Ratgeber

Neue Abgabe für Gutverdiener in Planung? Darum soll wohnen für einige teurer werden

Autorenbild Kilian Treß
immowelt App herunterladen

Wohnen verschlingt immer größere Teile des Einkommens – selbst für Menschen mit Job und stabilem Gehalt. Nun diskutiert die Politik eine Abgabe, die ausgerechnet günstige Mieten verteuern könnte. Warum das vielen Haushalten am Monatsende noch weniger Luft lässt, zeigt ein Blick auf die Pläne.

Wohnen frisst immer mehr vom Einkommen – jetzt droht die nächste Abgabe

Miete, Energie, Lebensmittel, Versicherungen: Für viele Haushalte wird das Leben spürbar teurer, obwohl sie mehr verdienen als noch vor ein paar Jahren. Was lange als individuelles Gefühl galt, bekommt nun eine politische Dimension. Denn ausgerechnet beim Wohnen, dem größten Ausgabenposten, könnte bald eine neue Zusatzbelastung hinzukommen. Im Zentrum steht eine Abgabe, die lange als erledigt galt – und nun ihr Comeback feiert.

Wenn günstiges Wohnen plötzlich zum Problem wird

Die Idee kommt aus dem Bundesbauministerium. Verena Hubertz (SPD) stellt eine einfache Frage in den Raum: Warum sollen Menschen weiter in staatlich geförderten Sozialwohnungen leben, wenn sie längst gut verdienen? Ihr Beispiel ist bewusst zugespitzt. Ein Student zieht mit Wohnberechtigungsschein in eine Sozialwohnung ein, steigt später erfolgreich ins Berufsleben ein – und bleibt trotzdem in der günstigen Wohnung. Genau hier setzt die sogenannte Fehlbelegungsabgabe an. Wer heute mehr verdient, als es die Regeln für den sozialen Wohnungsbau eigentlich erlauben, soll künftig zusätzlich zur Miete eine Abgabe zahlen.

Politischer Wille trifft auf volle Haushaltskassen

Zuständig für die Umsetzung sind die Bundesländer – und dort stößt der Vorschlag nicht überall auf Begeisterung. Dennoch ist die Richtung klar. Hintergrund ist der massive Rückgang an Sozialwohnungen. Innerhalb von knapp 20 Jahren hat sich der Bestand halbiert. Gleichzeitig steigt der Bedarf. Die Fehlbelegungsabgabe soll zwei Dinge leisten: Druck erzeugen, damit besser verdienende Mieter entweder mehr zahlen oder perspektivisch umziehen – und Geld in die Kassen bringen, um neuen sozialen Wohnraum zu schaffen.

Einige Länder sind diesen Weg bereits gegangen. Hessen erhebt die Abgabe seit Jahren, Berlin hatte sie früher ebenfalls, schaffte sie jedoch ab. Nun wird dort erneut über eine Wiedereinführung nachgedacht.

Warum am Monatsende trotzdem weniger übrig bleibt

Was politisch nach Gerechtigkeit klingt, trifft in der Realität oft eine Gruppe, die ohnehin unter Druck steht. Denn viele Haushalte rutschen nicht von heute auf morgen ins „Gutverdiener“-Segment. Sie verdienen mehr als früher, aber längst nicht so viel, dass steigende Lebenshaltungskosten keine Rolle mehr spielen.

Genau hier liegt das Problem: Während Mieten außerhalb des sozialen Wohnungsbaus explodieren, bleibt für viele Menschen kaum eine echte Alternative. Ein Umzug würde deutlich höhere Kosten bedeuten. Die Fehlbelegungsabgabe wird damit für manche zur stillen Zusatzmiete – ohne dass sich die Wohnsituation verbessert.

Eine Abgabe als Symbol einer größeren Schieflage

Die Debatte zeigt vor allem eines: Wohnen wird nicht nur durch steigende Mieten teurer. Es wird teurer durch neue Abgaben, durch knappen Wohnraum und durch politische Versuche, Verteilungskonflikte zu lösen, ohne das Grundproblem zu beheben. Am Ende bleibt für viele Haushalte weniger Geld übrig – nicht trotz Arbeit und Karriere, sondern gerade deshalb. Die Fehlbelegungsabgabe ist damit weniger eine Einzelmaßnahme als ein weiteres Zeichen dafür, wie sehr sich das Wohnen vom Einkommen entkoppelt hat.

(1)
5 von 5 Sternen
5 Sterne
 
1
4 Sterne
 
0
3 Sterne
 
0
2 Sterne
 
0
1 Stern
 
0
Deine Bewertung:

Seite weiterleiten

Artikel drucken

War dieser Artikel hilfreich?

immowelt Redaktionskodex

Die immowelt Redaktion verfügt über ein breites Immobilienwissen und bietet den Lesern sorgfältig recherchierte Informationen in hilfreichen Ratgebertexten. Der Anspruch der immowelt Experten ist es, komplexe Sachverhalte möglichst einfach wiederzugeben. Sämtliche Inhalte werden regelmäßig überprüft und verlässlich aktualisiert. Die immowelt Redaktion kann und darf keine rechtsgültige Beratung leisten. Für rechtsverbindliche Auskünfte empfehlen wir stets den Rat eines Fachanwalts, Eigentümer- oder Mieterverbands einzuholen.

Hier geht es zu unserem Impressum, den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, den Hinweisen zum Datenschutz und nutzungsbasierter Online-Werbung.