Ratgeber

Wallbox statt Zapfsäule: Warum der Run auf E-Autos jetzt erst richtig beginnt

Autorenbild Kilian Treß
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Der Tankrabatt soll Autofahrer entlasten – doch die Rechnung geht für viele nicht auf. Während Benzin und Diesel weiter teuer bleiben, zeigen neue Zahlen: Wer ein E-Auto fährt und zu Hause lädt, ist deutlich günstiger unterwegs. Gleichzeitig ziehen die Verkaufszahlen wieder an. Steht der nächste Boom bevor?

Tankrabatt verpufft: E-Auto bleibt klar günstiger

Die Bundesregierung senkt ab Mai für zwei Monate die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um rund 17 Cent pro Liter. Was zunächst nach spürbarer Entlastung klingt, relativiert sich schnell beim Blick auf die tatsächlichen Kosten.

Denn selbst mit Tankrabatt bleibt das Fahren mit Verbrenner deutlich teurer als mit einem Elektroauto. Laut aktuellen Berechnungen kostet eine Strecke von 100 Kilometern mit einem Benziner im Schnitt 15,56 Euro. Mit Rabatt sinkt dieser Wert lediglich auf etwa 14,25 Euro.

Dem Verbrenner gegenüber steht das E-Auto: Wer zu Hause lädt, zahlt im Schnitt nur 7,34 Euro für dieselbe Strecke. Das ist weniger als die Hälfte, berechnet 1KOMMA5°,      ein Experte klimaneutraler Energielösungen für Privathaushalte.

Auch Diesel-Fahrer schneiden kaum besser ab. Ohne Rabatt liegen die Kosten bei rund 15,12 Euro pro 100 Kilometer, mit Rabatt bei etwa 13,93 Euro – ebenfalls deutlich über dem Niveau eines E-Autos.

Die Gründe dafür sind strukturell:
Steigende Ölpreise durch geopolitische Krisen, etwa den Iran-Konflikt, treiben die Kosten weiter nach oben. Selbst staatliche Eingriffe wie der Tankrabatt können diesen Trend nur kurzfristig dämpfen. Zumal dieser Eingriff in die Benzinpreise von Ökonomen kritisiert wird: Man senke zwar kurzfristig die Preise, die Nachfrage werde dadurch aber nicht gesenkt, was bei einem fallenden Angebot bedingt durch die Irankrise eher preistreibend wirken sollte. 

Beim Strom hingegen bleibt die Lage stabiler. Zwar sind auch hier Preise gestiegen, doch die Unterschiede zum Verbrenner sind inzwischen so groß, dass selbst höhere Strompreise den Kostenvorteil nicht ausgleichen können.

Sogar öffentliche Ladesäulen sind billiger

Das zeigt sich besonders deutlich an öffentlichen Ladesäulen. Selbst dort, wo Strom deutlich teurer ist als zu Hause, bleibt das E-Auto günstiger. Bei einem Preis von 60 Cent pro kWh entstehen Kosten von rund 11,90 Euro pro 100 Kilometer – immer noch etwa 16 Prozent weniger als beim Benziner trotz Tankrabatt.

Der vermeintliche Vorteil für Verbrenner entpuppt sich damit als kurzfristige Entlastung ohne nachhaltigen Effekt.

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Wallbox, Solar, Smart Charging: Hier liegt das echte Sparpotenzial

Richtig spannend wird es beim Blick auf das volle Potenzial der Elektromobilität. Denn die größten Einsparungen entstehen nicht einfach durch den Umstieg auf ein E-Auto, sondern durch das Zusammenspiel mit eigener Energieversorgung.

Wer eine Photovoltaikanlage nutzt und sein Auto mit selbst erzeugtem Strom lädt, senkt die Kosten drastisch. In Kombination mit Batteriespeicher und intelligenter Steuerung sind durchschnittliche Strompreise von rund 12 Cent pro kWh realistisch, heißt es bei 1KOMMA5°

Das Ergebnis: nur noch 2,38 Euro pro 100 Kilometer.

Damit wird Autofahren plötzlich extrem günstig – bis zu 85 Prozent billiger als mit einem klassischen Benziner.

Der entscheidende Hebel ist die sogenannte intelligente Steuerung. Systeme analysieren Strompreise und entscheiden automatisch, wann geladen wird:
tagsüber mit Solarstrom vom eigenen Dach oder nachts, wenn Börsenstrom besonders günstig ist.      Berichte auf Reddit zeigen, wie schon im Frühling die Sonnenenergie das Haus versorgt, Batterie und Auto lädt und sogar noch Energie ins Stromnetz eingespeist wird.

Für Verbraucher bedeutet das:
kein Aufwand, aber maximale Ersparnis.

Genau hier kommt die Wallbox ins Spiel. Sie ist die Schnittstelle zwischen Haus, Stromsystem und Auto. Ohne eigene Ladelösung lassen sich viele dieser Vorteile gar nicht nutzen.

Und genau deshalb steigt aktuell das Interesse deutlich. Wer bereits ein E-Auto besitzt oder den Umstieg plant, denkt zunehmend über die Installation einer Wallbox nach.

Denn während Spritpreise weiterhin schwanken, lässt sich der eigene Strompreis zu Hause zumindest teilweise kontrollieren.

E-Auto-Comeback: Warum die Nachfrage wieder anzieht

Parallel zu dieser Kostenentwicklung zeigt sich ein klarer Trend am Markt: Das Interesse an Elektroautos zieht wieder an.

Ein Blick auf Tesla reicht, um diese Dynamik zu erkennen. Nach einer Phase der Kritik und schwächerer Nachfrage steigen die Verkaufszahlen in Deutschland wieder. Subventionen, sinkende Einstiegspreise und die wachsende Ladeinfrastruktur sorgen für neuen Rückenwind.

Doch der wichtigste Treiber dürfte ein anderer sein: die laufenden Kosten.

Gerade Vielfahrer spüren den Unterschied sofort im Geldbeutel. Wer täglich pendelt oder beruflich viel unterwegs ist, spart mit einem E-Auto schnell mehrere hundert Euro im Monat.

Das verändert die Wahrnehmung grundlegend. Während Elektroautos lange als teure Zukunftstechnologie galten, rücken sie nun zunehmend als wirtschaftlich sinnvolle Alternative in den Fokus.

Hinzu kommt ein psychologischer Effekt:
Steigende Benzinpreise wirken direkt an der Zapfsäule – sichtbar und schmerzhaft. Stromkosten hingegen sind weniger präsent und oft planbarer. Das verstärkt den Trend zusätzlich.

Auch politisch bleibt der Druck hoch, fossile Energien zu reduzieren. Maßnahmen wie der Tankrabatt wirken daher eher wie kurzfristige Übergangslösungen, während der langfristige Kurs klar Richtung Elektromobilität zeigt.

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