Hamburg zählt zu den einkommensstärksten Städten Deutschlands. Doch wer auf das Geld schaut, das nach der Warmmiete tatsächlich übrig bleibt, erlebt eine Überraschung. Gleich mehrere Städte in Niedersachsen schneiden deutlich besser ab – weil dort hohe Einkommen auf vergleichsweise moderate Wohnkosten treffen.
Die Einkommen sind in Hamburg deutlich höher als in umliegenden Städten. Die Mieten fressen den Vorteil aber komplett auf. Foto: iStock.com / ruzanna
Hamburg verdient gut – doch die Warmmiete kostet viel
Hamburg gilt als wirtschaftliches Kraftzentrum Norddeutschlands. Mit einem durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen von 4.304 Euro gehört die Hansestadt zu den Spitzenreitern in Deutschland.
Doch die hohen Gehälter haben ihren Preis. Für eine 90 Quadratmeter große Wohnung werden durchschnittlich 1.473 Euro Warmmiete fällig. Das entspricht 34,2 Prozent des verfügbaren Einkommens. Nach Abzug der Wohnkosten bleiben Haushalten rechnerisch noch 2.831 Euro.
Damit liegt Hamburg zwar weiterhin auf einem hohen Niveau – mehrere niedersächsische Städte bieten jedoch einen deutlich größeren finanziellen Spielraum.
Wolfsburg führt das Ranking souverän an
An der Spitze steht Wolfsburg. Dank der starken Automobilindustrie verfügen Haushalte dort über das höchste Durchschnittseinkommen aller norddeutschen Städte. Gleichzeitig bleiben die Wohnkosten überraschend niedrig.
Für eine 90 Quadratmeter große Wohnung werden durchschnittlich 978 Euro Warmmiete fällig. Das entspricht lediglich 17,7 Prozent des Einkommens. Nach Abzug der Wohnkosten bleiben durchschnittlich 4.551 Euro – bundesweit einer der besten Werte.
Auch Salzgitter überrascht. Dort müssen Haushalte nur 19,6 Prozent ihres Einkommens für die Warmmiete aufbringen. Selbst Emden erreicht mit 22,4 Prozent einen außergewöhnlich niedrigen Wert. In allen drei Städten bleibt den Bewohnern am Monatsende deutlich mehr Geld als in Hamburg.
| Stadt | Einkommen | Warmmiete (90 qm) | Anteil am Einkommen | Nach Warmmiete übrig |
|---|---|---|---|---|
| Wolfsburg | 5.529 € | 978 € | 17,7 % | 4.551 € |
| Salzgitter | 4.756 € | 933 € | 19,6 % | 3.823 € |
| Emden | 4.106 € | 920 € | 22,4 % | 3.186 € |
| Hamburg | 4.304 € | 1.473 € | 34,2 % | 2.831 € |
Mieten wachsen in Hamburg rasant
So liest du die Grafik
Du kannst eine oder mehrere Städte auswählen und die Entwicklung von Kaufpreisen und Mieten vergleichen.
- ■ Wohnungen (Kauf): Angebotspreise für Eigentumswohnungen in Euro pro Quadratmeter.
- ▲ Häuser (Kauf): Angebotspreise für Häuser in Euro pro Quadratmeter.
- ● Miete: Angebotsmieten in Euro pro Quadratmeter.
- — 10 Jahre / — 15 Jahre: Effektivzinssätze für Wohnungsbaukredite mit anfänglicher Zinsbindung von über 5 bis 10 Jahren beziehungsweise von über 10 Jahren.
- Originalwerte: Kaufpreise werden links, Mieten und Bauzinsen rechts auf eigenen Achsen dargestellt.
- Normalisiert: Alle ausgewählten Reihen starten beim ersten gemeinsamen Monat mit Index 100. So lassen sich Entwicklungen trotz unterschiedlicher Preisniveaus besser vergleichen.
Niedersachsen belegt gleich mehrere Spitzenplätze
Nicht nur Wolfsburg sorgt für eine Überraschung. Insgesamt zeigt sich, dass Niedersachsen besonders viele Städte mit einem günstigen Verhältnis von Einkommen und Wohnkosten aufweist.
Braunschweig kommt auf eine Warmmietenbelastung von lediglich 28,5 Prozent, Oldenburg auf 30,7 Prozent und Osnabrück auf 31,4 Prozent. Auch Hannover und Bremen bewegen sich deutlich unter dem Hamburger Niveau.
Damit wird klar: Wer seinen Wohnort innerhalb Norddeutschlands frei wählen kann, findet gerade in Niedersachsen häufig deutlich bessere Voraussetzungen für den Geldbeutel als in der Hansestadt.
| Stadt | Anteil der Warmmiete am Einkommen |
|---|---|
| Wolfsburg | 17,7 % |
| Salzgitter | 19,6 % |
| Emden | 22,4 % |
| Braunschweig | 28,5 % |
| Hannover | 28,8 % |
| Kiel | 29,2 % |
| Bremen | 29,3 % |
| Oldenburg | 30,7 % |
| Osnabrück | 31,4 % |
| Hamburg | 34,2 % |
Hohe Einkommen allein entscheiden nicht über die Kaufkraft
Die Auswertung zeigt, dass ein hohes Einkommen allein wenig über die tatsächliche Kaufkraft aussagt. Entscheidend ist, welcher Anteil davon für das Wohnen ausgegeben werden muss.
Während Hamburger Haushalte zwar mehr verdienen als in vielen anderen Städten Norddeutschlands, schmälern die hohen Wohnkosten diesen Vorteil erheblich. In Wolfsburg bleiben nach der Warmmiete durchschnittlich rund 1.700 Euro mehr übrig als in Hamburg. Selbst in Salzgitter beträgt der Vorsprung fast 1.000 Euro.
Die Zahlen machen deutlich: Wer möglichst viel von seinem Einkommen behalten möchte, findet die attraktivsten Bedingungen derzeit nicht in der größten Stadt des Nordens, sondern in mehreren Städten Niedersachsens. Hier treffen starke Arbeitsmärkte auf vergleichsweise moderate Wohnkosten – eine Kombination, die bundesweit nur selten zu finden ist.
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