Steigende Nebenkosten, weniger Geld für Urlaub und Freizeit und die Angst, keine bezahlbare Wohnung mehr zu finden: Der neue Mietenreport 2026 des Deutschen Mieterbundes zeichnet ein angespanntes Bild. Ein Vergleich mit einer empirica-Studie zeigt allerdings: Manche Belastungen treffen nicht nur Mieter. Auch frisch verschuldete Eigentümer müssen sich stark einschränken. Doch bei einem viel zitierten Vergleich lohnt sich ein genauer Blick.
Der neue Mietenreport 2026 des Deutschen Mieterbundes zeichnet ein angespanntes Bild. Ein Vergleich mit einer empirica-Studie zeigt allerdings: Manche Belastungen treffen nicht nur Mieter.
Auf einen Blick
- Mieter spüren den Kostendruck: 58 % berichten von gestiegenen Wohnkosten. 47 % sorgen sich stark wegen steigender Nebenkosten, 29 % wegen der künftigen Bezahlbarkeit ihrer Miete.
- Hohe Wohnkosten verändern den Alltag: Betroffene Mieter sparen besonders bei Rücklagen (52 %) sowie Urlaub, Kultur und Freizeit (49 %). Ähnliche Konsumeinschränkungen findet empirica bei frisch verschuldeten Eigentümern.
- Mieter und Käufer sind trotzdem nicht gleich belastet: 13,2 % der Marktmieter geben mehr als 40 % ihres Einkommens fürs Wohnen aus. empirica zeigt zwar eine hohe Belastung junger Eigentümer, liefert aber keine direkt vergleichbare 13-%-Quote.
Mieterbund untersucht Wohnkosten
Wohnen wird für viele Haushalte in Deutschland zu einer immer größeren finanziellen Belastung. Das zeigt der neue Mietenreport 2026 des Deutschen Mieterbundes besonders deutlich.
Für den Bericht ließ der Mieterbund im Sommer 2026 insgesamt 1.021 Mieterinnen und Mieter von forsa befragen. Ergänzt werden die Ergebnisse unter anderem durch Daten von Eurostat, EU-SILC und dem Mikrozensus.
Eine Zahl sticht dabei besonders heraus: Die größte Sorge vieler Mieter ist offenbar gar nicht die eigentliche Kaltmiete.
Nebenkosten machen Mietern mehr Sorgen als die Miete
29 Prozent der Mieter machen sich laut Mietenreport große oder sehr große Sorgen, sich ihre Miete künftig nicht mehr leisten zu können. Umgekehrt sagen 38 Prozent, dass sie sich darüber keine Sorgen machen.
Bei den Nebenkosten sieht die Lage deutlich angespannter aus. Hier sorgen sich 47 Prozent stark vor weiteren Steigerungen. Nur 17 Prozent geben an, sich überhaupt keine Sorgen zu machen.
Damit wird deutlich: Für viele Haushalte ist nicht allein die monatliche Miete das Problem. Es sind zunehmend auch Heizkosten, Energie und andere Nebenkosten, die das Budget unter Druck setzen.
Und dieser Druck ist keineswegs theoretisch.
Bei 58 Prozent sind die Wohnkosten bereits gestiegen
58 Prozent der befragten Mieter berichten, dass ihre Wohnkosten innerhalb der vergangenen zwölf Monate gestiegen sind.
Interessant wird es bei der Frage, wie die Haushalte darauf reagieren.
Mehr als die Hälfte der Betroffenen, nämlich 52 Prozent, konnte weniger Geld für Rücklagen oder die Altersvorsorge zurücklegen.
49 Prozent schränkten sich bei Urlaub, Kultur oder Freizeit ein. 46 Prozent sparten bei Kleidung, Möbeln oder Haushaltsgeräten. Ein Viertel reduzierte sogar die Ausgaben für gesunde Lebensmittel, 15 Prozent sparten bei ihrer eigenen Gesundheit.
Steigende Wohnkosten bleiben also nicht innerhalb der eigenen vier Wände. Sie verändern den restlichen Konsum.
Und genau hier ergibt sich eine überraschende Parallele zu einer ganz anderen Gruppe: jungen Wohneigentümern.
Der Mietenreport 2026 zeigt vor allem eines: Für viele Mieter wird Wohnen finanziell enger. Nicht nur die Miete selbst, sondern Nebenkosten, fehlende Ausweichmöglichkeiten und geringe finanzielle Reserven setzen Haushalte unter Druck.
Frischgebackene Eigentümer kennen das Problem ebenfalls
Das Forschungsinstitut empirica hat in seiner Studie „Wohneigentum in Deutschland“ untersucht, wie sich der Kauf einer eigenen Immobilie auf die Konsumausgaben auswirkt.
