Hagelstürme nehmen zu – und treffen immer häufiger auch Hausdächer. Doch was bedeutet das für Photovoltaikanlagen? Die Sorge vor zerstörten Modulen ist groß, die tatsächliche Gefahr fällt jedoch oft geringer aus als gedacht.
Beschädigte Photovoltaikmodule nach einem schweren Hagelunwetter: Moderne PV-Anlagen gelten zwar als robust und sind gegen normale Hagelereignisse zertifiziert, bei extrem großen Hagelkörnern kann es jedoch zu Glasbrüchen kommen. Foto: istock.com / parilov
Hagel gilt als Risiko, trifft PV-Anlagen aber selten hart
Photovoltaikmodule gelten zwar als hagelgefährdet, sind in der Praxis aber deutlich robuster als viele vermuten. Die meisten in Deutschland verbauten Anlagen sind nach der Norm IEC 61215 zertifiziert und müssen strenge Belastungstests bestehen. Dabei werden unter anderem Eiskugeln mit 25 Millimetern Durchmesser und rund 80 km/h auf die Module geschossen. Viele Hersteller weisen zusätzlich Hagelschutzklassen aus: Module der Klasse HW 3 halten Hagelkörnern bis 30 Millimeter stand, Spitzenmodelle mit HW 4 sogar bis 40 Millimeter. Erst bei extremen Unwettern mit sehr großen Hagelkörnern steigt das Risiko für sichtbare Glasbrüche deutlich an.
Schäden entstehen oft unsichtbar und wirken erst später
Wenn es doch zu Beschädigungen kommt, sind diese nicht immer sofort erkennbar. Während gebrochenes Glas oder verbogene Rahmen direkt auffallen, bleiben feine Mikrorisse in den Solarzellen häufig zunächst unbemerkt. Gerade diese kleinen Schäden können langfristig problematisch werden. Sie schwächen die Struktur der Module und führen mit der Zeit zu Leistungsverlusten. In vielen Fällen sinkt die Stromproduktion nur leicht, doch über Jahre hinweg kann sich der Effekt summieren.
Ein Blick auf Untersuchungen zeigt, dass wetterbedingte Schäden wie Hagel oder Gewitter vergleichsweise selten zu messbaren Leistungseinbußen führen. Selbst wenn ein Schaden vorliegt, bleibt der Verlust häufig gering.
Versicherungsschutz entscheidet im Ernstfall über die Kosten
Kommt es nach einem Hagelsturm tatsächlich zu einem Schaden, stellt sich schnell die Frage nach der Kostenübernahme. In vielen Fällen greift die Wohngebäudeversicherung, da Photovoltaikanlagen als fester Bestandteil des Gebäudes gelten.
Allerdings hängt der Schutz stark vom jeweiligen Vertrag ab. Während neuere Policen PV-Anlagen oft automatisch einschließen, müssen sie bei älteren Verträgen teilweise gesondert aufgenommen werden. Wer zusätzlich abgesichert sein möchte, kann eine spezielle Photovoltaikversicherung abschließen, die auch Ertragsausfälle oder weitere Risiken abdeckt.
Für kleinere Anlagen wie Balkonkraftwerke gelten häufig andere Regeln. Hier kommt meist die Hausratversicherung ins Spiel, sofern die Anlage fest installiert ist. Auch hier lohnt sich ein genauer Blick in die Vertragsbedingungen.
Am Ende zeigt sich: Hagel gehört zu den Risiken, die bei Photovoltaik mitgedacht werden sollten. In der Realität bleiben schwere Schäden jedoch die Ausnahme. Entscheidend ist weniger das Wetter selbst als die Qualität der Module und der eigene Versicherungsschutz.
Geschrieben am 10.05.2026
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