Ratgeber

Wärmepumpe und PV-Anlage verbinden: So optimierst du deinen Eigenverbrauch automatisch

Autorenbild: Kerstin Faust
immowelt App herunterladen

Du hast eine Wärmepumpe und eine Solaranlage auf dem Dach? Perfekt! Richtig clever wird dieses Doppel, wenn beide Geräte zusammenarbeiten. Damit das klappt, gibt es verschiedene Möglichkeiten für ein optimales und automatisiertes Energiemanagement.

Das Prinzip ist einfach: Wenn die Sonne scheint und deine Solaranlage Strom im Überfluss gewinnt, schaltet sich die Wärmepumpe automatisch ein und heizt Warmwasser oder Räume auf Vorrat auf. So nutzt du deinen eigenen, günstigen Strom effizient, wenn er im Überfluss da ist, anstatt teuren Strom aus dem Netz zum Heizen zu kaufen. Deine Unabhängigkeit steigt, deine Stromrechnung sinkt spürbar – und das ganz automatisch im Hintergrund. Hier erfährst du, wie das funktioniert und worauf du achten solltest.

Cleveres Zusammenspiel: Warum sich die Kombination lohnt

Solarstrom vom eigenen Dach ist günstig: Eine Kilowattstunde kostet dich in der Herstellung etwa 10 Cent an Stromgestehungskosten. Betreibst du zusätzlich einen Stromspeicher, betragen diese Kosten etwa 16 Cent. Doch die rechnen sich!

  • Netzstrom vom Energieversorger kostet meist mehr als das Doppelte. Deshalb gilt eine einfache Regel: Je mehr eigenen Solarstrom du selbst verbrauchst, desto mehr Geld sparst du.

 

Anstatt deinen überschüssigen Strom für wenig Geld ins öffentliche Netz einzuspeisen, nutzt du ihn für deine Wärmepumpe. Sie wandelt den Strom in Wärme – für Warmwasser und deine Heizung. Der Warmwasserspeicher bewahrt die Wärme für die Stunden auf, in denen die Sonne nicht scheint. Besonders im Frühling und im Herbst zahlt sich das aus: In diesen Übergangsjahreszeiten gibt es viel Sonne, aber es kann so kühl sein, dass du deine Heizung brauchst.

Anzeige

Batteriespeicher prognosebasiert laden und Sonneneinstrahlung maximal nutzen

Dein Photovoltaik-System muss mit einer intelligenten Steuerungstechnologie verknüpft sein. Das ist ein Home Energy Management System (HEMS) beziehungsweise ein prognosebasiertes Energiemanagement

Ein prognosebasiertes Energiemanagement löst vor allem folgendes Problem: Ohne Steuerung beginnt dein Batteriespeicher mit den ersten Sonnenstrahlen mit dem Laden. Dann ist er allerdings mittags, zur Zeit der intensivsten Sonneneinstrahlung, bereits voll. Das hat mehrere Nachteile für dich. Vor allem kannst du dann nicht davon profitieren, dass der Speicher die Einspeisespitzen aufnimmt, die ansonsten für die gesetzlich vorgegebene Abregelung sorgen. Die bedeuten nur Verlust für dich. Umso wichtiger ist es, den Solarstrom clever zu steuern und möglichst viel selbst zu nutzen.

 

Dein HEMS hat folgende Möglichkeiten, um das Ladeverhalten zu optimieren:

  • Laden verschieben: Das System errechnet anhand von Erzeugungs- und Verbrauchsprognosen den optimalen Ladefahrplan und legt die Batterieladung gezielt auf die Mittags- oder Nachmittagsstunden.
  • Abregelungsverluste vermeiden: Das System hält Speicherkapazität für die Mittagszeit frei. So können Einspeisespitzen, die sonst aufgrund gesetzlicher Einspeisebegrenzungen (z. B. auf 50 % oder 60 % der PV-Nennleistung) vom Wechselrichter abgeregelt werden müssten, in der Batterie gespeichert und selbst verbraucht werden.
  • Verlängerung der Batterielebensdauer als positiver Nebeneffekt: Da das HEMS den Speicher nicht mehr morgens voll auflädt und ihn stundenlang im schädlichen vollgeladenen Zustand belässt, altert die Lithium-Ionen-Batterie wesentlich langsamer. Laut Simulationen der RWTH Aachen kann diese Schonung der Batterie die Lebensdauer um bis zu 4,3 Jahre verlängern.

