Zinspolitik

Inflation in der EU steigt auf 3,3 Prozent: EZB-Zinserhöhung wird wahrscheinlicher: Was das für Immobilienkäufer bedeutet

Autorenbild Kilian Treß

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins wie erwartet um 0,25 Prozentpunkte auf 2,75 Prozent gesenkt. Trotz steigender Inflation und entgegen dem Vorbild aus den USA.

Die Inflation im Euroraum zieht wieder deutlich an. Nach der aktuellen Schnellschätzung des europäischen Statistikamts Eurostat lagen die Verbraucherpreise im August 2026 um 3,3 Prozent über dem Vorjahresniveau. Im Juli hatte die Inflationsrate noch bei 2,9 Prozent gelegen. Damit entfernt sich die Teuerung wieder deutlich vom mittelfristigen Zwei-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB).

Haupttreiber sind derzeit die Energiepreise. Sie lagen im August laut Eurostat voraussichtlich 14,3 Prozent höher als ein Jahr zuvor – nach bereits 10,3 Prozent im Juli. Bei den übrigen großen Komponenten fällt der Preisanstieg wesentlich geringer aus: Dienstleistungen verteuerten sich um 3,0 Prozent, Industriegüter ohne Energie um 1,2 Prozent und Lebensmittel, Alkohol und Tabak ebenfalls um 1,2 Prozent. Der aktuelle Inflationsschub geht damit zu einem erheblichen Teil auf die stark gestiegenen Energiepreise zurück.

Für die EZB erhöht das den Handlungsdruck. Eine weitere Zinserhöhung gilt inzwischen als wahrscheinlich. An den Finanzmärkten wird damit gerechnet, dass die Notenbank den Leitzins bei ihrer nächsten Sitzung auf 2,5 Prozent anheben könnte. Beschlossen ist das allerdings noch nicht: Die EZB entscheidet erst in der kommenden Woche über ihren weiteren geldpolitischen Kurs.

Für den Immobilienmarkt wäre eine weitere Zinserhöhung vor allem für Käufer und Bauherren relevant. Höhere Leitzinsen führen zwar nicht automatisch im gleichen Verhältnis zu höheren Bauzinsen. Bleibt das Zinsniveau jedoch länger hoch oder rechnen die Kapitalmärkte mit weiteren Zinsschritten, kann sich die Immobilienfinanzierung verteuern. Bei gleicher monatlicher Rate sinkt dann die Kreditsumme, die sich Haushalte leisten können. Das kann wiederum die Nachfrage nach Häusern und Wohnungen bremsen und den Preisanstieg am Immobilienmarkt dämpfen.

Deutschland mit moderater Steigerung

Inflation im Euroraum: Deutschland bleibt unter dem Durchschnitt

Harmonisierte Inflationsrate im August 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat

Deutschland: 2,9 %
Euroraum insgesamt: 3,3 %
Litauen
5,8 %
Zypern
5,2 %
Bulgarien
5,1 %
Spanien
4,5 %
Belgien
4,2 %
Euroraum
3,3 %
Deutschland
2,9 %
Frankreich
2,7 %
Finnland
2,4 %
Malta
1,9 %
Estland
1,3 %

Quelle: Eurostat, Schnellschätzung für August 2026. Werte zeigen die jährliche Veränderung des harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI/HICP).

In Deutschland fällt der Inflationsanstieg bislang vergleichsweise moderat aus. Die harmonisierte Inflationsrate stieg von 2,8 Prozent im Juli auf 2,9 Prozent im August 2026. Damit liegt Deutschland unter dem Durchschnitt des Euroraums von 3,3 Prozent. In mehreren Ländern ist der Preisdruck deutlich stärker: In Litauen lag die Inflation zuletzt bei 5,8 Prozent, in Zypern bei 5,2 Prozent und in Bulgarien bei 5,1 Prozent. Die Entwicklung zeigt, dass der Inflationsdruck innerhalb der Eurozone sehr unterschiedlich ausfällt.

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