Energie

Wärmepumpe schlägt mit niedrigem Stromverbrauch Gas- und Ölheizungen

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Wenn du vor der Entscheidung stehst, deine alte Heizung gegen eine Wärmepumpe auszutauschen, ist der künftige Stromverbrauch oft die größte Unbekannte. Hier erhältst du einen Überblick, mit welchen Werten du rechnen kannst, welche Hebel du selbst in der Hand hast und warum sich der Umstieg finanziell absolut auszahlt.

Das Prinzip: Wie die Wärmepumpe aus wenig viel macht

Die Effizienz der Wärmepumpe liegt in ihrer besonderen Funktionsweise. Sie sorgt nicht durch Verbrennung für Wärme, sondern indem sie Energie aus der Umwelt ins Haus holt – wie ein Kühlschrank, nur in umgekehrter Richtung. Die Umweltwärme bringt sie dann per elektrisch angetriebenem Kompressor auf das Temperaturniveau, das du für deine Heizung brauchst.

Der entscheidende Wert für dich ist die Jahresarbeitszahl (JAZ). Sie gibt an, wie viele Einheiten Wärme die Anlage über das ganze Jahr verteilt aus einer Einheit Strom gewinnt. Eine JAZ von 4 bedeutet: Du setzt 1 kWh Strom ein und erhältst 4 kWh Wärme. 75 Prozent der Energie kommen also kostenlos aus Luft, Erde oder Grundwasser.

Der Effizienz-Vorteil: Wie viel du mit einer Wärmepumpe jährlich sparst

Welchen Kostenvorteil das Wärmepumpen-Prinzip bringt, zeigt sich im direkten Vergleich mit einer modernen Gas-Brennwertheizung:

Beispiel: teilsanierter Altbau mit 150 m2 Wohnfläche und Wärmebedarf von 21.000 kWh

Kostenfaktor Gasheizung Luftwärmepumpe
Wirkungsgrad / JAZ 0,98 3,5
Energieverbrauch 21.420 kWh (Gas) 6.000 kWh (Strom)
Arbeitspreis (Stand 2026) ca. 12 ct/kWh ca. 26 ct/kWh (WP-Stromtarif)
Grundpreis pro Jahr ca. 120 Euro ca. 120 Euro
Heizkosten pro Jahr ca. 2.690 € ca. 1.680 €


Die jährliche Ersparnis von über 1.000 Euro führt dazu, dass sich die höheren Anschaffungskosten einer Wärmepumpe oft schon nach 8–12 Jahren amortisieren.

Die Stromkosten: Mehrere Tarif-Optionen zur Auswahl

Du kannst den Stromverbrauch deiner Wärmepumpe auf verschiedene Weisen decken und so teils noch mehr Kosten sparen:

  • Haushaltsstrom: Läuft die Wärmepumpe über deinen normalen Stromzähler, profitierst du vom Netzentgelt-Rabatt. Nach § 14a EnWG erhältst du diesen dafür, dass dein Netzbetreiber die Leistung deiner Wärmepumpe im Notfall kurzzeitig senken darf. Er senkt deine Stromrechnung jährlich um 110–190 Euro.
  • Dynamischer Stromtarif: Solche Tarife passen sich den stündlichen Preisen an der Strombörse an. In Zeiten mit viel Wind- und Sonnenstrom ist der Preis niedrig. Lässt du die Wärmepumpe dann das Wasser im Pufferspeicher aufheizen, sparst du einiges an Kosten.
  • Wärmepumpenstrom: Ein separater Zähler ermöglicht Spezialtarife. Bei diesen ist der Arbeitspreis pro Kilowattstunde niedriger. Da eine zusätzliche Grundgebühr anfällt, rechnet sich ein solcher Tarif vor allem bei hohem Verbrauch in größeren oder älteren Gebäuden.

Solarstrom: Wenn du den Strom vom eigenen Dach nutzt, kostet dich die Kilowattstunde nur noch einen Bruchteil des Marktpreises. Selbst im Winter liefert eine PV-Anlage oft genug Energie, um zumindest einen Teil des Bedarfs deiner Wärmepumpe zu decken.

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Der Umstieg: Warum sich eine Wärmepumpe jetzt lohnt

Der Preisvorteil, den du mit einer Wärmepumpe hast, wird sich in den kommenden Jahren noch vergrößern. Denn das Heizen mit fossilen Brennstoffen wird sich weiter verteuern:

  • Steigende CO₂-Abgabe: Die Kosten für den Ausstoß von CO₂ steigen gesetzlich festgelegt jedes Jahr. Gas und Öl dürften sich dadurch in Zukunft stark verteuern.
  • Pflicht zu grüner Energie: Ab 2029 müssen Gas- und Ölheizungen zu einem gewissen Anteil klimaschonende Brennstoffe wie Biomethan nutzen. Die sind jedoch nur begrenzt verfügbar und somit teurer als Erdgas oder Heizöl.
  • Gasnetzentgelte: Da immer mehr Menschen auf Wärmepumpen umsteigen, verteilen sich die Instandhaltungskosten der Gasnetze auf immer weniger Nutzer. Willst du weiterhin mit Gas heizen, musst du dich auf explodierende Grundgebühren gefasst machen.

