Die Commerzbank steht vor einer möglichen Übernahme durch die italienische Großbank Unicredit. Wie angekündigt wurde im Mai ein offizielles Angebot auf der Hauptversammlung in Mailand beschlossen. Doch was bedeutet ein solcher Deal für Immobilienkäufer und ihre Baufinanzierung?
Der Commerzbank-Tower in Frankfurt am Main. Foto: stock.adobe.com / travelview
Die italienische Großbank Unicredit macht im Übernahmekampf um die Commerzbank ernst und hat nun ein konkretes Angebot vorgelegt. Demnach bietet das Institut 0,485 neue Unicredit-Aktien für jeweils eine Commerzbank-Aktie. Die Offerte läuft zunächst bis zum 16. Juni 2026 und kann bis Anfang Juli verlängert werden.
Allerdings steht das Angebot unter zahlreichen Vorbehalten. Neben kartellrechtlichen Freigaben in mehreren Ländern müssen auch verschiedene Finanzaufsichtsbehörden zustimmen, darunter die Europäische Zentralbank sowie Aufseher in Deutschland, den USA und weiteren Märkten. Ein Abschluss der Transaktion wird daher frühestens im zweiten Quartal 2027 erwartet.Trotzdem bleibt der Widerstand groß. Die Commerzbank selbst sowie die Bundesregierung lehnen eine Übernahme weiterhin ab. Der Bund ist noch immer bedeutender Aktionär und setzt auf eine eigenständige Zukunft des Instituts. Kritisch gesehen werden vor allem mögliche Einschnitte: Unicredit hat bereits angekündigt, im Falle einer Übernahme Tausende Stellen abzubauen und die Bank grundlegend umzustrukturieren.
Auch inhaltlich liegen beide Seiten weit auseinander. Während Unicredit auf Synergien und eine stärkere Integration setzt, sieht die Commerzbank darin kein ausreichendes Wertpotenzial für ihre Aktionäre. Entsprechend angespannt bleibt die Lage – eine Einigung ist derzeit nicht in Sicht.
Was passiert mit baufinanzierungen?
Die Frage stand bereits zuvor im Raum, als Unicredit in einer früheren Annäherung an die Commerzbank ihre Übernahmeambitionen bekräftigte. Mit dem nun konkreten Angebot rückt sie erneut in den Fokus: Welche Folgen hätte ein Einstieg der Italiener für Immobilienkredite?
Die Commerzbank zählt zu den zentralen Anbietern im deutschen Baufinanzierungsmarkt. Das Volumen an Hypotheken und Immobilienkrediten liegt aktuell bei rund 96 Milliarden Euro. Entsprechend groß ist die Unsicherheit bei vielen Kreditnehmern. Sowohl die Bank selbst als auch die Finanzaufsicht geben jedoch Entwarnung.
Vertragliche Sicherheit bleibt bestehen
„Grundsätzlich haben Übernahmen auf vertragliche Verpflichtungen keine Auswirkungen“, stellt ein Sprecher der Commerzbank klar. Bestehende Baufinanzierungen sind rechtlich bindend abgeschlossen. Zinsen, Laufzeiten und Tilgungsraten bleiben unverändert bestehen und können nicht einseitig angepasst werden. Auch aus Sicht der Aufsicht sind solche Verträge geschützt.
Auch bei einer Fusion bleiben Kredite bestehen
Selbst im Fall einer späteren Integration in den Unicredit-Konzern behalten bestehende Kreditverträge ihre Gültigkeit. Denkbar wäre lediglich, dass sich der formale Vertragspartner innerhalb des Konzerns ändert. Für Kreditnehmer hätte das jedoch keine Auswirkungen auf die vereinbarten Konditionen ihrer Finanzierung.
Änderungen der Geschäftspolitik möglich
Unabhängig von einer Übernahme kann sich die strategische Ausrichtung einer Bank jederzeit verändern. Das gilt auch für das Baufinanzierungsgeschäft. Für neue Kredite oder Anschlussfinanzierungen könnten künftig andere Konditionen gelten. Ebenso sind Anpassungen bei Produkten oder Schwerpunkten im Immobiliengeschäft möglich.
Fazit für Kunden
Für bestehende Baufinanzierungen ändert sich durch eine mögliche Übernahme zunächst nichts. Verträge bleiben bestehen, die Konditionen sind gesichert. Perspektivisch könnten sich jedoch Angebote und Strategien verändern. Wer eine Anschlussfinanzierung plant, sollte die weitere Entwicklung daher aufmerksam verfolgen.
Geschrieben am 05.05.2026
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