Trotz hoher Zinsen und teurer Kaufnebenkosten griffen Immobilienkäufer 2025 wieder zu. Die Einnahmen durch die Grunderwerbsteuer stiegen kräftig – und zeigen, wo und warum der Markt wieder in Bewegung kam.
Die Transaktionen ziehen wieder an, das zeigt der Blick auf die Grunderwerbssteuer 2025. Foto: iStock.com / BrianAJackson
15,1 Milliarden Euro Grunderwerbsteuer – ein deutliches Plus
Hohe Bauzinsen, geopolitische Unsicherheiten und lange Zeit steigende Preise hatten den deutschen Immobilienmarkt zuletzt ausgebremst. Umso überraschender fällt der Blick auf die aktuellen Zahlen zur Grunderwerbsteuer aus. Sie zeigen: 2025 wechselten wieder deutlich mehr Immobilien den Eigentümer als im Jahr zuvor.
Bundesweit nahmen die Länder 2025 insgesamt 15,1 Milliarden Euro aus der Grunderwerbsteuer ein. Im Jahr 2024 waren es 12,75 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 18,4 Prozent innerhalb eines Jahres. Die Steuer fällt ausschließlich bei tatsächlichen Kaufverträgen an und gilt daher als verlässlicher Indikator für die Aktivität am Markt.
Preise allein erklären den Anstieg nicht
Dieses Plus lässt sich nicht allein mit steigenden Preisen erklären. Laut immowelt-Preiskompass legten die Angebotspreise für Eigentumswohnungen 2025 auf Jahressicht um 4,6 Prozent, für Häuser um 2,0 Prozent zu. Selbst wenn man Unterschiede zwischen Angebots- und erzielten Preisen berücksichtigt, reicht diese Entwicklung nicht aus, um den kräftigen Zuwachs bei der Grunderwerbsteuer zu erklären.
NRW als Treiber – trotz hoher Grunderwerbsteuer
Besonders sichtbar wird das in den großen Bundesländern. In Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Land, stiegen die Einnahmen aus der Grunderwerbsteuer um mehr als 1,2 Milliarden Euro beziehungsweise 53 Prozent. Auffällig ist dabei: NRW gehört mit einem Steuersatz von 6,5 Prozent zu den Ländern mit der höchsten Grunderwerbsteuer bundesweit. Trotzdem wurde dort 2025 deutlich mehr gekauft als im Jahr zuvor.
Das widerspricht der oft geäußerten Annahme, eine hohe Grunderwerbsteuer halte Käufer grundsätzlich vom Markt fern. Zumindest 2025 scheint dieser Effekt ausgeblieben zu sein. Trotz hoher Erwerbsnebenkosten kehrten Käufer in großer Zahl zurück – offenbar getrieben von anderen Faktoren als der reinen Steuerbelastung.
Bayern zeigt: Niedrige Steuersätze garantieren keine Kaufdynamik
Ein Blick nach Bayern zeigt, dass der Zusammenhang nicht linear ist. Dort liegt die Grunderwerbsteuer mit 3,5 Prozent auf dem niedrigsten Niveau aller Bundesländer. Dennoch fiel der Zuwachs bei den Einnahmen mit 9 Prozent vergleichsweise gering aus – auf einem ähnlichen Niveau wie in Berlin. Das deutet darauf hin, dass ein niedriger Steuersatz allein keine Garantie für steigende Kaufzahlen ist.
Starke Zuwächse auch jenseits der Metropolen
Neben Nordrhein-Westfalen entwickelten sich auch andere Länder dynamisch. In Hessen legten die Einnahmen um 48 Prozent zu, in Niedersachsen sogar um mehr als 80 Prozent. Schleswig-Holstein verzeichnete einen Zuwachs von über 120 Prozent. Diese Entwicklungen sprechen dafür, dass vor allem in klassischen Eigenheimregionen wieder mehr Kaufentscheidungen getroffen wurden.
