Ratgeber

Meilenstein für den Wärmemarkt: Katalytisches Wasserstoff-Heizsystem erstmals im Einsatz

Autorenbild Kilian Treß
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Ein deutsches Start-up meldet einen technologischen Durchbruch im Wärmesektor. Das Unternehmen Hyting hat erstmals ein katalytisches, wasserstoffbasiertes Heizsystem in Betrieb genommen.

Ist das eine Weltneuheit, die den Wärmemarkt aufmischen wird? Die neue Anlage des deutschen Start-Ups Hyting arbeitet flammenlos, emissionsfrei und im Verbund mit einer Wärmepumpe. Dieser Ansatz kann langfristig auch für Mehrfamilienhäuser relevant werden können. Anfang Februar 2026 wurde erstmals das „katalytisches Wasserstoff-Luftheizsystem“ in einer realen Umgebung installiert. Die 10-Kilowatt-Anlage versorgt eine rund 1.000 Kubikmeter große Produktionshalle im hessischen Offenbach mit Spitzenwärme. Der benötigte Wasserstoff stammt von einem regionalen Anbieter. Das Unternehmen spricht von der weltweit ersten Inbetriebnahme eines solchen Systems im Kundenbetrieb.

Flammenlose Reaktion ohne Emissionen

Kern der Technologie ist ein katalytisches Verfahren, bei dem Wasserstoff mit Sauerstoff aus der Umgebungsluft reagiert, ohne dass eine Flamme entsteht. Dabei wird Wärme freigesetzt, als einziges Nebenprodukt entsteht Wasserdampf. Emissionen wie Kohlendioxid, Stickoxide oder Feinstaub fallen laut Hyting nicht an. Da das System nach Unternehmensangaben stets mit Wasserstoffkonzentrationen unterhalb der Entflammbarkeitsgrenze arbeitet, gilt es als inhärent sicher. Das Verfahren ist zum Patent angemeldet.

Hybridbetrieb mit Wärmepumpe

Das wasserstoffbasierte Heizmodul ist Teil eines hybriden Systems. In der aktuellen Installation deckt eine Wärmepumpe die Grundlast, während die Wasserstoffeinheit nur bei hohem Wärmebedarf oder niedrigen Außentemperaturen zugeschaltet wird. Auf diese Weise sollen die Vorteile beider Technologien kombiniert werden: hohe Effizienz im Regelbetrieb und zuverlässige Leistung bei Spitzenlasten.

Hyting sieht diesen Ansatz vor allem für Gebäude mit hohem gleichzeitigen Wärmebedarf als sinnvoll, da sich die notwendige elektrische Anschlussleistung begrenzen lässt.

Modularer Aufbau und Skalierbarkeit

Das Heizsystem ist modular konzipiert und kann mit unterschiedlichen Wärmequellen kombiniert werden. Neben Wärmepumpen sind auch industrielle Abwärme oder andere regenerative Quellen möglich. Die 10-Kilowatt-Module lassen sich zu größeren Einheiten zusammenschalten, zudem sind Varianten mit 50 Kilowatt Leistung vorgesehen.

Dadurch eignet sich das System nicht nur für industrielle Anwendungen, sondern auch für größere Gebäudestrukturen mit zentraler Wärmeversorgung.

Perspektive für Mehrfamilienhäuser und Wohnquartiere

Auch wenn der erste Einsatz im industriellen Umfeld erfolgt, sieht Hyting das System ausdrücklich als zukunftsfähige Lösung für den Wohnungssektor. Insbesondere Mehrfamilienhäuser könnten von dem Konzept profitieren. Wärmepumpen würden dort den Großteil des Jahres effizient arbeiten, während das Wasserstoffsystem gezielt Lastspitzen abfängt – etwa an sehr kalten Tagen oder bei gleichzeitig hohem Warmwasserbedarf.

Damit ließe sich eine vollständig fossilfreie Wärmeversorgung realisieren, ohne die elektrische Infrastruktur überdimensionieren zu müssen. Für Wohnungsunternehmen und Quartierslösungen könnte dieser Ansatz langfristig an Bedeutung gewinnen.

Tests und Zulassung bereits abgeschlossen

Vor der Inbetriebnahme absolvierte das Heizsystem einen 2.500-stündigen Dauerbetriebstest bei einem externen Engineering-Dienstleister. Laut Hyting entsprach dies einer Simulation von rund zehn Jahren Betrieb, ohne dass sicherheitsrelevanter Verschleiß festgestellt wurde. Zudem wurde die Anlage nach der europäischen Gasgeräteverordnung geprüft und zertifiziert. Weitere Kundeninstallationen sind für das erste Quartal 2026 angekündigt.

Wasserstoff als Ergänzung zur Wärmepumpe

Ob sich katalytische Wasserstoff-Heizsysteme flächendeckend durchsetzen, hängt wesentlich von der künftigen Verfügbarkeit und den Kosten von Wasserstoff ab. Kurzfristig dürfte der Einsatz auf Standorte mit vorhandener Wasserstoffinfrastruktur beschränkt bleiben. Langfristig zeigt das Projekt jedoch, dass Wasserstoff im Wärmemarkt nicht als Ersatz, sondern als gezielte Ergänzung zur Wärmepumpe gedacht ist – insbesondere für Mehrfamilienhäuser und größere Gebäudekomplexe mit hohem Wärmebedarf.

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