Gesamtkosten dort um mehrere tausend Euro und erklärt einen Teil der großen Preisunterschiede innerhalb Europas.

Hohe Montagekosten und versteckte Zusatzposten

Auch die Installation selbst ist in Deutschland deutlich teurer. Montage- und Installationsarbeiten machen meist 20 bis 30 Prozent der Gesamtkosten aus, in manchen Fällen sogar bis zu 35 Prozent.

Ein Grund dafür sind die hohen Lohnkosten im Handwerk. Während Betriebe in Deutschland durchschnittlich rund 65 Euro pro Stunde verlangen, liegen die Preise in Frankreich bei etwa 40 Euro und in Polen sogar nur bei rund 25 Euro.

Hinzu kommt laut einer Auswertung der Verbraucherzentrale ein weiteres Problem: Viele Angebote enthalten nicht alle erforderlichen Leistungen. Dinge wie Fundament, Elektroinstallation oder hydraulischer Abgleich fehlen häufig im ersten Angebot.

Nur rund 26 Prozent der geprüften Angebote enthielten alle notwendigen Bestandteile. Die Folge können zusätzliche Kosten von bis zu 10.000 Euro sein, die erst während der Arbeiten sichtbar werden.

Unterschiedliche Gebäude erschweren die Installation

Ein weiterer, oft unterschätzter Punkt ist der Gebäudebestand. In Deutschland gibt es eine große Vielfalt an Häusern aus unterschiedlichen Baujahren mit sehr verschiedenen Heizsystemen.

Viele Gebäude stammen aus den 1920er bis 1970er Jahren und wurden mehrfach umgebaut oder erweitert. Für jede Wärmepumpe ist deshalb eine individuelle Planung notwendig – inklusive Anpassungen an Heizkörper, Leitungen oder Dämmung.

In Großbritannien dagegen sind viele Häuser ähnlich aufgebaut. Die Installationen lassen sich dort stärker standardisieren, was Planung und Montage deutlich günstiger macht.

Förderung kann Preise sogar nach oben treiben

Paradox wirkt auch die deutsche Förderstruktur. Während andere Länder feste Zuschüsse zahlen, orientiert sich die Förderung hierzulande prozentual am Gesamtpreis der Anlage.

Das bedeutet: Je teurer eine Wärmepumpe ist, desto höher fällt auch die staatliche Förderung aus. Branchenexperten sehen darin einen Fehlanreiz.

Denn Wärmepumpen könnten laut Fachleuten teilweise auch für unter 20.000 Euro installiert werden. Für Handwerksbetriebe sind jedoch größere Projekte mit höheren Gesamtkosten attraktiver, da dadurch auch die Förderbeträge steigen.

In anderen Ländern sind Förderungen häufig gedeckelt oder einkommensabhängig. Das setzt klare Preisgrenzen und erhöht den Wettbewerbsdruck unter den Anbietern.

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