 

Dein HEMS benötigt verlässliche Daten, um eine Prognose für die Einstellung vorzunehmen. Dafür gibt es verschiedene Ansätze:

  • Wetterbasierte Online-Prognosen: Einige Systeme laden sich Wetterprognosen aus dem Internet herunter und verknüpfen diese mit Anlagendaten wie der Dachneigung und Verschattung.
  • Lokale Messdaten nutzen: Bei der “Persistenz-Methode” kommt das System ohne dauerhafte Internetverbindung aus. Es nutzt stattdessen die lokal erfassten Erzeugungs- und Verbrauchsdaten der vergangenen Tage und passt sie adaptiv an die aktuellen Wetterbedingungen an.

Wärmepumpe und E-Auto einbinden und noch mehr aus deinem Solarstrom rausholen

Ein zentrales HEMS kann nicht nur die Batterie, sondern auch weitere Verbraucher im Haus vernetzen und automatisch ansteuern. Das System kann gezielt das Elektroauto laden oder die Wärmepumpe anwerfen, wenn ein hoher Solarstromüberschuss besteht. Das erhöht den Eigenverbrauch enorm, da diese Verbraucher eine große Menge an Energie abnehmen und zeitlich flexibel betrieben werden können.

3 einfache Wege: So arbeitet deine Heizung clever mit

Damit deine Wärmepumpe die sonnen- und stromintensiven Zeiten optimal nutzt, gibt es verschiedene konkrete Möglichkeiten. 

  1. SG Ready: Das „Sonne-scheint“-Signal
    Moderne Wärmepumpen haben einen eingebauten Empfänger für das sogenannte „SG Ready“-Signal. Das steht für Smart Grid Ready, also “bereit für schlaue Stromnetze”. Sobald deine Solaranlage Überschuss produziert, schickt sie ein Signal an die Heizung. Die Wärmepumpe schaltet sich daraufhin automatisch ein.
  2. Wärme auf Vorrat speichern
    Bekommt die Wärmepumpe das Signal für überschüssigen Sonnenstrom, heizt sie das Haus sanft auf Vorrat auf:
    Das Brauchwasser im Speicher wird um ca. 5 Grad wärmer aufgeheizt als sonst.
    Die Raumtemperatur wird um ca. 2 Grad leicht angehoben.
    Das Wasser und die Wände im Haus speichern diese Wärme für die kühleren Abendstunden.
  3. Ganz simpel: Die Zeitschaltuhr
    Auch ohne intelligentes Management-System kannst du viel erreichen: Über die normale Einstellung deiner Heizung kannst du festlegen, dass Brauch- und Heizwasser immer mittags, zum Beispiel zwischen 12:00 und 15:00 Uhr, aufgeheizt wird. In diesen Stunden ist die Sonneneinstrahlung am intensivsten und du nutzt den Solarstrom effizient.

Ersparnis-Check: Wie viel bringt die Automatisierung wirklich?

Wenn Solaranlage und Wärmepumpe zusammenarbeiten, verändert das deine Stromrechnung deutlich:

  • Ohne Stromspeicher: Du nutzt rund 20 % bis 40 % deines Solarstroms direkt selbst.
  • Mit Stromspeicher: Du nutzt etwa 60 % bis 80 % deines Solarstroms selbst.