Überraschend stark fiel der Anstieg auch in kleineren Ländern aus. Bremen verdoppelte sein Aufkommen nahezu, das Saarland legte um rund 50 Prozent zu. Auch Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern verzeichneten zweistellige Zuwächse. Lediglich Thüringen stagnierte nahezu.
Rheinland-Pfalz als Negativausreißer
Ein klarer Negativausreißer ist Rheinland-Pfalz. Dort gingen die Einnahmen aus der Grunderwerbsteuer um 6,8 Prozent zurück. Das deutet darauf hin, dass die Zahl der Transaktionen hier 2025 spürbar geringer war als im Vorjahr.
| Bundesland | Steuersatz | 2024 | 2025 | Veränderung | Abweichung |
|---|---|---|---|---|---|
| Nordrhein-Westfalen | 6,5 % | 2.343.184 | 3.592.702 | +1.249.518 | +53,3 % |
| Bayern | 3,5 % | 1.745.490 | 1.904.625 | +159.135 | +9,1 % |
| Baden-Württemberg | 5,0 % | 1.815.638 | 2.161.960 | +346.322 | +19,1 % |
| Hessen | 6,0 % | 946.023 | 1.399.680 | +453.657 | +48,0 % |
| Niedersachsen | 5,0 % | 691.288 | 1.274.168 | +582.880 | +84,3 % |
| Schleswig-Holstein | 6,5 % | 329.922 | 728.680 | +398.758 | +121,0 % |
| Hamburg | 5,5 % | 403.733 | 530.772 | +127.039 | +31,5 % |
| Bremen | 5,0 % | 58.274 | 116.423 | +58.149 | +99,8 % |
| Berlin | 6,0 % | 910.834 | 990.911 | +80.077 | +8,8 % |
| Brandenburg | 6,5 % | 353.777 | 512.396 | +158.619 | +44,8 % |
| Mecklenburg-Vorpommern | 6,0 % | 198.199 | 227.197 | +28.998 | +14,6 % |
| Sachsen | 3,5 % | 389.519 | 495.516 | +105.997 | +27,2 % |
| Sachsen-Anhalt | 5,0 % | 184.482 | 210.760 | +26.278 | +14,2 % |
| Thüringen | 6,5 % | 145.619 | 145.166 | −453 | −0,3 % |
| Rheinland-Pfalz | 5,0 % | 679.607 | 633.218 | −46.389 | −6,8 % |
| Saarland | 6,5 % | 114.995 | 172.866 | +57.871 | +5 |
Warum viele Käufer nicht länger gewartet haben
Erklären lässt sich die Rückkehr der Käufer auch mit dem Verhalten der vergangenen Jahre. Viele Haushalte hatten in der Post-Corona-Phase abgewartet, ob die Zinsen wieder deutlich sinken würden. Diese Hoffnung erfüllte sich nur teilweise. Gleichzeitig nahmen die globalen Unsicherheiten zu – von Kriegen über politische Risiken bis hin zu schwankenden Anleihemärkten. Für viele Käufer dürfte 2025 daher der Punkt gewesen sein, an dem weiteres Abwarten als größeres Risiko erschien als der Kauf selbst.
Neue Perspektive in der Steuerdebatte
Die Zahlen fallen in eine Phase, in der erneut über eine Senkung oder gezielte Entlastung bei der Grunderwerbsteuer diskutiert wird, insbesondere mit Blick auf Erstkäufer und junge Haushalte. Die Entwicklung des Jahres 2025 zeigt jedoch: Der Immobilienmarkt ist wieder in Bewegung geraten – auch dort, wo die Steuerbelastung besonders hoch ist. Umgekehrt lässt sich aus niedrigen Steuersätzen nicht automatisch auf eine höhere Kaufdynamik schließen.
Damit liefert die Grunderwerbsteuer einen selten klaren Blick auf den Markt: Nicht die Preise allein, nicht der Steuersatz allein, sondern vor allem die Entscheidung der Käufer bestimmt, ob und wo wieder gekauft wird.
Geschrieben am 03.02.2026
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