Die Faktoren: Was den Stromverbrauch deiner Wärmepumpe beeinflusst

Wie viel Strom deine Wärmepumpe das Jahr über braucht, hängt gleich von mehreren Aspekten ab:

1. Wärmequelle

In den Tiefen der Erde und im Grundwasser herrschen auch im Winter konstant hohe Temperaturen. So erreichen Erdwärmepumpen im Schnitt eine JAZ von 4,3. Wobei sie mit Sonden höhere Werte erzielen als mit oberflächennahen Kollektoren. Luftwärmepumpen dagegen liefert die Außenluft stark schwankende Temperaturen. Sie kommen daher im Schnitt auf eine JAZ von 3,4. Trotzdem fällt die Wahl meist auf eine Luftwärmepumpe, da sie in der Anschaffung günstiger ist und sich leichter installieren lässt.

2. Wärmebedarf und Dämmzustand

Ist dein Haus schlecht gedämmt, entweicht viel Heizwärme nach draußen. Dann muss die Wärmepumpe hohe Temperaturen liefern, um die Raumtemperatur zu halten. Laut Fraunhofer Institut sollte der Wärmebedarf unter 150 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr liegen. Je besser die Dämmung von Dach, Wänden und Fenstern, desto weniger muss die Wärmepumpe leisten.

3. Heizflächen und Vorlauftemperatur

Wie viel Strom der Kompressor braucht, hängt stark davon ab, wie heiß das Wasser sein muss, das in deine Heizkörper oder Fußbodenheizungen fließt. Große Flächenheizungen sind ideal für eine Wärmepumpe, da sie mit einer Vorlauftemperatur von etwa 35 °C auskommen. Aber auch moderne Niedertemperatur-Heizkörper ermöglichen ihr einen effizienten Betrieb. Ziel sollte eine Vorlauftemperatur von maximal 50 °C bis 55 °C sein.

4. Klima

Auch dein Wohnort kann einen Einfluss auf den Stromverbrauch haben: In wärmeren Regionen muss die Wärmepumpe seltener Höchstleistungen erbringen als in klimatisch eher kalten Gegenden.

5. Warmwasserbedarf

Soll die Wärmepumpe nicht nur die Räume heizen, sondern auch für Warmwasser sorgen, braucht sie mehr Strom. Um Legionellen vorzubeugen, muss sie das Brauchwasser auf mindestens 60 °C erhitzen. Wie hoch der Anteil dafür auf der Stromrechnung ausfällt, richtet sich danach, wie viele Personen im Haushalt leben und wie häufig sie duschen oder baden. Kostentipp: Verwende einen Sparduschkopf.

6. Heizverhalten

Wie stark du heizt, ist ebenfalls von Bedeutung: Jedes Grad mehr Raumtemperatur steigert den Stromverbrauch um etwa 6 Prozent. Ein weiterer Kostentreiber: Fenster auf Dauerkipp. Dann muss die Wärmepumpe gegen den stetigen Wärmeverlust anheizen. Weniger Strom braucht sie, wenn du immer nur kurz stoßlüftest.

7. Korrekte Einstellung

Ein oft unterschätzter Faktor ist die korrekte Justierung der Wärmepumpe. Die Heizkurve sagt ihr, wie warm das Heizwasser bei welcher Außentemperatur sein muss. Eine zu steil eingestellte Heizkurve ist der häufigste Grund für einen unnötig hohen Stromverbrauch.

Zudem ist ein hydraulischer Abgleich durch einen Fachbetrieb unverzichtbar. Er sorgt dafür, dass jeder Raum genau die Menge an Heizwasser erhält, die er benötigt, und die Pumpe nicht unnötig hohe Vorlauftemperaturen bereitstellen muss.

8. Wartung

Nicht zu vergessen ist die Wartung. Ein sauberer Wärmetauscher und eine Anlage ohne Luft im System arbeiten einfach besser. Indem du regelmäßige fachmännische Checks durchführen lässt, sorgst du für einen reibungslosen und sparsamen Betrieb deiner Wärmepumpe.

Die Sanierungsmaßnahmen: Kleine Schritte, große Wirkung

Du musst dein Haus nicht komplett dämmen, um eine Wärmepumpe effizient zu betreiben. Oft senken schon gezielte Einzelmaßnahmen die Vorlauftemperatur und damit den Verbrauch:

  • Dämmung der obersten Geschossdecke oder der Kellerdecke
  • Austausch einzelner, zu kleiner Heizkörper gegen größere Modelle
  • Einbau neuer Fensterdichtungen oder moderner Wärmeschutzverglasung

Das Wichtigste: Die Wärmepumpe korrekt auslegen und installieren

Damit all die Vorteile einer Wärmepumpe voll greifen, muss das Heizungssystem penibel auf dein Gebäude abgestimmt sein. Die exakte Heizlastberechnung ist das Fundament einer guten Planung. Ist die Wärmepumpe zu groß dimensioniert, kommt es zum sogenannten Takten. Dieses ständige An- und Ausschalten treibt nicht nur deinen Stromverbrauch in die Höhe, sondern verkürzt auch die Lebensdauer des teuren Kompressors. Beauftrage daher unbedingt einen qualifizierten Handwerksbetrieb. Nur durch professionelle Planung, exakte Dimensionierung und fehlerfreie Installation arbeitet deine Wärmepumpe jahrzehntelang sparsam.

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