Was das finanziell für dich bedeutet: Weil du deutlich weniger teuren Strom aus dem Netz kaufen musst, sinken die laufenden Stromkosten deiner Wärmepumpe um ca. 20 % bis 80 %. Ein schöner Nebeneffekt: Du schützt das Klima, weil dein Heizstrom direkt vom eigenen Dach kommt und du damit lokal emissionsfrei heizt.

Beispielrechnung: So viel sparst du pro Jahr

Die Stromspeicher-Inspektion 2025 der HTW Berlin zeigt an einem Rechenbeispiel deutlich, welches Einsparpotenzial sich durch die Nutzung eines HEMS bietet.

Der Referenzhaushalt ist eine Familie im Einfamilienhaus, die durch eine Wärmepumpe und ein E-Auto einen jährlichen Strombedarf von 9.363 kWh hat.

Wir nehmen für diese Rechnung vereinfacht einen fixen Strombezugspreis von 40 ct/kWh an, woraus sich ohne PV-Anlage jährliche Stromkosten von 3.745 Euro ergeben würden 

 

Ohne HEMS

Die Basis: PV-Anlage und Standard-Speicher (ohne HEMS-Eingriff) Die Familie installiert eine 10-kWp-Photovoltaikanlage und einen hocheffizienten 10-kWh-Batteriespeicher.

  • Wirkung: Das System deckt direkt 56 % des gesamten Stromverbrauchs.
  • Einsparung: Durch den vermiedenen Netzbezug und die Einspeisevergütung für den ins Netz fließenden Überschussstrom (ca. 8 ct/kWh) spart der Haushalt insgesamt fast 2.500 Euro pro Jahr.
  • Problem: Ohne HEMS lädt der Speicher an sonnigen Tagen schon morgens voll. In der Mittagszeit muss die Anlage dann wertvollen Strom aufgrund von gesetzlichen Einspeisebegrenzungen ungenutzt abregeln.

 

Mit HEMS 

Zusätzliche HEMS-Einsparung: Prognosebasiertes Laden Das HEMS verschiebt die Batterieladung in die Mittagszeit, um genau die Einspeisespitzen abzufangen, die sonst abgeregelt würden.

  • Zusatzerlöse im Test: In einem realen 10-Tages-Test der HTW Berlin im Frühsommer konnten durch diese intelligente Ladestrategie mehr Strommengen ins Netz eingespeist werden, weil sie nicht abgeregelt werden mussten. Dies sparte je nach System um 1,40 Euro bis 3,10 Euro.
  • Fiktive Hochrechnung: Gehen wir in unserem Beispiel von etwa 150 ertragreichen Sonnentagen im Jahr aus, an denen das HEMS die mittägliche Abregelung effektiv verhindert. Dies bringt der Familie durch den zusätzlich verkauften Strom eine finanzielle Ersparnis/Mehrerlös von ca. 45 Euro pro Jahr.
     

Fazit der Beispielrechnung

Die PV-Anlage mit Speicher spart der Familie im Status quo fast 2.500 Euro pro Jahr an Stromkosten. Das HEMS optimiert dieses System vollautomatisch im Hintergrund und generiert einen direkten zusätzlichen Gewinn von ca. 45 Euro jährlich, womit die Gesamtersparnis auf ca. 2.545 Euro steigt.

Gut zu wissen: Wo die Technik an ihre Grenzen stößt

  1. Die Heizung verbraucht beim Extra-Aufheizen etwas mehr Strom: Wenn die Wärmepumpe das Wasser besonders stark aufheizen muss, arbeitet sie etwas ineffizienter. Das heißt, die Jahresarbeitszahl (JAZ) sinkt um etwa 4 % bis 6 %. Aber keine Sorge: Da der Strom vom Dach sehr günstig ist, sparst du trotzdem unterm Strich.
  2. Dunkle Wintermorgen: Im Dezember und Januar reicht die Sonne nicht aus, um das Haus den ganzen Tag mit Solarstrom zu versorgen. Vor allem in den besonders kalten Morgenstunden zwischen 4:00 und 7:00 Uhr muss die Wärmepumpe Strom aus dem Netz beziehen.

