Als sein Vermieter die alte Ölheizung ersetzen wollte, war Heinz dagegen. Eine Wärmepumpe erschien dem 72-Jährigen teuer und unsicher. Nach dem Umbau stieg zudem die Kaltmiete für ihn und seine Frau Marion um 250 Euro im Monat. Das erste Betriebsjahr liefert nun eine überraschende Rechnung.
Immer mehr Mieter müssen sich an eine Wärmepumpe gewöhnen. Foto: Pixim Stock / stock.adobe.com
Das Ehepaar wohnt zur Miete in einer 150 Quadratmeter großen Doppelhaushälfte. Der Vermieter ließ dort eine Luft/Wasser-Wärmepumpe, eine Photovoltaikanlage mit zehn Kilowatt-Peak Leistung und einen Batteriespeicher installieren. Heinz und Marion zahlen im Zuge der Mieterhöhung nach Modernisierung 1.250 statt 1.000 Euro Kaltmiete pro Monat. Allein das macht 3.000 Euro zusätzliche Mietkosten im Jahr.
„Von einer Wärmepumpe wollte ich nichts wissen“, sagt Heinz rückblickend. Er befürchtete, neben der höheren Miete auch noch hohe Stromrechnungen bezahlen zu müssen. Inzwischen liegen die Verbrauchswerte eines vollständigen Betriebsjahres vor. Das überraschende Ergebnis: Heinz und Marion sparen im Jahr trotz Mieterhöhung 720 Euro.
Überraschung: Wärmepumpe spart Geld
Die Wärmepumpe erzeugte in diesem Jahr rund 22.500 Kilowattstunden Wärme. Dafür benötigte sie etwa 6.620 Kilowattstunden Strom. Ihre Jahresarbeitszahl liegt damit bei 3,4: Im Jahresmittel entstanden aus einer Kilowattstunde Strom 3,4 Kilowattstunden Wärme.
Hinzu kamen knapp 3.000 Kilowattstunden für den gewöhnlichen Haushaltsstrom. Insgesamt brauchten Heinz und Marion also rund 9.600 Kilowattstunden Strom. Etwa 40 Prozent davon konnten sie mit der Solaranlage und dem Speicher selbst decken. Die übrigen rund 5.760 Kilowattstunden bezogen sie aus dem Netz. Bei einem Preis von 30 Cent pro Kilowattstunde ergibt das Stromkosten von etwa 1.730 Euro im Jahr – für Heizung und Haushalt zusammen.
Der Batteriespeicher hilft dabei, tagsüber erzeugten Solarstrom auch am Abend zu nutzen. Den höheren Wärmebedarf im Winter kann er allerdings nicht mit Sonnenstrom aus dem Sommer decken. Wie viel Netzstrom das Paar künftig benötigt, hängt deshalb auch vom Wetter, vom tatsächlichen Verbrauch ab und dem Strompreis zusammen.
Tipp: Stromanbieter regelmäßig wechseln und durch Neukunden-Boni den Strompreis niedrig halten.
Ölheizung ist auf Dauer nicht mehr wirtschaftlich
Um die erzeugte Wärmemenge mit der alten Ölheizung bereitzustellen, wären bei einem angenommenen Jahresnutzungsgrad von 85 Prozent rechnerisch rund 2.650 Liter Heizöl nötig gewesen. Bei einem Ölpreis von 1,72 Euro je Liter entspräche das etwa 4.560 Euro im Jahr. Dazu kämen rund 900 Euro für 3.000 Kilowattstunden Haushaltsstrom zum angenommenen Preis von 30 Cent je Kilowattstunde.
In diesem Preisvergleich stehen damit etwa 5.460 Euro für Öl und Haushaltsstrom den rund 1.730 Euro für den heutigen Netzstrombezug gegenüber. Die Differenz beträgt ungefähr 3.730 Euro im Jahr. Nach Abzug der zusätzlichen 3.000 Euro Kaltmiete bliebe dem Paar ein Vorteil von rund 730 Euro – gut 60 Euro im Monat beziehungsweise 720 Euro Ersparnis im Jahr. Und die dürfte weiter anwachsen, denn die Heizkosten für Gas- und Ölheizungen könnten sich bis 2045 verdoppeln, wie co2online im Heizspiegel 2026 prognostiziert.
Für Heinz hat sich der Blick auf die Wärmepumpe verändert. „Ich habe damals nur die 250 Euro mehr Miete gesehen“, sagt er. „Heute sehe ich, was ich nicht mehr für Öl ausgebe.“
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