Dabei betrachtet empirica unter anderem 30- bis 44-jährige Haushalte mit einem Nettoeinkommen zwischen 2.000 und 3.000 Euro im Monat. Besonders interessant sind dabei junge Eigentümer mit hoher Kreditbelastung.
Das Ergebnis: Auch sie müssen ihren Konsum deutlich zurückfahren.
Die betrachteten jungen Eigentümer sparen laut empirica monatlich 537 Euro beziehungsweise 21 Prozent ihres Einkommens. Bei vergleichbaren Mietern sind es lediglich 179 Euro beziehungsweise sieben Prozent.
Nach Wohnkosten bleiben den frischgebackenen Eigentümern dadurch rund 300 Euro weniger für den Konsum.
Allerdings steckt dahinter ein wichtiger Unterschied: Ein Teil dieser Belastung ist die Tilgung des Immobilienkredits. Das Geld ist also nicht einfach „weg“, sondern fließt in den Vermögensaufbau.
Im Alltag macht sich der Unterschied trotzdem bemerkbar.
Urlaub, Restaurants und Freizeit: Hier sparen Eigentümer besonders stark
Für Essen und Getränke außer Haus geben sie beispielsweise 32 Prozent weniger aus. Für Pauschalreisen sind es 39 Prozent weniger, bei Übernachtungen 36 Prozent.
Auch bei Eintrittsgeldern für Freizeit und Kultur liegen ihre Ausgaben 18 Prozent unter denen vergleichbarer Mieter, sagt Empirica-Chef Reiner Braun dazu auf LinkedIn. Die Daten sind zwar nicht 1:1 vergleichbar,
es passt dennoch erstaunlich gut zum Mietenreport. Denn auch dort gehören Urlaub, Kultur und Freizeit zu den ersten Bereichen, in denen Haushalte mit gestiegenen Wohnkosten den Rotstift ansetzen. Der Mieterbund fragt Haushalte, ob sie sich aufgrund steigender Wohnkosten eingeschränkt haben. Empirica vergleicht dagegen tatsächliche Konsumausgaben verschiedener Haushaltsgruppen und versucht strukturelle Unterschiede statistisch herauszurechnen.
Die Daten zeigen: Junge Eigentümer sind anfangs oft stärker durch Wohnkosten belastet als vergleichbare Mieter. Mit zunehmender Tilgung dreht sich das Verhältnis jedoch deutlich.
Jeder Zweite fürchtet, keine bezahlbare Wohnung zu finden
Die größte Sorge vieler Mieter ist nicht der Verlust der aktuellen Wohnung, sondern die Suche nach einer neuen: 50 Prozent fürchten, im Bedarfsfall keine bezahlbare Ersatzwohnung zu finden. Nur zwölf Prozent sorgen sich stark vor Kündigung oder Eigenbedarf.
Das verstärkt den Lock-in-Effekt: Wer günstig wohnt, vermeidet einen Umzug, weil eine neue Wohnung deutlich teurer sein könnte. empirica-Chef Reiner Braun vermutet sogar, dass Paare deshalb häufiger zwei Wohnungen behalten. Der Mietenreport belegt diesen Zusammenhang allerdings nicht.
Mieter und Käufer: Ähnlicher Druck, andere Entwicklung
Auch beim Vergleich mit Eigentümern gibt es Parallelen. 13,2 Prozent der Marktmieter geben mehr als 40 Prozent ihres verfügbaren Einkommens fürs Wohnen aus. Junge Selbstnutzer in der von empirica untersuchten Einkommensgruppe wenden im Schnitt sogar rund 37 Prozent für Wohnkosten auf, gegenüber etwa 26 Prozent bei Mietern.
Die Zahlen sind jedoch nicht direkt vergleichbar: Die 13,2 Prozent beschreiben den Anteil über einer Belastungsgrenze, die 37 Prozent eine durchschnittliche Wohnkostenquote.
Der entscheidende Unterschied zeigt sich langfristig: Mit der Tilgung sinkt die Belastung von Eigentümern. Im Rentenalter wenden Selbstnutzer rund 18 Prozent, schuldenfreie Eigentümer etwa 14 Prozent ihres Einkommens fürs Wohnen auf. Bei Mietern bleibt die Quote bei rund 26 bis 27 Prozent.
Unterm Strich zeigen beide Studien dasselbe Grundproblem: Hohe Wohnkosten verdrängen anderen Konsum. Bei Eigentümern kann dieser Druck mit der Tilgung nachlassen – bei Mietern fehlt dieser Effekt.
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