Eingefrorene Anlagen, austretende Gase. Viele Nutzer von Wärmepumpen beklagen gerade die Sorgen, dass ihr Gerät explodieren könnte. Was ist dran an der Gerüchten?
Explosion bei Defekt durch Frost? Das kann mit deiner Wärmepumpe wirklich passieren. Foto: stock.adobe.com / Cedric
Dauerfrost, Schnee und regionale Stromausfälle sorgen derzeit bei vielen Hausbesitzern für Verunsicherung. Besonders Besitzer von Wärmepumpen fragen sich, ob ihre Heiztechnik bei anhaltender Kälte Schaden nehmen kann und ob tatsächlich eine Explosionsgefahr besteht. Berichte über eingefrorene Anlagen und austretendes Gas befeuern die Sorge. Doch wie realistisch ist dieses Szenario wirklich?
Ohne Strom steht auch die Wärmepumpe still
Wie jede moderne Heizungsanlage ist auch die Wärmepumpe auf Strom angewiesen. Fällt die Versorgung aus, arbeiten weder Umwälzpumpen noch Heizstäbe. Hält ein Stromausfall über viele Stunden an und herrschen gleichzeitig starke Minusgrade, kann das problematisch werden. Vor allem bei Luft-Wasser-Wärmepumpen, die außen aufgestellt sind, drohen Frostschäden, wenn kein aktiver Schutz greift.
Entscheidend ist dabei nicht das Kältemittel, sondern das Wasser im System. Friert es ein, dehnt es sich aus und kann Leitungen, Wärmetauscher oder den Verdampfer beschädigen. Solche Schäden sind nicht auf Wärmepumpen beschränkt, sondern können grundsätzlich jede wasserführende Heizungsanlage treffen.
Propan als Kältemittel sorgt für Unsicherheit
Viele moderne Wärmepumpen arbeiten mit dem Kältemittel Propan, auch als R290 bekannt. Es gilt als effizient, klimafreundlich und kostengünstig. Gleichzeitig ist Propan brennbar, was bei Laien schnell den Eindruck einer erhöhten Gefahr entstehen lässt.
Damit es tatsächlich zu einer Explosion kommt, müssten jedoch mehrere extrem unwahrscheinliche Faktoren gleichzeitig eintreten. Das Kältemittel müsste durch einen Schaden aus dem geschlossenen Kreislauf austreten, gezielt ins Gebäude gelangen, sich dort in ausreichender Konzentration sammeln und anschließend durch einen Funken entzündet werden. Fachverbände halten dieses Szenario bei normgerecht installierten Anlagen für nahezu ausgeschlossen.
Wann Frostschäden überhaupt entstehen können
Damit eine Wärmepumpe ernsthaft Schaden nimmt, müssen mehrere ungünstige Bedingungen zusammenkommen. Dazu zählen anhaltender starker Frost über viele Stunden oder Tage, ein längerer Stromausfall, unzureichende Dämmung der Leitungen und fehlende Frostschutzmaßnahmen. Ist das System korrekt installiert und geschützt, führt selbst ein Stromausfall im Winter nicht automatisch zu einem Defekt.
Experten weisen zudem darauf hin, dass nicht das Kältemittel einfriert. Moderne Kältemittel sind so ausgelegt, dass sie auch bei sehr niedrigen Temperaturen funktionsfähig bleiben. Gefährdet sind vielmehr wasserführende Bauteile und empfindliche Elektronik.
So lassen sich Risiken deutlich reduzieren
Hausbesitzer können selbst einiges tun, um ihre Wärmepumpe winterfest zu machen. Dazu gehört eine gute Dämmung aller wasserführenden Leitungen, der Einsatz von Frostschutzventilen und gegebenenfalls Frostschutzmitteln wie Glykol im Heizsystem. Auch eine Notentleerung kann sinnvoll sein, falls kein automatischer Frostschutz vorhanden ist.
Bereits beim Kauf lohnt es sich, auf robuste Geräte und hochwertige Wärmetauscher zu achten. Wer unsicher ist, sollte Maßnahmen niemals eigenständig durchführen, sondern den Fachbetrieb einbeziehen. Unsachgemäßes Abschalten oder Entleeren kann mehr schaden als nützen.
Keine reale Explosionsgefahr bei sachgemäßem Betrieb
Der Bundesverband Wärmepumpe betont, dass bei fachgerecht installierten und betriebenen Anlagen keine relevante Explosionsgefahr besteht. Das Restrisiko sei vergleichbar mit dem einer klassischen Gasheizung. Die in Wärmepumpen enthaltene Propanmenge ist zudem sehr gering und reicht in der Regel nicht aus, um unter realistischen Bedingungen ein explosives Gemisch zu bilden.
Unterm Strich gilt: Wärmepumpen sind auch bei strengen Wintern sicher. Dauerfrost und Stromausfälle stellen zwar eine Belastung dar, führen aber nur unter außergewöhnlichen Umständen zu ernsthaften Schäden. Panik ist nicht angebracht, gezielte Vorsorge dagegen schon.
Geschrieben am 11.01.2026
100% der Leser fanden diesen Artikel hilfreich
Seite weiterleiten
Artikel drucken