Auf einen Blick: Vor- und Nachteile der Kombination aus PV-Anlage & Wärmepumpe

Vorteile Gut zu wissen / Nachteile
Maximaler Eigenverbrauch: Mit einem Stromspeicher nutzt du etwa 60 % bis 80 % (ohne Speicher 20 % bis 40 %) deines erzeugten Solarstroms direkt selbst im Haus. Leichte Effizienzeinbußen bei der JAZ: Durch das Aufheizen auf Vorrat sinkt die Jahresarbeitszahl der Wärmepumpe um 4 % bis 6 % – der günstige Solarstrom wiegt diesen leichten Verlust finanziell aber spielend auf.
Spürbar geringere Heizkosten: Die laufenden Stromkosten deiner Wärmepumpe sinken um 20 % bis 80 %; eigene Stromgestehungskosten von ca. 10 bis 16 ct/kWh ersetzen teuren Netzstrom. Grenzen im dunklen Winter: In den Wintermonaten beträgt der PV-Ertrag nur etwa ein Siebtel des Ertrags in den Sommermonaten. Du musst deutlich mehr Strom zukaufen.
Längere Akku-Lebensdauer: Ein prognosebasiertes HEMS verhindert, dass der Speicher morgens voll herumsteht. Das schont die Batterie und kann ihre Lebensdauer um bis zu 4,3 Jahre verlängern. Zusätzliche Anschaffungskosten: Für Hardware wie ein intelligentes Energiemanagementsystem (HEMS) oder einen Stromspeicher fällt zu Beginn eine Investition an.
Keine Verluste durch Abregelung: Das HEMS hält zur Mittagszeit Speicherkapazität frei, um gesetzlich begrenzte Einspeisespitzen abzufangen und gewinnbringend im Eigenheim zu nutzen. Datenbedarf für Prognosen: Für den optimalen Ladefahrplan benötigt das HEMS verlässliche Daten – entweder über eine Online-Wetterprognose oder lokale historische Messdaten.
Kostenloser Wärme-Speicher: Brauchwasser (+5 °C) und Wohnräume (+2 °C) dienen ganz ohne Zusatzkosten als thermischer Puffer für die kühleren Abendstunden.  
Smarte Sektorkopplung: Neben der Wärmepumpe lassen sich auch weitere flexible Großverbraucher wie das Elektroauto automatisch einbinden und stromgeführt laden.  
Klimafreundlich & emissionsfrei: Dein Heizstrom kommt direkt vom eigenen Dach – das senkt die CO₂-Emissionen vor Ort auf Null und macht dich unabhängig vom Markt.  

Fazit: Mehr Unabhängigkeit für dein Zuhause

Wärmepumpe und Solaranlage zu verbinden, ist der einfachste Weg zu dauerhaft niedrigen Heizkosten. Schon mit einfachen Kniffen – wie der Einstellung, das Warmwasser mittags aufzuheizen – holst du ohne große Zusatzkosten viel heraus. Setzt du zusätzlich auf einen Energiemanager oder einen Stromspeicher, machst du dich noch unabhängiger von steigenden Netzstrompreisen.

(0)
0 von 5 Sternen
5
 
4
 
3
 
2
 
1
 
Deine Bewertung:

Seite weiterleiten

Artikel drucken

War dieser Artikel hilfreich?

immowelt Redaktionskodex

Die immowelt Redaktion verfügt über ein breites Immobilienwissen und bietet den Lesern sorgfältig recherchierte Informationen in hilfreichen Ratgebertexten. Der Anspruch der immowelt Experten ist es, komplexe Sachverhalte möglichst einfach wiederzugeben. Sämtliche Inhalte werden regelmäßig überprüft und verlässlich aktualisiert. Die immowelt Redaktion kann und darf keine rechtsgültige Beratung leisten. Für rechtsverbindliche Auskünfte empfehlen wir stets den Rat eines Fachanwalts, Eigentümer- oder Mieterverbands einzuholen.