Sie sehen aus wie Kakerlaken, sind aber oft völlig harmlos: Immer mehr Menschen entdecken derzeit Schaben in Haus und Garten. Welche Arten sich jetzt ausbreiten, woran du sie erkennst und wann ein Kammerjäger wirklich nötig ist.
Ungebetene Gäste im Haus: Kakerlaken lösen Ekel und Schaudern aus. Foto: Kate / stock.adobe.com
Schaben werden häufiger – das steckt dahinter
Der Schreck ist riesig. Plötzlich krabbelt eine hellbraune Schabe über den Balkon oder durchs Wohnzimmer – und sofort ist die Sorge groß. Doch nicht jede Schabe ist eine Kakerlake. Tatsächlich breiten sich derzeit zwei unterschiedliche Arten in Deutschland aus: Die harmlose Bernstein-Waldschabe und die deutlich problematischere Deutsche Schabe. Wir erklären, woran du sie erkennst – und wann wirklich Handlungsbedarf besteht.
Immer mehr Menschen entdecken im Sommer schabenähnliche Insekten auf Balkon, Terrasse oder sogar in der Wohnung. Der Grund: Durch die zunehmend warmen Sommer breiten sich einige Arten weiter nach Norden aus.
Besonders häufig sorgt derzeit die Bernstein-Waldschabe (Ectobius vittiventris) für Verunsicherung. Sie stammt ursprünglich aus Südeuropa, fühlt sich inzwischen aber auch in Deutschland wohl. Gleichzeitig gibt es weiterhin die Deutsche Schabe (Blattella germanica) – eine echte Kakerlake, die als Hygieneschädling gilt.
Der Unterschied ist entscheidend: Während die eine völlig harmlos ist, kann die andere ein ernstes Problem darstellen.
Die Bernstein-Waldschabe: Harmloser Sommergast
Eine Schabe aber letztlich ungefährlich ist die Bernstein-Waldschabe (Ectobius vittiventris). Sie verirrt sich zuletzt häufiger in Wohnungen, bildet aber keine Gefahr. Foto: stock.adobe.com / photophlox
Die gute Nachricht zuerst: Findest du eine Bernstein-Waldschabe in deiner Wohnung, besteht meist kein Grund zur Sorge. Die Tiere leben eigentlich draußen – in Gärten, Parks oder Hecken. Besonders an warmen Sommerabenden werden sie vom Licht angezogen und fliegen durch geöffnete Fenster oder Balkontüren ins Haus.
Das zeichnet die Bernstein-Waldschabe aus:
- etwa 10 bis 15 Millimeter groß
- hellbraun bis bernsteinfarben
- durchscheinende Flügel
- kann fliegen
- auch tagsüber aktiv
- lebt normalerweise im Freien
Für Menschen ist sie völlig ungefährlich. Sie:
- überträgt keine Krankheiten,
- befällt keine Lebensmittel,
- vermehrt sich in Wohnungen praktisch nicht,
- stirbt meist nach wenigen Tagen oder findet selbst wieder nach draußen.
Wer eine Bernstein-Waldschabe entdeckt, kann sie einfach mit einem Glas einfangen und wieder ins Freie setzen.
Die Deutsche Schabe: Hier solltest du sofort handeln
Die Deutsche Schabe gilt als Schädling und kann Keime übertragen – schnelles Handeln ist wichtig. Foto: iStock.com / Erikkarits
Ganz anders verhält es sich bei der Deutschen Schabe. Sie zählt zu den klassischen Kakerlaken und fühlt sich besonders in warmen, feuchten Innenräumen wohl. Tagsüber versteckt sie sich hinter Schränken, unter Kühlschränken oder in Küchenzeilen und wird meist erst nach Einbruch der Dunkelheit aktiv.
Typische Merkmale der Deutschen Schabe sind:
- zwei dunkle Längsstreifen auf dem Halsschild hinter dem Kopf,
- eine dunklere braune Färbung,
- weniger transparente Flügel,
- fehlende Flugfähigkeit,
- ausgeprägte Lichtscheu.
Im Gegensatz zur harmlosen Bernstein-Waldschabe ernährt sie sich von Lebensmittelresten und Abfällen. Dabei kann sie Keime und Krankheitserreger verbreiten. Hinzu kommt ihre enorme Vermehrungsrate: Aus wenigen Tieren kann innerhalb weniger Monate ein größerer Befall entstehen. Wer Deutsche Schaben entdeckt, sollte deshalb möglichst früh einen Schädlingsbekämpfer einschalten.
Bernstein-Waldschabe oder Deutsche Schabe? Die wichtigsten Unterschiede
| Merkmal | Bernstein-Waldschabe | Deutsche Schabe |
|---|---|---|
| Lebensraum | Garten, Balkon, draußen | Wohnungen, Küchen, Keller |
| Fliegen | Ja | Nein |
| Aktivität | Auch tagsüber | Fast nur nachts |
| Krankheiten | Keine bekannte Übertragung | Kann Keime übertragen |
| Lebensmittelbefall | Nein | Ja |
| Vermehrung in Wohnungen | Praktisch ausgeschlossen | Sehr schnell |
| Bekämpfung nötig? | Nein | Ja |
Warum die Bernstein-Waldschabe immer häufiger auftaucht
Dass die Bernstein-Waldschabe inzwischen in vielen Regionen Deutschlands häufiger zu sehen ist, hat einen einfachen Grund: Sie profitiert von den immer wärmeren Sommern und den zunehmend milden Wintern. Experten sehen den Klimawandel als wichtigen Treiber ihrer Ausbreitung.
Vor allem nach längeren Hitzeperioden tauchen die Tiere vermehrt auf Balkonen, Terrassen und an Hausfassaden auf. Da sie von Licht angezogen werden, fliegen sie an warmen Sommerabenden häufig durch geöffnete Fenster oder Türen in Wohnungen. Dort bleiben sie jedoch meist nur kurz und suchen anschließend wieder den Weg ins Freie.
Was tun, wenn eine Schabe in der Wohnung auftaucht?
Nicht jede Schabe bedeutet automatisch einen Schädlingsbefall. Bleib zunächst ruhig und beobachte das Tier genau. Spricht alles für eine Bernstein-Waldschabe, genügt es meist, sie nach draußen zu setzen und Fenster abends mit einem Insektenschutz zu sichern.
Wird die Schabe dagegen ausschließlich nachts entdeckt, versteckt sich sofort bei Licht oder treten gleich mehrere Tiere auf, solltest du genauer hinschauen. In diesem Fall könnte es sich um Deutsche Schaben handeln.
Fazit: Erst bestimmen, dann reagieren
Auch wenn Schaben bei vielen Menschen sofort Ekel auslösen, ist Panik meistens unbegründet. Die derzeit besonders häufig auftretende Bernstein-Waldschabe ist ein harmloser Gartenbewohner, der sich nur versehentlich in Wohnungen verirrt.
Erst wenn typische Merkmale der Deutschen Schabe auftreten oder mehrere Tiere regelmäßig im Haus erscheinen, besteht Handlungsbedarf. Deshalb gilt: Genau hinschauen statt vorschnell den Kammerjäger rufen. Oft handelt es sich lediglich um einen ungebetenen, aber völlig ungefährlichen Sommergast.
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